Das Smartphone ist für die meisten fester Bestandteil des Alltags. | Foto: dpa

Jugendliche und Smartphones

Der gefährliche Blick aufs Handy

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Das Unglück bewegt die Menschen in der Stadt: Eine 17-Jährige wird Mitte Januar beim Überqueren der Gleise in Neureut-Kirchfeld von einer Straßenbahn erfasst und schwer verletzt. Einen Tag später erliegt die junge Frau ihren Verletzungen. Nach Angaben der Polizei sah sie kurz vor dem Unfall auf ihr Smartphone, zudem habe sie Kopfhörer getragen – sei also von der Außenwelt praktisch abgeschnitten gewesen.

Spezielle Workshops

Die Handy- und Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt diverse Stellen in Karlsruhe – so widmet etwa das städtische Kinderbüro diesem Thema spezielle Workshops. Referentin Nina Nikolai besucht dafür Schulen, in der Regel beginnen die Kurse ab Klasse 5. „In den weiterführenden Schulen haben die meisten Jungen und Mädchen ein Handy“, hat Nina Nikolai beobachtet. Dabei empfehlen sie und ihre Kollegen die Nutzung der Geräte frühestens ab 13 Jahren. Oft seien die Eltern jedoch die treibende Kraft, vielen sei es wohler, wenn sie ihre Kinder unterwegs per Handy erreichen können.

Viele sind sich der Gefahr bewusst

In den Workshops lässt Nikolai die Schüler zunächst selbst die Vor- und Nachteile der Handynutzung erarbeiten. Hierbei hat sie beobachtet, dass die meisten sehr reflektiert im Umgang mit dem technischen Gerät sind. „Viele wissen, dass es gefährlich ist, mit dem Handy in der Hand durch die Straßen zu laufen“, so die Referentin. Die Gefahr, unter ein Auto oder unter eine Bahn zu kommen, sei den Kindern und Jugendlichen durchaus bewusst. Oft würden von den Kindern in diesem Zusammenhang auch die verschiedenen Aktionen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) genannt.

Auf dem Schulweg gehören Smartphones in die Tasche

Die VBK hatten vor einigen Jahren unter anderem mit lebensgroßen Pappaufstellern an den Haltestellen vor der Gefahr durch die Smartphone-Nutzung gewarnt. Noch heute sollen spezielle Leuchtdioden am Boden der Haltestelle Mühlburger Tor bei der Handynutzung sensibilisieren. „Zudem bieten wir auch Sicherheitstrainings in Schulen an“, sagt VBK-Pressesprecher Nicolas Lutterbach. Mit speziellen Broschüren richte man sich zusätzlich an die Kinder und Jugendlichen. Die Botschaft dabei lautet immer: Auf dem Schulweg gehören Smartphones und iPods in die Tasche.

Übergänge werden sicherer gemacht

Generell werden bei den VBK die verschiedenen Haltestellen regelmäßig unter die Lupe genommen. „Wir schauen immer, wo man die Übergänge vielleicht noch sicherer machen kann“, so Lutterbach. Hier werde zum Beispiel häufig mit speziellen Absperrgittern gearbeitet, die verhindern sollen, dass Bahngleise einfach so mit dem Handy vor der Nase überquert werden, ohne nach links und nach rechts zu schauen. Eine hundertprozentige Sicherheit sei aber freilich nie gegeben, so der Pressesprecher weiter. Auch an der besagten Haltestelle in Neureut-Kirchfeld, wo die 17-Jährige verunglückte, sei gerade erst ein so genanntes Umflaufgitter angebracht worden. Die junge Frau habe es jedoch nicht retten können.

Polizei mit besonderen Kontrollen

Wie Stadt und VBK hat auch die Polizei ein spezielles Präventionsprogramm, mit dem die Beamten in Schulen und Kindergärten unterwegs sind. Ab kommender Woche will die Polizei zudem auf „Schwerpunktstreife“ an verschiedenen Haltestellen Präsenz zeigen. „Auf jeden Fall auch an der Straßenbahnhaltestelle Neureut-Kirchfeld“, versichert Jürgen Ell, der bei der Polizei im Bereich Prävention tätig ist.

Als weiteren Schwerpunkt nennt er auch die Haltestelle Durlacher Tor/KIT. Dort war am Donnerstag ein 23-jähriger Mann ebenfalls von einer Bahn erfasst und lebensgefährlich verletzt worden. „Darüber hinaus werden wir an weiteren Stellen im Stadtgebiet unterwegs sein, besonders auch im Bereich von Schulen“, so Ell.