DAS VOLKSFEST-GESCHÄFT LÄUFT RUND, sagen die Schausteller. Gleichwohl gibt es Herausforderungen. Wichtig sei es, neue Zielgruppen wie Best Ager zu erschließen. | Foto: dpa

„Wir machen die Städte voll“

Der Deutsche Schaustellerbund blickt zuversichtlich in die Zukunft

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„Volksfeste sind der Besuchermagnet Nummer eins der deutschen Freizeitwirtschaft“, sagt der Deutsche Schaustellerbund (DSB/Berlin), der mit seinen 90 regionalen Mitgliedsverbänden am Donnerstag in Karlsruhe tagte. Hier Fakten rund um Kirmes, Christkindlesmarkt & Co.

Die Branche

Die Schaustellerbranche hat in Deutschland 4 950 Unternehmen mit 22 770 Beschäftigten und rund 11 100 Geschäften – vom Imbiss bis zur Achterbahn. 98 Prozent der Betriebe sind Familienunternehmen. Die Schausteller beschicken hierzulande 9 900 Volksfeste und 1 450 Weihnachtsmärkte. Bei den Volksfesten wird die Besucherzahl mit 148 Millionen angegeben, bei den Weihnachtsmärkten mit 85 Millionen. Die Bruttoumsätze der Branche belaufen sich auf 3,7 Milliarden Euro, davon entfallen 1,05 Milliarden Euro auf Weihnachtsmärkte. Pro Volksfestbesuch nehmen Städte und Gemeinden – so der DSB weiter – rund drei Euro an Steuern und Abgaben ein. All diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2013; neuere werden derzeit erhoben.

Weihnachtsmärkte

„Früher war es so, dass der Weihnachtsmarkt ein schönes Zubrot war, ein Urlaubsgeld“, sagt Albert Ritter, Präsident des DSB. Als Einnahmequelle würden sie immer wichtiger. 90 Prozent der Schausteller seien im Winter auf Christkindlesmärkten aktiv. So machen Achterbahn werde durch die Einnahmen mit Glühweinverkauf im Winter mit finanziert. Der besucherstärkste Weihnachtsmarkt sei der in Köln. „Wir machen die Städte voll“, sagt Ritter und spricht von gelungenen Kooperationen mit Einzelhandel und Kultureinrichtungen.

Die Sicherheitsdebatte

 

EINE AUFFALLENDE POLIZEIPRÄSENZ gehört auf Weihnachtsmärkten mittlerweile zur Normalität. Regelrechte Festungen lehnen die Schausteller hingegen ab. | Foto: dpa

Der Angriff auf den Berliner Weihnachtsmarkt sei eine Zäsur gewesen. Zusammen mit den Städten und Gemeinden unternehme man alles menschenmögliche, um weitere Anschläge zu verhindern, so Ritter. Die Besucherzahl sei nicht nach unten gegangen. Viele Besucher hätten sich solidarisiert, auch Streifenpolizisten dankbar auf die Schulter geklopft. Ritter weist darauf hin, dass „Integration klappt, wenn man zusammen feiert“, auch auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten. Man sei für dauerhafte Lösungen, wie versenkbare Poller. Sorge mache ihm der Trend „vom Fest zur Festung“. Der DSB lehnt es ab, dass Kosten für Sicherheit auf die Schausteller abgewälzt werden, denn es gehe um eine hoheitliche Aufgabe.

Die Konkurrenz

Facebook, Tinder & Co machten schon Konkurrenz – Ritter erinnert daran, wie man früher mit seiner großen Liebe auf die Kirmes gegangen sei. Viele der konkurrierenden Freizeitparks seien von Schaustellern gegründet worden – Vorteil der Volksfeste aber sei. „Jeder kann auf der Kirmes selbst regulieren, was er ausgibt.“ Auch ein Eintrittsgeld gibt es nicht. Die Besucherzahlen bei den Volksfesten steigen nach seinen Worten. Verbandsgeschäftsführer Frank Hakelberg sagt: „Wir blicken auf eine gute Saison zurück.“ Nachwuchssorgen habe man keine. Wichtig sei, Abläufe weiter zu professionalisieren und neue Zielgruppen zu erschließen – die rüstigen Senioren etwa.

Trends

Mehr Sitzplätze, mehr Hütten, mehr Unterhaltung in der Volksfest-Gastronomie, nennen Ritter und Hakelberg. „Es gibt aber auch einen Retro-Trend mit historischen Fahrgeschäften“ – und gegenläufig Attraktionen mit Virtual Reality-Brillen.

Situation in Region

Wirtschaftlich zeigen sich die Schausteller mit großen Veranstaltungen wie der „Mess’“ zufrieden. Kleinere Varianten auf dem Land seien aber oft nicht kostendeckend. Was Sicherheitsmaßnahmen angehe, habe man ein gutes Miteinander mit der Stadt Karlsruhe, so der stellvertretende Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe, Jürgen Seyfert gegenüber den BNN. Wenn es eine Sorge gebe, dann die, dass der Messplatz verlagert werden könnte.