Kaiserplatz Karlsruhe
DEN KAISERPLATZ bekommen die Karlsruher erst im Herbst zurück. Die Wiederherstellung der Grünanlage um das Reiterstandbild von Wilhelm I. hat sich enorm verzögert. Schon seit eineinhalb Jahren ist die Fläche kein U-Strab-Bauplatz mehr. Der preußische König Wilhelm wurde 1871 in Versailles von Fürsten zum deutschen Kaiser proklamiert. | Foto: jodo

Noch Brache auf Kaiserplatz

Der Kaiser reitet in den braunen Bergen

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Der Kaiser reitet unverdrossen von Westen in die Stadt. Nur sein Umfeld hat in den vergangenen sieben Jahren schwer gelitten. Aus einem grünen Park wurde eine Baustellenlandschaft, derzeit aus braunen Erdhügeln. Für den U-Strab-Bau wurden am Kaiserplatz ein Schacht zur Bergung der schon legendären „Giulia“ gegraben und die Grünanlage umgepflügt.

Erinnerungen an „Giulia“

„Giulia“ wurde allerdings schon im Sommer 2015 am Kaiserplatz aus der von ihr selbst gebauten Röhre gezogen. Und im Herbst 2016 hat der U-Strab-Bauherr Kasig den Kaiserplatz geräumt. Doch dann ist eineinhalb Jahre nichts Sichtbares passiert. Noch immer reitet der Kaiser auf der Brache. Die Kasig nutzt den Kaiserplatz laut Gartenbauamt inzwischen als Abraumhalde.

Streit zwischen Ämtern

Das städtische Gartenbauamt wollte zwar längst, konnte aber den Kaiserplatz nicht neu gestalten. Es lag mit dem Denkmalschutzamt des Landes im Clinch – nicht wegen des Kaisers, sondern wegen der Anlage zu seinen Füßen. Nun hat sich der Denkmalschutz schon 2017 fast ganz durchgesetzt. Während in diesen Apriltagen die Kastanien auf dem Platz dem Kaiser mit der Pickelhaube wieder grüne Kronen schenken, lässt die für Frühjahr 2018 angekündigte Gestaltung der Anlage noch etwas auf sich warten.

Im Juni geht es los

„Im Juni gehen die Arbeiten los, im September soll der Kaiserplatz fertig sein“, erklärt Klaus Weindel, Vizechef des Gartenbauamts.

27 Freiheitskämpfer hingerichtet

Ob der Kaiser auch nach 121 Jahren noch ins Stadtbild des demokratischen Karlsruhes passt? Darüber wird kaum gestritten. Mögen Kritiker auch an die fatale Rolle des preußischen Kartätschenprinzen für die badische Geschichte erinnern: Ausgerechnet dieser Wilhelm – später erster deutscher Kaiser des Zweiten Reiches – schlägt 1848 die Revolution nieder. Er ist für den Tod von 27 badischen Freiheitskämpfern verantwortlich. Mit dem Reiterstandbild ehrt die Fächerstadt bis heute diesen Antidemokraten.

Fest auf dem Sockel

Niemand will indessen den Imperator mit dem Backen- und Schnurrbart auf dem Kaiserplatz vom Sockel stoßen. Die Stadtpolitik steht zu dem Zeitzeugnis von 1897. Damals wuchs die Kaiserverehrung mit Denkmalen für den sieben Jahre zuvor gestorbenen Wilhelm I. zur nationalen Welle.

 

Kaiser im Grünen
DIE KASTANIENKRONE grünt um den Kaiser mit der Pickelhaube, der hoch zu Ross seit 121 Jahren den Kaiserplatz beherrscht. | Foto: jodo

Kostendruck  rettet Kaiser

Zudem hat der royale Bronzereiter einfach Glück gehabt: Er wurde kein Opfer des U-Strab-Baus. Dagegen mussten andere Größen wie Badens Greif auf dem Europaplatz und Großherzog Ludwig auf dem Marktplatz für vielleicht ein Jahrzehnt ihre Denkmalposition räumen, weil dort Untergrundstationen eingebaut wurden. Am Kaiserplatz unterquerte 2015 dagegen nur die Tunnelbohrmaschine „Giulia“ Ross und Reiter.

Wilhelm I. profitierte damals vom Kostendruck. Als der geschätzte Preis für den Stadtumbau per Kombilösung vor dem Bürgerentscheid 2002 über die Halb-Milliarden-Euro-Grenze zu klettern drohte, zogen die U-Strab-Strategen die Notbremse. Sie strichen die U-Strab-Station Mühlburger Tor/Kaiserplatz, um die Baukosten zu senken – damit war eine Demontage des Kaisers vom Tisch.

Gymnasiasten gedenken Revolutionsopfern

Vor 20 Jahren wackelte Wilhelm. Schüler des Markgrafen-Gymnasiums rüttelten mit ihrer Aktion an dem Standbild. 150 Jahre nach der bürgerlichen Revolution von 1848 entrissen die Durlacher Schüler die hingerichteten Freiheitskämpfer dem Vergessen. Sie errichteten Holzbarrikaden, versehen mit den 27 Namen, vor dem Denkmal, und behängten Kaiser Wilhelm mit 27 Totenköpfen. Vier Jahre später war der Protest von den Institutionen aufgenommen und in Stein verwandelt: 27 Platten wurden im Gras verlegt. Im Gegensatz zum Kaiser mussten sie wegen des U-Strab-Baus verschwinden. Im Herbst, 170 Jahre nach der Erschießung, bekommen auch sie wieder ihren Ort der Erinnerung auf dem Kaiserplatz.

Auf alten Wegen

Das Denkmalamt habe auf die exakte Wiederherstellung der historischen Führung und Pflasterung der Wege um das Kaiserdenkmal gepocht, berichtet Weindel. Nun würden die alten Basaltmosaiksteine und Marmorbordüren vom Bauhof geholt und entsprechende Pflastersteine zugekauft. Auch die Sandwege folgten der alten Anordnung.

Lediglich die Gedenksteine für Wilhelms Opfer, die Freiheitshelden, dürfe das Gartenbauamt jetzt mit Zustimmung der Kunstkommission kompakter verlegen, sagt Weindel. Die früher im weiten Bogen am Reiterdenkmal verlegten Granitplatten für die Hingerichteten seien von Spaziergängern als Trittsteine missbraucht worden.