Karlsruhes Zoochef Matthias Reinschmidt mit Kakadu Balu
Sein Vorgänger Matthias Reinschmidt, der heute den Karlsruher Zoo leitet, machte mit mehreren 100 Fernsehsendungen den Loro Parque in Deutschland sehr populär. | Foto: Deible

Bekanntgabe im Zoo Karlsruhe

Der Kakadu ist das Zootier des Jahres 2017

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Der Kakadu ist das „Zootier des Jahres 2017“. Dies gab die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP)  nun im Exotenhaus des Zoos Karlsruhe bekannt. „Wir haben viele Tierarten, die kurz vor der Ausrottung stehen – viele Menschen wissen das aber gar nicht“, sagt Sven Hammer, der Direktor des Naturschutz-Tierparks Görlitz.  Um solche bedrohten Arten in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, kürt die ZGAP seit 2016 das „Zootier des Jahres“. „Besonders die asiatischen Kakadus sind hoch bedroht“, erklärt Hammer, der für die ZGAP aktiv ist.

Förderung für Freilandprojekte

Deutschlandweit und verbandübergreifend soll mit der Aktion aber nicht nur Lobbyarbeit betrieben werden. Vielmehr unterstützen deutsche Zoos und weitere Spender konkrete Freilandprojekte für das „Zootier des Jahres“. 30 000 Euro stehen bereits zum Start der Kampagne zur Verfügung. 5 000 davon steuerte die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe bei. Die Mittel sollen vor allem dem Rotsteiß- und dem Gelbwangen-Kakadu zugute kommen „90 Prozent des Rotsteiß-Kakadus leben auf der Philippinen-Insel Rasa Island in Palawan“, erklärt René Wüst vom Fonds für bedrohte Papageien. Gefördert werden soll ein Informationszentrum zum Schutz der Tiere sowie die Aufzucht beschlagnahmter und geretteter Kakadu-Jungvögel. Von den Gelbwangen-Kakadus steht beim Fonds für bedrohte Papageien schon seit Jahren der Orangehauben-Kakadu im Fokus, so Wüst weiter. Auf Sumba in Indonesien werden Aufklärungskampagnen gefördert sowie Projekte zur Erforschung der Brutbiologie: Der Hintergrund: Es kommen deutlich weniger Jungtiere aus den Bruthöhlen, als zu erwarten wäre. „Die Forscher brauchen zum Beispiel Klettergurte, um zu den Bruthöhlen in 30, 40 Metern Höhe zu gelangen, sowie Kameras“, schildert Wüst.

Der Kakadu ist der perfekte Botschafter

Für dieses Projekt ist auch das Geld aus Karlsruhe, erklärt Zoodirektor Matthias Reinschmidt. „Der Kakadu ist der perfekte Botschafter für einen ganzen Lebensraum“, so der Papageienexperte. Er hatte nicht nur das Vergnügen, eine große Zahl von Tierpark- und Zoodirektoren-Kollegen in Karlsruhe zu begrüßen,  sondern dem Publikum im Exotenhaus mit dem Molukkenkakadu „Balu“ auch einen beeindruckenden Vertreter der bedrohten Art vorzustellen. „Er kommt nur auf Seram vor, einer Insel so groß wie Bayern“, schildert Reinschmidt – während Balu  sich  auf Reinschmidts Arm ebenfalls äußert. Gut möglich, dass das Tier aus einer Privathaltung im Karlsruher Zoo bleibt: „Er macht sich hier prima, wir werden mit dem Besitzer verhandeln“, kündigt Reinschmidt an – auch vor dem Hintergrund, dass die geselligen Papageien nicht alleine sein sollten.

Zoos als Artenschutzzentren

Den Wandel der Zoos hin zu Artenschutzzentren unterstreicht Nils Kramer. Der Direktor des Tierparks Nordhorn ist im Präsidium der Deutschen Tierpark-Gesellschaft (DTG). Ihr gehören mehr als 100 Zoos und Tierparks an, und  sie trägt die Kampagne mit. Die Erhaltungszucht im Zoo und das Engagement für Freilandprojekte wie nun für die bedrohten Kakadus tragen zum Arterhalt bei, betont Kramer.

Hier gibt es weitere Informationen zum Zootier des Jahres und zur ZGAP