Die Glienicker Brücke in Berlin am 10. Februar 1962, kurz nach einem Agentenaustausch. Foto: dpa

Filme des Kalten Krieges

Der Feind ist ein Weichei

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Wer hat denn jetzt den Größten? Atomknopf natürlich, denn darum ging es ja bei dem Hahnenkampf zwischen Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un. Klar, dass das staunende Publikum dabei nicht nur an Knöpfe denkt. Populistische Politiker von Trump bis Putin inszenieren gerne ihre Männlichkeit. Für die Mechanismen solch testosterongeschwängerter Rituale interessiert sich Kathleen Starck, Anglistin und Kulturwissenschaftlerin an der Universität Landau. Unter die Lupe genommen hat sie eine Zeit, die manche heute wieder aufleben sehen: die des Kalten Krieges.

Amerikanische und britische Filme untersucht

Starck hat amerikanische und britische Filme vom Ende der vierziger bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts daraufhin untersucht, wie Männer portraitiert werden und wie damit ein politisches Weltbild transportiert wird.
„High Treason“ etwa ist ein britischer Spionagethriller aus dem Jahr 1951. Die Handlung: Eine Gruppe kommunistischer Verschwörer will in England Kraftwerke in die Luft sprengen. Dabei bedienen sie sich eines jungen Mannes aus der Arbeiterklasse, der ihnen – ohne die wahren Absichten zu durchschauen – Zündschnüre für ihren düsteren Plan liefert. Der Junge wird als naiv, schüchtern, ängstlich und sehr unmännlich dargestellt. Eine seiner wenigen Bezugspersonen ist ein älterer Mann, der sanft redet und eine Katze hat. Dass der Mann homosexuell sein könnte, drängt sich dem Zuschauer auf, ohne dass es explizit ausgesprochen würde, was Anfang der 50er Jahre in einem Kinofilm auch undenkbar gewesen wäre. Die Botschaft ist für Starck klar: Alle, die für kommunistische Ideologien anfällig sind, sind keine richtigen Männer.

Der Kalte Krieger

Das glatte Gegenteil im schwarz-weißen Weltbild des Kalten Krieges: dem als „verweiblicht“ oder homosexuell denunzierten Gegner steht der ultra-maskuline „Kalte Krieger“ gegenüber, wie ihn etwa John Wayne in dem amerikanischen Polit-Thriller „Big Jim McLain“ aus dem Jahr 1952 darstellt. Wayne spielt einen Agenten des „Komitees für unamerikanische Umtriebe“, der eine kommunistische Unterwanderung der Gewerkschaften aufdecken soll. Er spielt einen Hardliner, der „einen Schlag bei Frauen hat“, souverän, mit sparsamen Bewegungen und einsilbiger Sprache. „Eine Figur im Hochstatus“, urteilt Starck und bezieht sich dabei auf eine Kategorisierung des Improvisationstheaters.

„Wir sind alle gleich“

Doch das Gut-Böse-Schema des Kalten Krieges, in dem Ideologie und Geschlecht miteinander verschmelzen, ändert sich mit dem gesellschaftlichen Wandel. Die aufkommende Anti-Atom-Bewegung und die zunehmende Kritik am Wettrüsten führen auch im Kino zu einer komplexeren Weltsicht. Der übergeordnete Gedanke, „dass wir alle gleich sind“, taucht schon 1954 in „The Young Lovers“ auf. In dem britischen Streifen verliebt sich ein Dechiffrier-Experte aus der amerikanischen Botschaft in London in die Tochter des russischen Botschafters. Diese Liaison funktioniert, aber nur deshalb, weil sich der Film im weiteren Verlauf auf das Zwischenmenschliche beschränkt und die Politik außen vor bleibt. „Die Filmemacher wollten weg von dem Stereotyp, trauten sich aber noch nicht recht“, resümiert Starck.

Tagungen zum Thema „Politische Männlichkeit“

Die Frage, wie Männlichkeit in Filmen inszeniert wird, um damit eine politische Ideologie zu transportieren, ist für Starck nur eine von vielen Facetten desselben Phänomens. Fünf Tagungen hat sie seit 2012 zum Thema „Politische Männlichkeit“ organisiert. Und einer der roten Fäden, die sich bis in heutige Tage ziehen, ist für Starck: „Die Bevölkerung wird nicht nur durch krude Propaganda beeinflusst, sondern auch auf viel subtilere Weise.“