Die badische Fahne weht wieder über dem Karlsruher Schloss.
Sie darf wieder auf dem Karlsruher Schloss wehen: die badische Fahne. | Foto: BLM

Badische Fahne abgehängt

Der Karlsruher Flaggenstreit „schreit nach Revolution“

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Sie leidet, die badische Volksseele – und sie kocht vor Wut: Nachdem bekannt wurde, dass die Landesregierung in Stuttgart keine badische Fahne mehr auf dem Karlsruher Schlossturm dulden will (die Badischen Neuesten Nachrichten berichteten), schwappen die Emotionen hoch.

„Freiheit für Baden“, fordert prompt ein Leser auf der BNN-Facebook-Seite und macht Front gegen die schwarz-gelbe Baden-Württemberg-Flagge, die neuerdings hoch über dem Schlossturm flattert: „Dieser württembergische Putzlappen hat auf unserem Schloss nichts zu suchen“, zürnt er. „Es schreit nach Revolution“, appelliert ein empörter Bürger gar an den Widerstandsgeist der Badener. Zum gewaltsamen Aufstand will die „Landesvereinigung Baden in Europa“ zwar nicht gleich aufrufen, aber schade findet Vize-Vorsitzender Harald Denecken das Aus für die gelb-rote Fahne Badens durchaus. „Das sind doch so einfache Signale“, seufzt er über mangelnde Sensibilität im possenhaften Streit. „Die badische Seele fühlt sich einfach wohl, wenn die badische Fahne über dem Schloss weht.“

Online-Petition gestartet

Sogar eine Online-Petition wurde gestartet, in der die Bürger das erneute Hissen der badischen Fahne fordern – innerhalb von weniger als 24 Stunden haben dort mehr als 300 Badener Lokalpatrioten  unterschrieben (Stand Mittwoch Vormittag). „Die badische Flagge hing dort immer, wurde positiv wahrgenommen und ist wichtig für die Bürger der Region – doch damit soll nun Schluss sein. „Nein“ sage ich und habe daher diese Petition verfasst“, schreibt der Initiator.

Vorschlag zur Güte aus Stuttgart

Harald Denecken von der „Landesvereinigung Baden in Europa“ denkt laut darüber nach, ob er zumindest auf subtilen Widerstand setzt. „Ich habe schon überlegt: Wo kann man die badische Flagge auf unterer Ebene beim Schloss hissen?“, sagt er im BNN-Gespräch. Selbst aus dem Stuttgarter Staatsministerium kommt ein ähnlicher Vorschlag zur Güte. „Man kann ja auch die badische Fahne auf den Masten vor dem Schloss aufziehen“, meint Vize-Regierungssprecher Arne Braun. Nur auf den Landesgebäuden selbst seien nun einmal laut Verwaltungsvorschrift lediglich drei Flaggen erlaubt: Landesflagge, Bundesflagge und Europaflagge. Darauf habe die Landesregierung hingewiesen, nachdem ein kritischer Bürger vor einigen Wochen den Flaggenstreit ins Rollen brachte. Davor war es der Regierungszentrale jahrelang entgangen, dass die Badener abtrünnig waren.
So einig wie die Wappentiere sind Badener und Schwaben im Flaggenstreit nicht | Foto: dpa

Badische Flagge hing seit 2015

Wobei die Fahne der badischen Regionalpatrioten noch gar nicht so lange omnipräsent war, wie mancher Karlsruher glaubt: Erst im Jahr 2015 hatte das Landesmuseum damit begonnen, regelmäßig in badischen Farben zu beflaggen. „Es war um den Karlsruher Stadtgeburtstag herum – aus dem Selbstbewusstsein heraus, ein Badisches Landesmuseum zu sein“, erinnert sich Katrin Lorbeer von der PR-Abteilung des Museums im Schloss. Nur an besonderen Feiertagen wehte von da an noch Schwarz-Rot-Gold oder auch die Landesflagge. „Sehr positive Rückmeldungen“ habe das Museum für das Baden-Bekenntnis von Bürgern erhalten, sagt Lorbeer. Erst als das Museum dieses Frühjahr eine rote Fahne hisste, um auf die aktuelle Ausstellung „Revolution! Für Anfänger*innen“ aufmerksam zu machen, geriet die Karlsruher Eigenwilligkeit ins Visier. Der Protest eines Bürgers an der roten Fahne „des Kommunismus“ erreichte die Landesregierung. Sie schaltete sich ein und verwies auf die offizielle Beflaggungsordnung.

Protestbrief an Kretschmann?

Robert Mürb, Chef der „Landesvereinigung Baden in Europa“, will sich mit der rechtmäßigen Landesfahne auf dem früheren badischen Markgrafen-Schloss nicht abfinden. „Es heißt ja auch Badisches Landesmuseum und nicht Baden-Württembergisches Landesmuseum“, frotzelt er. An Landesvater Winfried Kretschmann (Grüne) will er einen Protestbrief schreiben – „aber an seine Privatadresse, damit das Schreiben nicht abgefangen wird“.