Das Hofgut Maxau liegt am Rhein
AUF DER INSEL MAXAU im Landschaftspark Rhein zwischen dem Strom und dem Knielinger See ist das Hofgut Maxau ein Besuchermagnet. Die große Attraktion „Museumsfest“ in den Scheunensälen und mit vielen Aktionen im Freien fällt diesmal aus. | Foto: Sandbiller

Konflikt um Hofgut-Nutzung

Das Museumsfest in Maxau fällt aus

Das Knielinger Museumsfest fällt aus. Der Förderverein des Museums im Hofgut Maxau hat das Traditionsereignis zu Ende der Sommerferien abgesagt. Damit verliert Karlsruhe vor allem für die Ferienfamilien eine Attraktion.

Probleme mit dem Pächter des Hofguts sowie ein zu hohes Finanzrisiko wegen einer erstmals geforderten „Aufwandsentschädigung“ für den am 2. und 3. September geplanten Festbetrieb im Museum und auf der Hofgut-Außenfläche hätten keine andere Wahl gelassen, bedauert Vereinsvorsitzende Ute Müllerschön. Dabei kritisiert sie besonders das städtische Liegenschaftsamt, das bei der Schlichtung des Streits versagt habe.

Rettungsversuch zu spät

Auch ein spontaner Rettungsversuch von Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz am Dienstag, nachdem sie von der Absage erst am Montagabend erfahren hatte , konnte die verfahrene Situation nicht mehr auflösen. Nach dem Treffen der Beteiligten im Rathaus wird jetzt lediglich ein vergleichsweise kleines „Erntefest“ statt des Sommermagneten „Museumsfest“ angestrebt.

Da aber war es schon zu spät

Das große Knielinger Museumsfest mit vielen Aktionen wie Backen oder Dreschen oder Vorführungen historischer Handwerkskunst und Ständen gab es schon 15 Mal, seit langem im Zwei-Jahres-Rhythmus. Es zog in Spitzensommern bis zu insgesamt 10 000 Besucher an einem Wochenende zum Hofgut am Rhein.
„Wir haben erst am Dienstag erfahren, dass die Finanzforderung an den Verein von 2 500 auf 250 Euro, also ein auf ein Zehntel, reduziert wurde“, berichtet Müllerschön.

„Da aber war es schon zu spät; denn wir mussten das Fest bereits am Donnerstag absagen“, erklärt sie. Die aufwendige Organisation habe keinen längeren Aufschub der Entscheidung erlaubt.

Rinderhaltung am Hofgut Maxau
DIE RINDVIECHER auf weiter Weide gehören zum Konzept „Landschaftspark Rhein“, wo 2015 das Hofgut samt Gaststätte neu eröffnete. Sie tragen keine Schuld daran, dass das Museumsfest abgesagt wurde. | Foto: jodo

Zudem prangert Ute Müllerschön an, dass es das Liegenschaftsamt trotz ihrer Intervention 2015 versäumt habe, die Nutzung der Außenflächen bei Festen durch den Verein vertraglich festzuschreiben. Dies müsse unbedingt nachgeholt werden, meint sie.

„Völlig überraschend“

„Ich bedaure das sehr, ich habe das überhaupt nicht erwartet“, betont Hofgut-Pächter Andreas Schmid. „Für mich kam die Absage des Vereins völlig überraschend“, setzt er hinzu. Er selbst habe seinerseits schon „alle Vorbereitungen getroffen“, etwa Kartoffeln und Sommerweizen auf 1,7 Hektar für die Erntevorführungen beim Vereinsfest gezogen. An seiner Kooperationsbereitschaft mangele es also nicht.

Schmid bestätigt, dass er dem Verein für das Fest einen Nutzungsvertrag zugestellt hat. Besonders auf den Haftungsausschluss bei  einem Fest-Unfall zum Schutz seines Hofgutbetriebs aus Landwirtschaft und Gastronomie müsse er bestehen. Das Liegenschaftsamt habe ihn darin auch bestärkt. „Ich will doch nur Sicherheit für meinen Betrieb, das ist alles.“

Mit seiner Unterstützung könne der Verein gerne weiter Feste auf dem Hofgut feiern. Seinen guten Willen habe er auch gezeigt, indem er auf Vorschlag des Liegenschaftsamts die vertragliche Aufwandsentschädigung auf ein Zehntel zusammengestrichen habe. Übrigens verlange der Verein selbst beim Museumsfest Standgebühren, wirft Schmid ein.

Was ist das Problem im Hofgut?

Allerdings ist die Stimmung in Maxau generell angespannt: Zwischen Andreas Schmid, Hofgutpächter seit 2015, und dem Museumsverein – geführt von Ute Müllerschön, die bis 2012 viele Jahre mit ihrem Mann das Hofgut als Pächter bewirtschaftete – bestehen mindestens gehörige Verständigungsprobleme beim Ausgleich unterschiedlicher Interessen. Deshalb hat die Stadt eine Mediatorin zum Schlichten des Maxauer Streits eingesetzt.  Beide Parteien versichern dazu den BNN, dass die Mediatorin gut bei ihnen ankomme, dass es eigentlich keine großen Hindernisse gebe und sie gut miteinander auskommen könnten.

Erntefest und Traktortreffen

Statt des Museumsfests wird es in diesem Sommer nun zwei kleinere Festivitäten geben: ein Erntefest des Museumsvereins am 2. und 3. September und ein Oldtimer- und Traktorenfest am 13. August in alleiniger Regie des Hofgutpächters, also ohne die imposanten Traktor-Veteranen des Museumsvereins.

„Unglücklich gelaufen“

„Das ist sehr unglücklich gelaufen“, erklärt die Bürgermeisterin auf BNN-Nachfrage. Sie sei „schon etwas irritiert“ gewesen, als sie von der Absage erfuhr, und habe deshalb sofort zum „Krisengespräch“ gerufen. Ausdrücklich bedauert sie „einen Fehler in der Kommunikation“, den sie aber weder direkt ihrem Liegenschaftsamt noch dem Pächter zuschreiben könne. Indessen versucht die von den Beteiligten für ihr schnelles – wenn auch zu spätes – Eingreifen gelobte Luczak-Schwarz, den Blick auf die Zukunft zu lenken. Bis Oktober will sie auch durch die Mediation des Maxauer Streits Klarheit haben, damit es künftig wieder ein Knielinger Museumsfest im Maxauer Rheinpark geben kann.

 

Ohne Regeln geht nichts

Die Bürgermeisterin hat schon vor Monaten „Unstimmigkeiten zwischen den Akteuren“ bei ihren Besuchen in Maxau wahrgenommen. Deshalb habe man auf Anregung des Liegenschaftsamts die Mediatorin eingesetzt. Luczak-Schwarz erkennt an, „dass es ohne vertragliche Regeln nicht geht“. Hier bestehe Nachholbedarf. „Es hat sich doch aber 2015 niemand vorstellen können“, dass über Kleinigkeiten gestritten werde, während doch eigentlich alle die großen Chancen für die Entwicklung des Hofguts durch eine Symbiose wollten.