Ursprünglich war Audi ein sächsisches Automobilunternehmen. Seit 1969 produzierte die Marke nach der Fusion mit NSU in Baden-Württemberg. Der Firmensitz war bis 1985 in Neckarsulm. Hier ein Audi 60, produziert von 1968 bis 1972. | Foto: Audi AG

Marken, Mythos und Motoren

Autos aus Baden-Württemberg

Anzeige

Wer das Auto erfunden hat? Natürlich die Baden-Württemberger. Oder, besser gesagt, ein Badener und ein Württemberger. Unabhängig voneinander und unter strengster Geheimhaltung. Die Erfindung des Automobils durch Carl Benz aus Mühlburg (heute ein Stadtteil von Karlsruhe) und den gebürtigen Schorndorfer Gottlieb Daimler ist tausendfach erzählt worden.

Ein NSU Prinz 30 in den frühen 1960er Jahren. | Foto: Audi AG

Aber: In den letzten 130 Jahren Automobilgeschichte ist im Musterländle noch viel mehr passiert. Der Automobiljournalist Jochen Fischer erzählt in seinem soeben erschienenen Buch „Einfach abgefahren“ viele interessante Geschichten rund ums Auto. Erfolgsgeschichten und solche von gescheiterten Unternehmen. Manche Marken sind weltweit bekannt geworden (Audi, Mercedes-Benz, Porsche), andere sind nur noch Insidern ein Begriff. Oder haben Sie schon mal was von Brütsch, Gutbrod, Binz oder Veritas gehört?

Vom Kleinwagen Dyna-Veritas entstanden in Kooperation mit der französischen Marke Panhard nur kleine Stückzahlen. Ab 1950 produzierte Veritas in Muggensturm, drei Jahre später musste die Firma Konkurs anmelden. | Foto: Buch-t

Veritas? Waren die nicht mal in Muggensturm? Ja, auch. Der Name dieser kurzlebigen Automobilmarke klingt bei Experten bis heute nach. Zunächst in Südwürttemberg (in Krauchenwies bei Sigmaringen) und ab 1950 in Muggensturm bei Rastatt wurden Rennwagen, später auch Straßensportwagen in kleiner Stückzahl produziert. Initiator war der ehemalige BMW-Rennleiter Ernst Loof. Die Rennwagen dominierten ein paar Jahre lang die deutsche Motorsportszene der Nachkriegszeit, doch der Ruhm hielt nur kurz. Die Rennwagen gewannen ihre Rennen nicht mehr, das Unternehmen verzettelte sich und im August 1953 meldete Ernst Loof Konkurs an.

Als Mitte der 1990er Jahre das Elektro-Auto Hotzenblitz kam, war seine Zeit definitiv noch nicht reif. Eine kleine Fangemeinde pflegt ihre Hotzenblitze aber bis heute. | Foto: F. Rethagen

Reisen wir weiter ins Jahr 1989: Im 300-Seelen-Örtchen Ibach im Südschwarzwald beschließt der Elektromeister Thomas Albiez gemeinsam mit einigen Ingenieuren, ein zeitgemäßes, umweltfreundliches Elektromobil zu konstruieren. Auch der Waldenbucher Schokoladenfabrikant Alfred Ritter findet Gefallen an dem Projekt und investiert in das 1990 gegründete Unternehmen. 1993 ist der Hotzenblitz auf der Automobilausstellung in Frankfurt zu sehen und tatsächlich entstehen bis 1996 rund 140 Hotzenblitz-Elektromobile. Doch als man den Wagen, der mit 16 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h erreichte, in Serie bauen will, laufen die Finanzen aus dem Ruder. Die Hotzenblitz Mobile GmbH meldet Insolvenz an. Offenbar war die Zeit noch nicht reif für ein Elektroauto, was nicht wirklich verwundert, wenn man sieht, wie schwer man sich auch heute noch mit diesem Thema tut.

Der 1963 präsentierte erste Porsche 911. | Foto: Porsche AG

Am Ende des Buches wirft der Autor noch einen Blick auf mehrere Namen, die ebenfalls Teil der Automobilgeschichte Baden-Württembergs sind, aber wirklich nur den absoluten Experten ein Begriff sein dürften. So gab es beispielsweise in Offenburg einst ein aus einer Karosseriefabrik hervorgegangenes Automobilwerk namens „Certus“. 1927 begann Certus, komplette Autos mit Motoren aus Frankreich zu bauen. Es gab Vier- und Achtzylindermodelle. Allerdings nur ein Jahr lang, dann war die Marke wieder verschwunden.

Der Ro 80 von 1967 war modern, aber ein technischer Flop. | Foto: Audi AG

Auch in Bruchsal wurden mal Autos gebaut. Die Diabolo Kleinauto AG produzierte in den 1920er Jahren ein Dreiradfahrzeug nach britischem Vorbild. Es hatte eine schmale Vorderachse und ein einzelnes Hinterrad. Viel mehr als die Tatsache, dass ein Diabolo einst das erste Auto des Schauspielers Heinz Rühmann war, ist aber heute nicht mehr bekannt.

 

Info: Jochen Fischer, Einfach abgefahren – Über 30 Automobilmarken aus Baden-Württemberg und ihre bewegte Geschichte, Silberburg-Verlag, 174 Seiten, 19,90 Euro