Der rote Teppich wird im Sommer 2019 auf dem Marktplatz zum Schutz des frischen Belags aus portugiesischen Granitplatten und zum Wohlgefallen der damit hofierten Bürger ausgelegt. Dabei sehen viele Karlsruher rot, weil ihnen ihre gute Stube nicht grün genug wird. Bänken aus Tropenholz zeigt der Gemeinderat die Rote Karte.
Der rote Teppich wird im Sommer 2019 auf dem Marktplatz zum Schutz des frischen Belags aus portugiesischen Granitplatten und zum Wohlgefallen der damit hofierten Bürger ausgelegt. Dabei sehen viele Karlsruher rot, weil ihnen ihre gute Stube nicht grün genug wird. Bänken aus Tropenholz zeigt der Gemeinderat die Rote Karte. | Foto: jodo

Momente 2019

Der Karlsruher Marktplatz wird das heiße Pflaster

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Noch ist er eine Großbaustelle, wie seit sieben Jahren. Aber der Marktplatz erlebt 2019 ein starkes Comeback im Bewusstsein der Karlsruher als der Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Die gute Stube der Stadt nimmt nach all der U-Strab-Wühlerei um die Pyramide endlich mit dem Verlegen edler Granitplatten 2019 immerhin zur Hälfte seinen Zukunftsbelag an. Doch gerade wegen dieser Totalversiegelung löst der Marktplatz in Zeiten der Erderwärmung mit dem vom Gemeinderat erklärten Klimanotstand und den Klimaprotestzügen in Karlsruhe wie in aller Welt heiße Diskussionen aus.

Der Marktplatz, dieses in Stein gemeißelte Gesicht der Fächerstadt, bricht die alten Fronten in der Kommunalpolitik auf. Man will zeigen, dass doch auch in der Baustellenstadt keine Betonköpfe alles zupflastern wollen. Da werden grüne Hoffnungen auf mehr Schatten durch Bäume zur Verbesserung des Klimas in Karlsruhe und damit auch als Öko-Beitrag für den gefährdeten Globus genährt.

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Die Stadtverwaltung lässt eine Kommission kreisen: Doch sie gebiert keinen Wald für Weinbrenners klassizistische Piazza. Warum wohl? Der Untergrund ist verbaut. Dieser Boden bietet wegen dem U-Strab-Beton und dem Leitungsdschungel für den Christkindlesmarkt wenig Fläche für starke Wurzeln. Am Schluss findet man nur für ganze vier Stämme einen Pflanzort.

Doch angetrieben ausgerechnet von der CDU, die sonst weniger unter Öko-Verdacht steht, hat der Gemeinderat das neuerliche Nein der Stadtverwaltung zu Bäumen auf dem Marktplatz aufgeschoben. Die Politik findet einen Kombi-Kompromiss: Einfach weitermachen und gleichzeitig überlegen, wie irgendwann später doch noch Bäume um die Pyramide in den Karlsruher Himmel wachsen können. Jetzt wird 2020 der Marktplatz erst mal komplett versiegelt.

Wohin mit dem Weihnachtsmarkt?

Oberbürgermeister Frank Mentrup kann deshalb träumen: Rechtzeitig vor der OB-Wahl feiert er mit den Bürgern im Herbst 2020 auf dem Marktplatz erst das Stadtfest und eröffnet anschließend den an die Pyramide zurückkehrenden Weihnachtsmarkt. Doch da scheint sich Karlsruhes grüne Welt erneut um die eigene Achse zu drehen: Der Christkindlesmarkt gastiert 2019 zum siebten Mal auf dem Friedrichsplatz, dem einzigen grünen Platz in der City.

Gerade wegen dem Eingriff in dieses Stück Rasen- und Baumidyll vor dem Naturkundemuseum ist der Friedrichsplatz eigentlich nur Ausweichquartier. Seitdem aber die Werbestrategen diesen Trubel als Karlsruher Waldweihnacht etabliert haben, wollen die Schausteller und viele Bürger gar nicht mehr zurück auf den Marktplatz, um an der wahren Pyramide Glühwein zu schlürfen.

Wenn das so kommt, dann bräuchte man den Marktplatz doch kaum noch als Weihnachtsmarktstandort. Könnte also das Pflaster wieder öffnen, die Leitungen und Anschlüsse für die Buden herausreißen – und einen Wald vor das Rathaus pflanzen.

Nein zum Tropenholz

Auch der zweite Streit beim Marktplatz hat mit Bäumen zu tun und belegt Widersprüche und Sprünge in der Stadtpolitik. Ausgerechnet Tropenholz aus Afrika hat die Stadtverwaltung als Mobiliar für den Marktplatz der angestrebt klimaneutralen Fächerstadt ausgesucht und hält daran trotz Protesten fest.

Die BNN berichten darüber, was die Grünen als die Öko-Partei veranlasst, dies per Antrag verhindern zu wollen. Doch nun kommt die besondere Ironie in die Karlsruher Marktplatzgeschichte 2019: Die Grünen sind mit Landesvater Kretschmann so staatsmännisch und mit OB Mentrup (SPD) so stadttragend geworden, dass sie das grüne Signal mit großer Symbolkraft gegen das Tropenholz zurücknehmen.

Die Öko-Parteiler beißen sonst in keinen Apfel, der nicht als nachhaltiges Regionalprodukt von heimischen Streuobstwiesen stammt und eben nicht um den halben Globus transportiert wird. Mittlerweile aber sind sie zu der Erkenntnis gelangt, dass Tropenholz für die Topadresse Marktplatz doch eine nachhaltig hergestellte Ware ist. Aber erneut überholt die CDU die Öko-Partei grün. SPD und AKL/Die Partei mit im Boot – und die Gemeinderatsmehrheit sagt Nein zum Tropenholz und stellt die Grünen samt OB und grüner Umweltdezernentin bei deren Kernthema in den Schatten.