Kaiserdenkmal
PFERD UND REITER können auch ein Jahr nach Beendigung der U-Strab-Bauarbeiten auf dem Kaiserplatz nicht aus der Nähe betrachtet werden. Die Brache um das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. ist weiträumig abgesperrt und wird erst im Frühling ergrünen. | Foto: jodo

Brache auf dem Kaiserplatz

Der Kaiser reitet hinter Gittern

Die U-Strab-Baustelle am Mühlburger Tor wurde schon 2016 nach vier Jahren mit starken Behinderungen für die Autofahrer am Westknoten des Cityrings aufgelöst.

Doch auch ein Jahr später reitet der Kaiser in einem Bauzaunkäfig auf seinem Platz.

Bagger längst abgezogen

Mancher Karlsruher versteht das nicht: Mehr als zwei Jahre ist es her, dass die gigantische Tunnelbohrmaschine „Giulia“ ihren Drehschildkopf direkt hinter dem Schweif von des Kaisers Pferd der Durchschlag gelang. Und vor einem Jahr zogen die Bagger endlich vom Mühlburger Tor und vom Kaiserplatz ab.

Die erste oberirdische Großbaustelle der U-Strab wurde 2016 aufgelöst, das Mühlburger Tor gehört seitdem wieder ganz den Autos und Bahnen, den Radlern und Fußgängern.

Kaiser schaut auf blanke Erde

Doch um Kaiser Wilhelm I. auf dem hohen Sockel gähnt immer noch die Brache. Der preußische Imperator, der 1871 nach dem Krieg gegen Frankreich in Versailles – mit Badens Großherzog Friedrich in der ersten Reihe – zum deutschen Kaiser proklamiert wurde, schaut bei seinem auf dem Sockel eingefrorenen Ritt Richtung Kaiserstraße auf blanke Erde.

Kategorischer Denkmalschutz

Ein Streit um die Gestaltung der Grünanlage innerhalb der Schienenschleife für die Straßenbahnen ist die Ursache. Die Stadt wollte die Fläche um das Kaiserdenkmal etwas verändern, und das Landesdenkmalamt sagte dazu kategorisch nein.

 Alte Gestaltung kommt 2018

Die Behörde wacht darüber, dass das Umfeld des ersten Kaisers im Zweiten Reich der Deutschen so wiederhergestellt wird, wie es vor der U-Strab-Wühlerei war.

Baubürgermeister Michael Obert bestätigt jetzt gegenüber den BNN, dass die Blockade aufgehoben sei, und versichert, dass der Kaiserplatz spätestens ab dem Frühjahr 2018 bis ins Detail nach dem altem Muster angelegt wird.

Alte Steine müssen eingebaut werden

„Vielleicht kann sogar noch in diesem Jahr damit angefangen werden“, sagt Obert. Das Denkmalamt hat sich also gegen das Gartenbauamt der Stadt durchgesetzt: Nicht nur die Wegeführung auf dem kleinen Feldherrnhügel des Karlsruher Kaisers aus Bronze muss exakt die gleiche bleiben. „Auch die alten Pflastersteine müssen wieder eingebaut werden“, berichtet Obert von der klaren Vorgabe der Denkmalschützer.

Der Wunsch der Karlsruher Grünplatzplaner, vom alten Wegekonzept um seine Majestät, den in Baden einst gar nicht beliebten „Kartätschenprinzen“, abzuweichen, hat also nur zur Verzögerung der Altgestaltung des Kaiserplatzes geführt. Zudem mussten dann, wie man hört, erst noch die alten Pflastersteine wieder aufgespürt werden, bevor es nun endlich mit dem Wegebau um des Kaisers Pferd losgehen kann.

Seit 1878 reitete der Kaiser

Ab 1838 ist der Kaiserplatz eine gärtnerisch von der Stadt angelegte Fläche. In 180 Jahren änderte er mehrfach sein Gesicht. Sieben Jahre nach der Proklamation des preußischen Königs zum deutschen Kaiser Wilhelm I. wurde 1878 das Denkmal errichtet. Seitdem hat Karlsruhe den Kaiserplatz und die Kaiserstraße.

Ungeliebter „Kartätschenprinz“

Bei aller Euphorie dieser deutschen Einigung von 1871, welche die Politik des Kanzlers Bismarck und der Krieg gegen Frankreich auslöste, lehnten es auch Karlsruher ab, dass ausgerechnet Wilhelm I. in Badens Residenzstadt aufs Podest gehoben wurde.

Hatte doch der preußische „Kartätschenprinz“ Wilhelm 30 Jahre vorher bei der blutigen Niederschlagung der badischen Revolution von 1848 das Kommando geführt.
In der Kaiserzeit war der martialische Reiter genauso wie derzeit im Nachklapp zur U-Strab-Baustelle mit einem Baugitter von einem Zaun abgesperrt. Nach dem Ende der Monarchie 1918 fiel der Zaun. Seit Jahrzehnten und auch im kommenden U-Strab-Zeitalter wird der Kaiser und sein Pferd von einem Gleisoval und Straßenbögen eingeschlossen.

Wilhelm I. ließ badische Freiheitkämpfer hinrichten

Die 2002 im Gras um das Denkmal eingelassenen Platten zum Gedenken an die 27 badischen Freiheitskämpfer sollen wie das alte Pflaster der Wege zu Wilhelms Füßen zurückkehren. Die Revolutionäre wurden nach der Niederlage gegen Wilhelms Truppen standrechtlich zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Gedenken an Opfer  der gescheiterten Revolution

150 Jahre nach der bürgerlichen Revolution von 1848 hatten Schüler des Durlacher Markgrafengymnasiums mit einer Aktion am Kaiserdenkmal die getöteten Freiheitskämpfer dem Vergessen entrissen: Sie errichteten Holzbarrikaden – versehen mit den 27 Namen – vor dem Denkmal und behängten Wilhelm mit 27 Totenköpfen. ruh