Dorthin gehen, wo die Eltern sind: Alexandra Boltz (rechts) ist auf Spielplätzen unterwegs und spricht gezielt Eltern an, deren Kinder noch keine Kita besuchen. | Foto: jodo

„Kita-Einstieg“ in Karlsruhe

Der Bollerwagen als Türöffner

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Der erste Kontakt entsteht meist über Eimerchen und Sandschaufel: Alexandra Boltz hat in ihrem blauen Bollerwagen eine ganze Kiste voll Sandspielzeug. Daneben stecken Kaffeekanne und Picknickdecke. So ausgerüstet zieht Boltz einmal in der Woche vormittags durch die Straßen der Nordstadt – um sich dann auf einem der vielen Spielplätze des Stadtteils niederzulassen.

Programm des Bundesfamilienministeriums

Dort sucht sie Kontakt zu Eltern, deren Kinder keinen Kindergarten besuchen. Boltz und ihre Bollerwagen-Aktion sind Teil des Programms „Kita-Einstieg“ des Bundesfamilienministeriums. Seit 2017 sollen damit Brücken zu frühkindlicher Bildung gebaut werden. Laut Stadt fördert das Programm niederschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten. Familien sollen begleitet, Hürden abgebaut werden.

„Neben der Bollerwagen-Aktion gibt es beispielsweise auch eine offene Sprechstunde“, erklärt Almuth Wambach, die beim städtischen Kinderbüro das Projekt „Kita-Einstieg“ koordiniert. In dieser Sprechstunde erhalten Eltern unter anderem Hilfe bei der Anmeldung im Kita-Portal, über das letztlich die Kita-Plätze vergeben werden. „Viele Eltern scheitern an den sprachlichen Hürden“, hat Alexandra Boltz bei ihren Touren durch die Nordstadt beobachtet.

Kita-Besuch als finanzielle Hürde

Hier will sie anknüpfen, mit Kaffee für die Großen und Sandspielzeug für die Kleinen. Wenn Boltz nicht auf den Spielplätzen anzutreffen ist, arbeitet sie als städtische Elternbegleiterin, berät, hört zu. „Der Ansatz dieser Aktion ist es, auf die Eltern direkt zuzugehen“, sagt Almuth Wambach vom Kinderbüro. „Alle Familien sollen über das frühkindliche Bildungssystem informiert werden.“ Für viele stelle der Kita-Besuch des Kindes auch eine finanzielle Hürde dar. „Hier wollen wir sie zur wirtschaftlichen Jugendhilfe begleiten“, sagt Wambach. Bedeutet: Wer sich die Kita nicht leisten kann, kann finanzielle Unterstützung beantragen, man muss aber wissen, wie das funktioniert.

Hier helfen die Mitarbeiter des Kinderbüros – und Alexandra Boltz. Wie genau spricht sie die Familien an? „Am Anfang steht immer ein freundliches Hallo“, sagt Boltz und lacht. Nach der ersten Kontaktaufnahme sucht sie direkt das Gespräch. Viele Eltern seien auch sehr aufgeschlossen, kaum einer schließt eine Kindertagesstätte kategorisch aus. Allein die sprachlichen oder kulturellen Hürden sind oft hoch.

Personen aus verschiedenen Kulturkreisen

Hier verfolgt das Kinderbüro derzeit noch einen weiteren Ansatz. Angelehnt an das Berliner Projekt „Stadtteilmütter“ haben die Karlsruher das Projekt „Kita-Lotsen“ im Visier. „Die Idee dahinter ist es, mit Personen aus verschiedenen kulturellen Communitys Brücken zu schlagen“, sagt Wambach. So sei es möglich, etwa arabische oder rumänische Bevölkerungsgruppen in der Stadt noch besser zu erreichen. „Da gibt es Fünfjährige, die kein Wort Deutsch sprechen“, verdeutlicht Wambach die Problematik. „Und im Sommer sollen sie eingeschult werden.“

Weiterbildung des Fachpersonals

Weiterer Baustein des Projekts „Kita-Einstieg“ ist in Karlsruhe auch die Weiterbildung des Fachpersonals. So gibt es Multiplikatoren zum Thema kulturelle Vielfalt an Kindertagesstätten. „So wollen wir in den Einrichtungen Sensibilität dafür schaffen, dass Familien unterschiedlich sind“, so Wambach.
Alexandra Boltz ist in der Nordstadt mittlerweile sehr bekannt. Freundlich grüßt eine Mutter auf dem Spielplatz, die gerade mit ihrer kleinen Tochter schaukelt. „Diese Mutter habe ich über das Projekt kennengelernt“, sagt Boltz und winkt. Bei der Anmeldung des großen Sohnes im Kindergarten konnte sie die Mutter unterstützen.

Projekt soll weitergehen

Das Projekt „Kita-Einstieg“ läuft noch bis 2020. Ziel des Kinderbüros ist es aber, das Projekt auch in Zukunft auf eigene Faust fortzuführen. Neben Bollerwagen-Aktion und offener Sprechstunde gibt es Elterncafés oder die „Freitagsküche“ in der Kita in der Kentuckyallee in der Nordstadt. n Kommentar

Auf der Seite der Stadt sind alle Details zu „Kita-Einstieg“ zu finden. Interessierte werden hier fündig: https://bit.ly/2LKQlOZ.