Er erhält den Kirchenmusikpreis 2019 der Evangelischen Landeskirche: Rüppurrs Kantor Dieter Cramer. Mit Leidenschaft leitet er neun musikalische Gruppen, zusätzlich zur Organistentätigkeit an zwei Kirchen und im Wohnstift. | Foto: lie

Rüppurrs Kantor Dieter Cramer

Der musikalische Universalist

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Das ist ein intensiver Palmsonntag für Dieter Cramer: Nach sehr frühem Aufstehen macht sich der Kirchenmusiker über eine Stunde lang warm an den Tasten. Entweder zu Hause oder an der Rüppurrer Auferstehungskirche, wo er den Gottesdienst um 9.30 Uhr begleitet. Anschließend geht es mit dem Rad zur Friedenskirche Weiherfeld. Dort ist Gottesdienst um 11 Uhr. Danach kurz nach Hause fürs Essen und ein halbstündiges Schläfchen, bevor um 13.30 Uhr die Vorbereitung auf das große Konzert seiner Kantorei und des Kammerorchester beginnt.

Rüppurr ist örtliche und kirchliche Heimat

Um 15 Uhr dirigiert er in der Auferstehungskirche Josef Haydns großartiges einstündiges Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“. Eintritt frei, wie immer bei den Rüppurrer Kirchenkonzerten. Anschließend bleiben die Akteure auch noch zusammen. Intensiv, aber beglückend ist dieser Tagesablauf für Cramer. „Hier ist immer meine örtliche und kirchliche Heimat gewesen, ich bin froh, dass ich in Rüppurr solche musikalische Vielfalt leben darf“, meint der 54-Jährige.

Beliebter Leiter vieler Gruppen

Er erzählt gerne präzise, sehr anregend und begeisternd über seine umfangreichen musikalischen Aufgaben. Die für ihn immer einen enormen sozialen Aspekt haben. Kinder wie Erwachsene nimmt er ernst in ihren Voraussetzungen. Daür ist er seit Jahrzehnten bekannt. Und beliebt. Cramer will nicht seine Ideen einstudieren, sondern alle mitnehmen und sich entwickeln lassen. Das gilt für seine drei Kinderchöre, einen Jugendchor, den Flötenkreis, das Kammerorchester, wie die Kantorei oder den Gospelchor „2gether“.
„Universalist“ und „Schwunggeber“ ist Cramer, heißt es in der Begründung für den Kirchenmusikpreis 2019 der evangelischen Landeskirche an ihn.

Er baute familiäres Musikzentrum auf

Er machte Rüppurr zum etwas anderen musikalischem Zentrum und einem familiären in der Nische. „Dabei sind aber die Beziehungen zu den anderen Kantoraten Karlsruhes sehr gut. Seit etwa zehn Jahren arbeiten wir viel besser zusammen und sprechen uns ab“.
Der Absolvent des Max-Planck-Gymnasiums ist voll evangelischen Feuers in Fülle. Er spricht an der Orgel, die auch bei Gottesdiensten im Wohnstift spielt, wie mit Worten gern vom Glauben. Seinen Blick auf Ostern und die Erfolgsgeschichte Jesus kann er vermitteln. Gern ist er Pädagoge und erreicht viele Kinder – und damit Eltern.

Swing und Schwung für die profane Seite

Seine „profane Musikseite“ ergänzt die Glaubensdinge. „Ich habe keine Berühungsangst vor populärer Musik. Ich mag den Swing und habe in der Bigband der Ettlinger Musikschule Posaune gespielt.“ Seit 1987 führt er „Brasspur Rüppurr“. Witzig bis betörend sind Arrangements und Konzerte bei diesem „heißen Blech“. Immer mit Musik im Kopf oder über die Tasten, braucht der Kantor Natur oder Städtereisen um loslassen zu können. Und das Stichwort familiär ist privat ganz wichtig. Seine Frau Susanne ist Erzieherin und wirkt in der Kirchenmusik mit. Die Kinder waren darin aktiv und haben mit ihren Partnern den guten Draht zum Heim in der Gartenstadt erhalten. Barockengel sitzen dort auf einem Fensterbrett zur Straße hin. Sie machen wohl gerade eine Pause vom Musizieren.

 

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In Rüppurr wuchs der 1964 geborene Dieter Cramer auf. Seine Eltern arbeiteten im Pflegedienst des Diakonissen-Krankenhauses. Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium studierte er Kirchenmusik in Heidelberg und war praktisch an der evangelischen Matthäusgemeinde tätig. Anschließend übernahm er das B-Kantorat an der Auferstehungskirche Rüppurr, wo er heute neun musikalische Projekte für Kinder und Erwachsene leitet. Mit seiner Frau Susanne hat er drei Kinder. Das Fotografieren hat er als kleines Hobby entdeckt.