David Kinsombi (links), hier im Duell mit dem Bielefelder Christopher Nöthe, schnürte in der Saison 2016/2017 die Schuhe für den KSC. | Foto: dpa

2. Bundesliga

Der KSC empfängt Hamburg: Das Wichtigste zum HSV

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Dino, Bundesliga-Uhr, Relegationsdusel, Bakery Jatta – der Hamburger SV, der nächste Gegner des KSC, liefert Deutschlands Stammtisch-Runden quasi Themen im Sekundentakt. Noch ein Beweis? Dienstagmittag, Christoph Moritz versucht sich an einem Fallrückzieher, landet unsanft. Resultat: Schlüsselbeinbruch und mehrere Monate Pause.Typisch HSV, oder? Darauf muss der Karlsruher SC am Sonntag, 13.30 Uhr, gegen Hamburg achten.

Der 1. Juni 2015 wird wohl niemals aus den Köpfen der KSC-Fans verschwinden. Damals standen die Karlsruher beim Stand von 1:0 gegen den HSV schon mit einem Bein in der Bundesliga, ehe Schiedsrichter Manuel Gräfe kurz vor Schluss beim damaligen KSC-Spieler Jonas Meffert ein Handspiel sah und auf Freistoß entschied. Marcelo Diaz war es egal. Ausgleich. Den Rest wärmen wir an dieser Stelle nicht nochmal auf. Vier Jahre später haben die Badener am Sonntag, 25. August, die Chance auf eine kleine Revanche.

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Daniel Gordon spielte bereits 2015 in der Relegation gegen den HSV. Der Innenverteidiger ist motiviert.

So sieht es sportlich beim Hamburger SV aus

Die Ausgangslage ist klar: Vor dem vierten Spieltag war Hamburg Tabellenführer, Karlsruhe Vierter. Also ein klassisches Topspiel, oder? Jein, denn: Die bisherigen Spiele des HSV könnten auch unter der Kategorie „Wundertüte mit guten Ergebnissen“ laufen. Neben dem starken 4:0-Sieg beim Absteiger aus Nürnberg zitterten sich die Hamburger beim Drittligisten aus Chemnitz per Elfmeterschießen in die zweite Runde. Sportliche Leckerbissen waren weder das dröge 1:1-Unentschieden zum Auftakt gegen Darmstadt 98, noch der 1:0-Sieg gegen den VfL Bochum aus der Vorwoche. Dennoch: Hamburg steht defensiv sattelfest. Nur einen Gegentreffer kassierten die Hanseaten in der Liga bisher. Vorne ruckelt der Motor noch ordentlich. „Ich habe sie in Nürnberg gesehen. Sie spielen einen guten Ball und haben eine hohe individuelle Klasse“, erinnert KSC-Trainer Alois Schwartz aber an die positive Ausnahmen vom zweiten Spieltag.

Das ist die Situation beim Karlsruher SC

Anders der KSC: Das eigentliche Prunkstück – die Abwehr – präsentierte sich bisher minimal anfällig. Karlsruhe kassierte in jeder Partie einen Gegentreffer. Dafür klappt es offensiv besser. Sieben Tore erzielten die Badener. Die ausgelassenen Chancen bei der ersten Pleite in Kiel offenbarten aber erste kleinere Wackler im Angriff.

Diese Hamburger Spieler können dem KSC gefährlich werden

Die Hamburger dachten in ihrem ersten Zweitliga-Jahr mit Spielern wie Lewis Holtby, Pierre-Michel Lasogga oder Ex-Kapitän Gotoku Sakai wird die Mission Wiederaufstieg schon laufen. Falsch gedacht! Die neuen HSV-Macher um Sportvorstand Jens Boldt und Michael Mutzel, den früheren Karlsruher Profi, setzen auf eine Mischung aus jungen und Zweitliga-erfahrenen Profis. Mit Tim Leibold (1. FC Nürnberg), Jeremy Dudziak (St. Pauli) und Sonny Kittel (FC Ingolstadt) schnappte sich der HSV Spieler, die im Saisonverlauf den Unterschied machen können. Einen echten Zweitliga-Torjäger haben die Hamburger mit Lukas Hinterseer ergattert. Der Hüne (1,92 Meter) weiß, wo das Tor steht, traf in zwei Jahren in Bochum 32 Mal.

Die größte Überraschung ist aber Bayern-Leihe Adrian Fein. Der 20-Jährige zieht munter die Fäden im Mittelfeld. Sein Notenschnitt beim Kicker nach drei Partien: 2,5. HSV-Coach Dieter Hecking schwärmt: „Er ist stark am Ball, gut fürs Offensivspiel und ist auch stark in der Rückwärtsbewegung.“

Dieser Spieler hat eine Karlsruher Vergangenheit

Auch beim HSV taucht ein Ex-Karlsruher im Kader auf: David Kinsombi. Der Mittelfeld-Allrounder trug in der Saison 2016/2017 das KSC-Trikot. Nach dem Abstieg ging er nach Kiel und wurde zur Stammkraft. Nach einem Schienbeinbruch in der Vorsaison kämpft sich der gebürtige Hesse allmählich an die Hamburger Startelf ran. Gut möglich, dass er bei seiner Rückkehr ins Wildparkstadion von Beginn an auflaufen wird. Kurios: Kinsombi kostete die Hamburger drei Millionen Euro. Einen Teil davon stemmte der spielstarke Mittelfeldmann selbst.

So kann Karlsruhe den HSV schlagen

Der starke Saisonstart des KSC hat in Fußballdeutschland Eindruck hinterlassen. Verstecken müssen sich die Badener nicht. Dafür sind sie auch viel zu lang: Die Karlsruher haben zwölf Profis im Kader, die größer sind als 1,85 Meter. Bei Standards herrscht im Hamburger Strafraum also höchste Alarmbereitschaft. Hecking betont gegenüber der Bild-Zeitung: „Wenn man nicht groß genug ist, muss man geschickt sein.“

Auch in Punkto Laufbereitschaft rennen die Karlsruher den Hamburgern davon. Das zentrale Mittelfeld um Marvin Wanitzek (12,17 Kilometer im Schnitt) und Lukas Fröde (12,08 Kilometer) gehört ligaweit zu den agilsten Duos. „Wenn wir tüchtig sind, haben wir vielleicht das nötige Matchglück“, setzt KSC-Trainer Alois Schwartz auf eine Grundtugend. Wanitzek, der seit der Verpflichtung von Fröde offensiv befreiter aufspielen kann, ist zudem der beste Vorlagengeber der Liga.

Bakery Jatta auch gegen den KSC im Kader

Der Fall Bakery Jatta beschäftigt seit Wochen die Gemüter. Hat der Profi aus Gambia, der 2015 nach Deutschland kam und 2016 Profi beim HSV wurde, bei seiner Identität getrickst? KSC-Sportdirektor OIiver Kreuzer spricht von einem möglichen „Präzedenzfall“. DFB und DFL müssten schnellstmöglich Klarheit schaffen. Mit Nürnberg und Bochum erhoben bereits zwei Vereine Einspruch gegen die Wertung ihrer Niederlagen gegen die Hamburger. Wie der KSC im Falle einer Niederlage verfahren werde, sei Präsident Ingo Wellenreuther zufolge noch nicht klar. Aktuell untersuchen die zuständigen Behörden den Fall.

Beim HSV ist man bemüht, das Thema nicht all zu sehr aufzubauschen. „Ich gehe davon aus, dass diese Proteste im Sand verlaufen“, so Hecking unter der Woche. Jatta wird auch gegen den KSC im Kader stehen.

Was sonst noch wichtig ist

Die Schnittmenge zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC ist größer, als man es vermuten mag. Zu Kinsombi und Mutzel gesellen sich mit Oliver Kreuzer, dem Karlsruher Sportdirektor, und Torwart-Trainer Kai Rabe noch zwei Akteure. Kreuzer erlangte 2013 als HSV-Sportchef besondere Berühmtheit. Hamburgs streitbarer Gönner Klaus-Michael Kühne stempelte ihn als „Drittliga-Manger“ ab. 2014 musste Kreuzer gehen. Im Dezember 2016 kehrte er zum KSC zurück. Mit Kai Rabe machte sich im Sommer 2019 ein weiterer Akteur auf den Weg nach Hamburg. Die Karlsruher Trainer-Legende verlängerte ihren Vertrag nicht. Seit dieser Saison jagt er die HSV-Keeper über den Trainingsplatz.

Und übrigens: Schiedsrichter ist dieses mal Sören Storks aus Velen (Westfalen). Und der hat weder mit dem KSC noch mit dem HSV eine Vorgeschichte!