Baustelle Mendelssohnplatz
EIN SCHLAMMLOCH ist die Mitte der Kriegsstraße am Mendelssohnplatz. Die Ankerbohrmaschine sichert die Spundwände für den Grubenbau. Schon in zehn Tagen sollen dort Behelfsbrücken für die Straßenbahnen über die Baustelle geschlagen werden. Spritzschutzwände nehmen den Autofahrern die Sicht in die Baugrube für den Autotunnel. | Foto: jodo

Tunnelbau in der Kriegsstraße

Der Mendelssohnplatz ist eine Grube

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Ankerbohrer im Schlamm

Der Mendelssohnplatz ist eine Grube. Schutzwände verwehren den Autofahrern auf der Kriegsstraße den Blick auf den Ankerbohrer.

In drei Metern Tiefe steht die Maschine. Unter starkem Gespritze verschießt sie horizontal Stahlseile zur Stabilisierung der 20 Meter in den Untergrund getriebenen Spundwände.

50 Tonnen schwer

Die beiden Schächte für die Widerlager der Hilfsgleisbrücken sind vorbereitet. In zehn Tagen sollen sie jeweils zu einem Betonklotz ausgegossen sein.

Denn für das übernächste Wochenende, in der Nacht vom 3. auf den 4. November, hat die Kombi-Bauherrin Kasig schon das Einheben der zwei je 50 Tonnen schweren Stahlträgerstege angekündigt.

Behelfsbrücken  im November

Wiederum eine Woche später – also am Samstag, 10. November – wollen die Verkehrsbetriebe über diese 19 Meter langen Schienenbrücken wieder die Straßenbahnen durch die Fritz-Erler-Straße, die östliche der zwei verbliebenen Nord-Süd-Gleisachsen rollen lassen.

Zehn Wochen war sie dann gesperrt – mit den für viele Fahrgäste gravierenden Umleitungen einiger Linien.

 

Tunnelbau
DER GREIFER reicht mit seiner Schaufelzange bis in 20 Meter Tiefe, um die Schlitzbauwand für die Autoröhre unter der Kriegsstraße zu bauen. | Foto: jodo

Während der erheblichen Behinderungen des Verkehrs macht der Bau des Autotunnels Kriegsstraße, der neben der U-Strab zweiten Kombi-Komponente für den City-Umbau, mächtige Fortschritte.

Alles nach Plan

„Alles läuft nach Plan“, bekräftigt Kasig-Pressesprecher Achim Winkel. Inzwischen wird auf dem kompletten Bauabschnitt Mendelssohnplatz zwischen Volksbank im Osten und Hübsch-Schule im Westen mit schwerem Gerät gearbeitet.

Der Greifer

Auf Höhe der alten Einmündung der Kapellenstraße taucht die gewaltige Schaufelzange des Schlitzwandgreifers 20 Meter tief in die Erde. Auf den Wandbau folgt am Mendelssohnplatz der Aushub bis in drei Meter Tiefe.

Von dieser Ebene aus wird dann auch demnächst unter der Gleisbrücke mit rollendem Straßenbahnverkehr eine Dichtsohle zwölf Meter unter der Erdoberfläche am Rüppurrer Tor injiziert. Anschließend kann die Tunnelbaugrube komplett ausgehoben werden, bevor die eigentliche Tunnelwanne aus dicken Betonwänden und mächtiger Bodenplatte gegossen wird.

Inbetriebnahme Ende 2021 möglich

Fehlt nur noch der Betondeckel – und fertig wird vermutlich Mitte 2019 der dritte von sechs Abschnitten der 1,3 Kilometer langen Doppelröhre für die Autos. Dann sind rund 330 Meter, also etwa ein Viertel des Autotunnels, geschafft.

Können die Baufirmen Züblin und Schleith das seit Baubeginn im April 2017 vorgelegte Tempo halten, dann bleibt das Ziel der Kasig erreichbar: die Inbetriebnahme Ende 2021, obgleich auch der Eingriff am Knoten Karlstor ab 2020 noch eine gewaltige Herausforderung für die Kombi-Strategen und die Verkehrsmanager bedeutet.

Drei Jahre Verspätung

Viereinhalb Jahre Bauzeit sollen demnach für das Viertel-Milliarden-Euro-Projekt reichen. Eigentlich sollte der Durchgangsverkehr der City-Autobahn bereits in diesen Herbstwochen 2018 durch den Tunnel rollen, doch verzögerte sich der Baustart auch wegen Finanzierungsproblemen um drei Jahre.

Umleitungen

Für die Autofahrer, die Radler und die Fußgänger bleibt der Mendelssohnplatz vorerst die große Problemzone mit Engpässen, Gefahrenstellen und Sperrungen. Den Radlern wird für die West-Ost-Strecke von den Verkehrsmanagern geraten, die Kriegsstraße beim Mendelssohnplatz zu meiden und alternativ über den Lidellplatz oder durch die Baumeisterstraße in die Pedalen zu treten. Für die Süd-Nord-Verbindung zwischen Rüppurrer Straße und Fritz-Erler-Straße bleiben den Fußgängern Übergänge an den Rändern der Kombi-Baustelle Mendelssohnplatz.

„Wender“ wieder offen

Ab Mittwoch und damit zweieinhalb Wochen früher als gedacht können die Autofahrer wieder von Norden (Fritz-Erler-Straße) an der Baustelle vorbei nach Süden (Rüppurrer Straße) gelangen beziehungsweise auf der Kriegsstraße von stadteinwärts auf stadtauswärts wenden. Nur fünf Tage war damit der „Wender“ um die Grube dank einer Kraftanstrengung mehrerer Ämter und Firmen geschlossen.