Hörsaal
Die Studenten am KIT sind jetzt Elite-Studenten. Doch was ändert sich dadurch eigentlich wirklich? | Foto: Uli Deck/Archivbild

Schulterzucken am Campus

Das KIT ist wieder Exzellenz-Uni – aber wie viel kommt davon bei den Studenten an?

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Das KIT ist endlich wieder Elite-Uni. Auf dem Campus geht das Studentenleben aber derweil so weiter wie immer – gefühlt alles beim Alten. Bis auf die Förderung von 105 Millionen Euro, die das KIT in den nächsten sieben Jahren erhält, natürlich. Doch wie viel Elite kommt eigentlich bei den Studenten an?

In der Woche nach dem Wiederaufstieg zur Exzellenzuniversität scheint sich am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) auf den ersten Blick nichts verändert zu haben. Beim Schlendern über den Campus trifft man Studierende, die sich draußen zum Lernen treffen, auf den Stufen der Universitätsgebäude Kaffee trinken oder sich im Schatten über Smartphones beugen. Gefühlt ist alles beim Alten.

Wer nach Elite fragt, erntet Schulterzucken

In den nächsten sieben Jahren werden dem KIT aber insgesamt 105 Millionen Euro an Fördergeldern zufließen. Außerdem sollen in den kommenden zehn Jahren nicht weniger als 100 neue Professuren eingerichtet werden. Aber ist davon auch etwas bei den Studenten spürbar? Wer diese auf dem Campus nach dem neuen Status als Elite-Uni fragt, erntet häufig Schulterzucken.

Status ist vielen Studenten nicht wichtig

„Wir als Studenten werden davon nicht viel haben,“ sagt ein angehender Wirtschaftsingenieur. Er sitzt mit einem Kommilitonen an einem Tisch vor der Fakultät für Elektrotechnik. Zwischen ihnen stehen aufgeklappte Laptops. „Wenn wir jetzt in der Forschung wären, dann wäre das vielleicht anders.“ Nach dem Studium am KIT zu forschen, können sich jedoch beide nicht vorstellen. „Da muss man sein Fach schon sehr lieben.“ Dass das KIT nun Exzellenzuniversität ist, spielt für die beiden Wirtschaftsingenieure in Ausbildung keine große Rolle. Das KIT habe vorher auch schon einen guten Ruf gehabt, sagen sie.

Elite-Status pusht das Ego

Zwei Studenten und eine Studentin des Studiengangs „Wissenschaft, Medien, Kommunikation“, die gerade auf den Stufen des Mathematikgebäudes Pause machen, haben eine Vermutung, welche Studierenden wohl von den Fördergeldern profitieren könnten. Das Geld werde wahrscheinlich in die Technik fließen, glauben sie. „Unsere Dozenten haben uns schon gesagt, dass das für uns keine großen Auswirkungen haben wird“, sagt die Studentin. Aber dass sie sich nun „Elite-Studenten“ nennen könnten „pusht schon auch das Ego“.

Vom KIT-Aufstieg „lange nichts mitbekommen“

Bei den Fahrradparkplätzen vor der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik pumpt eine Studentin den Reifen ihres Fahrrads auf. Von dem Aufstieg des KIT zur Elite-Uni habe sie lange gar nichts mitbekommen, sagt sie. Erst als die Rundmail der Universität in ihrem Postfach gelandet sei, sei ihr klar geworden, dass sie ja nun an einer Elite-Uni studiere. „Es ist toll, dass wir jetzt Fördergelder bekommen“, findet die Elektrotechnik-Studentin. An einer Elite-Uni zu studieren, bedeute ihr persönlich allerdings nichts. „Das war mir eigentlich nie so wichtig“, erklärt sie und zuckt die Schultern.

KIT-Studenten: Profitieren wird wohl nur die Forschung

Vor der Fakultät für Chemie und Biowissenschaften sitzen drei junge Männer beisammen und zeichnen chemische Formeln in ihre Hefte. „Wir haben doch damals auch schon als Elite-Studenten angefangen“, sagt einer der Männer und erntet Gelächter. Schließlich war das KIT bis 2012 schon einmal Elite-Universität. „Für uns Studenten wird sich nichts ändern. Es sei denn, wir gehen in die Forschung“, sagt er dann ernst. Das werde aber ohnehin passieren, fügt sein Sitznachbar hinzu. „Wer nach dem Chemie-Studium was werden will, muss promovieren.“ Aber dann werde man sich über die Fördergelder auch sicher freuen.

Nicht weit entfernt sitzen drei Studentinnen der Kunstgeschichte zusammen. „Uns betrifft das nicht“, sagen auch sie über den neuen Status des KIT. „Aber trotzdem ist es schön, sagen zu können, man studiert am KIT.“ Sie lächeln freundlich. Doch dann wieder: Schulterzucken.