Der Star und sein Fan: Armin Eckmajer (rechts) ist seit Jahrzehnten ein echter Experte in Sachen Udo Lindenberg. | Foto: privat

„Udo-Museum“ in Eggenstein

Der Lindenberg-Experte

Anzeige

Als Armin Eckmajer irgendwann Anfang der 70er Jahre in der „BRAVO“ zum ersten Mal einen Artikel über einen gewissen Udo Lindenberg las, dachte er: „Der Typ sieht anders aus als die anderen Popstars. Und er singt auf Deutsch. Da kann man ja mal reinhören.“ Als er dann zum ersten Mal ein Lied von Lindenberg hörte, wusste er sofort: „Der Typ versteht dich. Der steht auf deiner Seite.“ Über 40 Jahre später ist der 1961 geborene Eggensteiner immer noch ein Fan von Udo – und zwar mit Sicherheit einer der größten in ganz Deutschland. „Mein Udo-Zimmer ist oben, unter dem Dach“, sagt er und führt den Besucher hinauf ins Allerheiligste. „Wie in einem Museum“, denkt man unwillkürlich und kriegt vor Staunen den Mund nicht mehr zu. An der Wand: Hunderte von Fotos, die meisten von Udo signiert, daneben Konzertplakate aus mehreren Jahrzehnten, Fan-Artikel ohne Ende, unzählige Bücher und natürlich Hunderte von Schallplatten und CDs, auf denen Udo Lindenberg zu hören ist – solo oder als Schlagzeuger bei Bands wie Free Orbit oder Passport.

Erstes Konzert vor 40 Jahren

Vor genau 40 Jahren, im Februar 1979, besuchte Eckmajer sein erstes Udo-Lindenberg-Konzert in der Karlsruher Schwarzwaldhalle. Die damalige „Dröhnland-Symphonie“-Tour wurde von Peter Zadek als Show mit großer Bühne, Multimedia und einer Vielzahl an kostümierten Statisten inszeniert – ein beeindruckendes Erlebnis für Eckmajer, der sich sehr darüber freute, dass Lindenberg in dieser Zeit fast jedes Jahr auf eine neue Tournee ging. „Bei der 80er Tour besuchte ich dann schon zwei Konzerte, bei der 81er Tour waren es drei und danach wurden es immer mehr.“

Eine äußerst liebevoll gestaltete Wand im „Udo-Museum“ von Armin Eckmajer in Eggenstein. | Foto: Weber

„Da ist ja wieder mein harter Kern“

Irgendwann blieb es nicht aus, dass der „Panikrocker“ auf den jungen Mann aufmerksam wurde, der meist mit ein paar anderen „Udo-Verrückten“ an den Backstage-Eingängen herumlungerte und sich riesig darüber freute, wenn Udo ihn zum Soundcheck einlud. „Da ist ja wieder mein harter Kern“, sagt Udo noch heute, wenn er irgendwo auftaucht und in die immer gleichen Gesichter seiner treuen Fans („Meine Experten“) blickt. „Er ist sehr zugänglich“, sagt Eckmajer. „Und er hat ein fantastisches Verhältnis zu seinen Fans.“
Auch Eckmajers Frau und seine beiden Töchter haben Lindenberg inzwischen kennengelernt. „Wir haben sogar schon Urlaube nach seinen Konzerten ausgerichtet“, sagt Ehefrau Angelika und zeigt lachend auf ein Foto, das an der Wohnzimmerwand hängt. „Für meine Blonden“, hat Udo in seiner unnachahmlichen Schrift draufgekritzelt.

Durch die schweren Zeiten…

Gegen Ende der 80er erlebte Eckmajer auch die ganz schweren Zeiten des „Panikrockers“ mit, der damals eindeutig zu viel Alkohol trank und immer mal wieder ein Konzert ausfallen lassen musste. „Ich war alleine zweimal in Heidelberg, und beide Male fiel das Konzert aus“, erinnert sich der Eggensteiner, der seit Jahrzehnten bei der Deutschen Bundesbank arbeitet. Der Fall der Mauer 1989 habe Udo dann wieder einen richtigen Schub gegeben, freut er sich im Nachhinein. Dank der riesigen Nachfrage der ostdeutschen Fans startete „die Nachtigall“ wieder durch. Dennoch: Als Udo-Fan wurde man lange für einen Ewiggestrigen gehalten, andere deutsche Künstler schienen ihm den Rang abgelaufen zu haben. Bis 2008. Das Album „Stark wie zwei“ katapultierte Lindenberg wieder ganz nach oben – und da blieb er bis heute.

Prall gefüllt mit Udo-Utensilien

Doch blicken wir noch einmal ins „Eggensteiner Lindenberg-Museum“. Auch die Schubladen der hölzernen Kommode sind prall gefüllt mit Udo-Utensilien. Zeitungsausschnitte, chronologisch geordnet! Eintrittskarten, säuberlich in einem Album archiviert! Fanartikel jeglicher Art, vom Lindenberg-Spielzeug-Lkw über Lindenberg-Püppchen bis hin zu Lindenberg-Kaffeebechern! Gemalte „Likörelle“, natürlich signiert! Eine wahre Fundgrube für jeden Fan. An der Wand hängt, neben besagten Tourplakaten und Fotos, ein kompletter BRAVO-Starschnitt aus dem Jahr 1976. „Den habe ich sogar doppelt“, sagt Eckmajer. „Einmal hier an der Wand, und dann noch einmal alle 19 Einzelteile in den Originalheften.“

„Unsere Meinung ist gefragt“

Bei der kommenden Tournee, die Udo Lindenberg ab Ende Mai durch 14 deutsche Städte führt, wird Eckmajer natürlich wieder „sieben- bis achtmal“ mit dabei sein. Und Udo wird ihn und die anderen Experten wieder in der ein oder anderen Stadt begrüßen. „Manchmal fragt er uns sogar um unsere Meinung, zum Beispiel, ob er statt eines ruhigen Songs lieber einen rockigen Song in die Setliste einbauen soll“, freut sich Eckmajer.

Im Bildband verewigt

Und dann holt der Eggensteiner noch einen Bildband aus dem Regal. Auf einem Panoramafoto sieht man Udo Lindenberg von hinten, wie er in eine volle Halle blickt. Und zu seinen Füßen steht, ganz vorne an der Bühnenrampe, Armin Eckmajer. Wow! Ein Foto für die Ewigkeit!
Letzte Frage: Was hält Eckmajer vom neuen Udo-Song „Wir ziehen in den Frieden“? „Bei jedem andern 72-Jährigen wäre so ein Auftritt mit Kinderchor peinlich, bei Udo aber ist es einfach nur cool!“