Das KIT will seine Südfront an der Kaiserstraße verändern.
DAS KIT macht komplett die Nordseite der Kaiserstraße zwischen Berliner Platz und Durlacher Tor (rechts) aus. Dort steht mit dem alten Hauptgebäude (links) die Keimzelle der Karlsruher Hochschullandschaft. Auch hier will man Universität und Stadt besser vernetzen. Noch beherrschen die Bahnen die Szene, nach 2020 rollen die meisten im Tunnel. | Foto: jodo

Fallen Zäune an Kaiserstraße?

Das KIT will sich nach Süden öffnen

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Keine neue Mauer und weniger alte Zäune. Das KIT und die Fächerstadt wollen eine Symbiose bilden. Auch städtebaulich möchte man den Campus Süd so pflegen und neu bestellen, dass Wissenschaft und Forschung an der Kaiserstraße und beiderseits des Adenauerrings gedeihen. Dabei rückt nun auch die historische Front der alten Universität auf der Nordseite der Kaiserstraße zwischen Berliner Platz und Durlacher Tor in den Blickpunkt.

Das KIT zeigt sich

„Wir wollen den Campus an der Südseite öffnen“, versichert Gerhard Schmidt, der KIT-Campusentwickler. Der Slogan „Das KIT zeigt sich“ werde zum Umbauprogramm. „Mächtig Schwung“ bringe dafür die U-Strab, meint er. „Die Verknüpfung von Campus und Stadt ist zentrales Ziel unserer Politik“, unterstreicht Baubürgermeister Michael Obert. Deshalb unterstütze die Stadt entschieden den KIT-Plan zur Öffnung an der Kaiserstraße.

Haltestelle fällt weg

Mit der derzeit für 2020 anvisierten U-Strab-Inbetriebnahme bekommen die KIT- und Stadtplaner ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten im Ostabschnitt der Kaiserstraße: Dann werden dort nur noch ein oder zwei Straßenbahnlinien oberirdisch rollen. Daraus resultiert, dass das große Haltestellenprovisorium vor dem Zauntor zum KIT am einst großherzoglichen Zeughaus für die Jagdwagen wieder verschwindet. Schließlich gibt es dann nach sieben Jahren wieder eine oberirdische Straßenbahnstation Durlacher Tor. In Planerkreisen hofft man, dass die Verkehrsbetriebe sogar den Gleiskörper dort so wie derzeit noch in der Fußgängerzone Kaiserstraße absenken können.

 Zaun kann fallen

Vor allem aber denkt man beim Land daran, den hohen Zaun zwischen den Zeughauspavillons aus dem 18. Jahrhundert sowie dem alten Botanischen Institutsbau am Durlacher Tor und dem historischen Uni-Hauptgebäude fallen zu lassen.

Was geschieht mit der „Botanik“?

Dazu kommen die Fragen nach der künftigen Nutzung der seit wenigen Wochen leer stehenden „Alten Botanik“ und des Uni-Hauptgebäudes. In den Zeughauspavillons, wo einst der Hofjäger und Rüdenmeister wohnte, arbeitet heute das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Industriebau des KIT.

Fürstliche Bauten stehen auch auf dem KIT-Campus
DIE ZEUGHAUSPAVILLONS von 1779 gelten als architektonischer Schatz des KIT an der
Kaiserstraße. Man will auch dort den Zugang zum Campus öffnen.
| Foto: jodo

Sprung nach Osten

Die KIT-Entwickler setzten bei ihrer Standortstärkung am historischen Karlsruher Hochschulgelände neben den laufenden Nachverdichtungs- und Sanierungsprojekten auch auf den Sprung über den Adenauerring. Für diese bei Bürgern der Oststadt sehr umstrittene Campus-Erweiterung in zentraler Stadtlage durch Kooperation mit der Tschira-Stiftung läuft das Bebauungsplanverfahren. Dabei wird besonders der Verlust des Botanischen Gartens des KIT mit den historischen Pflanzenschauhäusern an dieser Stelle beklagt. Das KIT dagegen verspricht sich damit den großen Entwicklungsschub an der Ostflanke des Campus.
Die Südfront der Uni kann indessen nur aufgelockert werden. Ein Sprung der Labors über die Kaiserstraße in das Rotlichtmilieu oder die Kneipenszene scheint unmöglich.

Bedarfsformulierung fehlt noch

„Noch fehlt leider die konkrete Bedarfsformulierung seitens des KIT für die Gebäude“, erklärt Günter Bachmann, Chef des Karlsruher Amts von Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Und so sieht die vorläufige KIT-Planung laut Schmidt aus: Die alte Botanik am Durlacher Tor bekommt eine Nutzung mit Öffentlichkeitswirkung. Gleiches gilt für das Zeughaus-Ensemble mit den Pavillons aus dem 18. Jahrhundert. Die alten Zäune des Fasanengartens vor dem Zeughaus sind 2020 weg. Richtung Hauptgebäude ist der Neubau eines Mechatronik-Lernzentrums mit Eingang von der Kaiserstraße geplant. Auch das KIT-Stammhaus soll nach der Sanierung Publikum von außen bekommen.

U-Strab bringt Gestaltungsspielraum

Das KIT könne in der Kaiserstraße „sein Vorfeld verbreitern“, meint der Baubürgermeister. Überlegungen dazu liefen bei den Stadtplanern: Wenn in der Kaiserstraße nur noch zwei Straßenbahnlinien fahren, „kann vielleicht auf den Gleiskörper in der Mitte verzichtet werden“, sagt Obert. So würde ein Verschieben der Schienen und des Autoverkehrs an die Nordseite der Kaiserstraße möglich – und damit eine vergrößerte Freifläche vor der Uni, vom Durlacher Tor bis zum Berliner Platz.