Das Schloss Karlsruhe | Foto: abw

Top-Reiseziel Nummer 92

Der Aufsteiger – Schloss Karlsruhe

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Mit dem Miniatur-Wunderland Hamburg kann das Karlsruher Schloss in der Gunst ausländischer Touristen (noch) nicht ganz mithalten. Die riesige Modelleisenbahnanlage in der Hansestadt ist auch 2017 unangefochten die Nummer eins im Ranking „Top 100-Ziele in Deutschland“, das die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) jährlich erstellt. Doch der Prachtbau, in dem bis 1918 die Großherzöge von Baden residierten, poliert jetzt den Ruf der Fächerstadt als Ziel von Reisenden aus aller Welt ganz hübsch auf. Erstmals haben internationale Gäste das Schloss Karlsruhe auf die Liste der 100 beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland gewählt. Zwar „nur“ auf Platz 92 – aber immerhin. Ein Anfang ist gemacht.

Schloss Karlsruhe – einst billig gebaut

Als „badisches Versailles“ wird das Karlsruher Schloss in der Liste der Top 100 der beliebtesten Reiseziele gehandelt. Dabei war es ursprünglich eilig und zum Teil mit qualitativ fragwürdigem Baumaterial errichtet worden. Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach ließ 1715 den Grundstein legen. Er bezeichnete sich selbst als „kleinen Fürsten“ und sagte: „Mir ist lieber, man sagt von mir, ich sei schlecht untergebracht, als wenn man sagen müsste, ich hätte einen großartigen Palast und dafür hohe Schulden“.

Kleiner Fürst – großer Anspruch

Dennoch wusste sich der „kleine Fürst“ als absolutistischer Herrscher nach Art eines Sonnenkönigs zu inszenieren: Seine neue Stadt Karlsruhe erhielt einen fächerförmigen Grundriss, neun Straßen liefen auf das Schloss im Mittelpunkt des Zirkelschlages zu. Die damit verbundene Botschaft: Der Herrscher hat vom Schlossturm aus alles im Blick, die Untertanen sind stets unter Kontrolle.

Absolutistische Gründung: Der Kupferstich „Carlsruhae conspectus“ (um 1760) zeigt das Schloss aus der Vogelperspektive im Zentrum des Fächers. | Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe J-B Karlsruhe 116

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Die Untertanen stets unter Kontrolle

Reisende früherer Jahrhunderte erkannten das sehr wohl. So meinte ein Besucher aus Schottland, die Karlsruher müssten die loyalsten Untertanen der Welt sein. Denn das Auge ihres Fürsten ruhe auf ihnen, „wie das der Vorsehung, den ganzen Tag lang. Und wenn jemand Blähungen bekommen sollte, müsste er dafür die Stadt verlassen.“

Im Herzen des Karlsruher Fächers

Die badischen „Sonnenkönige“ haben längst abgedankt. Geblieben ist das Schloss im Herzen des Karlsruher Fächers. Es ist heute Sitz des Badischen Landesmuseums; der Schlossgarten ein beliebter Treff für Jung und Alt. In unmittelbarer Nähe sprechen seit 1969 die Bundesverfassungsrichter Recht.

Im digitalen Zeitalter angekommen

Das Schloss ist aber nicht nur im demokratischen, sondern inzwischen auch im digitalen Zeitalter angekommen. Bei sommerlichen Schlosslichtspielen erstrahlt seine Fassade jetzt im dritten Jahr in Folge im Glanz von „Projection Mappings“. Das digitale Kino, für dessen Programm ZKM-Vorstand Peter Weibel verantwortlich zeichnet, hat 2017 der städtischen Event GmbH zufolge bereits über 160 000 Abend-Besucher aus nah und fern vors Karlsruher Schloss gelockt. Noch bis 10. September 2017 sind die Shows täglich von 20.30 bis 23.30 Uhr bei freiem Eintritt zu erleben.

Schlosslichtspiele Karlsruhe 2017: Ausschnitt der Projektion «Structures of Life» von Maxin10sity. Die Schlosslichtspiele finden bis zum 10. September 2017 statt. | Foto: Uli Deck/dpa

Analoge Schlosslichtspiele vor 300 Jahren

Der Erbauer des Karlsruher Schlosses hätte am digitalen Kino wohl auch seine Freude gehabt. Schließlich gab Markgraf Karl Wilhelm anlässlich des Reformationsjubiläums vor 300 Jahren selbst „Schlosslichtspiele“ in Auftrag. Zum 200. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag ließ der evangelische Fürst mit Herz für barocke Prachtentfaltung die (heute nicht mehr existierende) Schlosskapelle einweihen. Und zudem den Schlossturm illuminieren. Der erstrahlte am Abend des 31. Oktobers 1717 im bunten Glanz von 80 Transparent-Bildern.

Top 100-Reiseziele

Das Ranking „Top 100-Ziele in Deutschland“ wird seit 2012 jährlich von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) erstellt. Ausländische Besucher der Website www.germany.travel können ihren Favoriten in einem Freifeld eintragen. In die aktuelle Liste floss das Votum von fast 32 000 Menschen aus über 60 Ländern ein.

Die Spitzenposition auf der Top 100-Liste hat 2017 das Miniatur-Wunderland Hamburg verteidigt. Zu den Top 5 zählen zudem der Europa-Park, Schloss Neuschwanstein, der Bodensee mit der Mainau und der Reichenau sowie die Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Top-Reiseziele in unserer Umgebung sind:
2: Europa-Park Rust
7: Altstadt und Schloss Heidelberg
13: Nationalpark Schwarzwald
16: Kaiserdom in Speyer, Unesco-Welterbe
29: Kloster Maulbronn, Unesco-Welterbe
43: Altstadt und Münster Freiburg
69: Triberg, Weihnachtszauber und Wasserfälle
92: Schloss Karlsruhe
98: Stuttgarter Markthallen

Die DZT ist das „Tourist Board“ Deutschlands und vertritt das Reiseland im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium. Hier geht es zum  kompletten Ranking „Top 100-Ziele“.

Schloss Karlsruhe – eine kleine Chronik

17. Juni 1715: Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach legt den Grundstein für ein neues Schloss im Hardtwald. Der Tag gilt zugleich als Geburtstag der Fächerstadt Karlsruhe.
1752 bis 1774: Das Schloss wird unter Karl Wilhelms Enkel Karl Friedrich, dem späteren ersten Großherzog, umgebaut und erweitert.
1918: Nach dem Thronverzicht Großherzogs Friedrich II. übernimmt der badische Staat das Schloss.
1919: Das Karlsruher Schloss wird Sitz des Badischen Landesmuseums.
27. September 1944: Bei einem Luftangriff wird das Schloss vollständig zerstört.
1955: Der Wiederaufbau des Schlosses beginnt. 1959 erfolgt eine Teileröffnung des Badischen Landesmuseums, 1966 ist der Wiederaufbau abgeschlossen.
2015: Zum 300. Stadtgeburtstag finden erstmals die von ZKM-Vorstand Peter Weibel kuratierten Schlosslichtspiele statt.
2017: Das Karlsruher Schloss schafft den Sprung unter die Top 100-Reiseziele bei der Online-Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus.