Nackter Mann
DIE WINTERPAUSE der KSC-Kicker und das Wegbaggern der Nordtribüne in seinem Rücken lassen den „Nackten Mann“ kalt. Erst im Sommer geht er in Deckung. | Foto: jodo

Steinfigur im Sommer entfernt

Der „Nackte Mann“ hält die Drittliga-Saison durch

Anzeige

Der Steinerne im Wildpark hält vorerst durch: Der „Nackte Mann“ bleibt erst mal wie festgefroren am Stadion stehen. Nun soll der Fantreffpunkt vor dem Karlsruher Fußballstadion erst im Sommer, also nach Ende der Dritte-Liga-Saison, vorübergehend dem Stadionumbau weichen.

Zwei Neuigkeiten gib es zur Dauerpersonalie im Wildpark: Der „Nackte Mann“ wird nicht schon in diesen Wochen demontiert, sondern er hält seine Position noch bis in den Spätsommer. Auch über seine Herkunft ist etwas Neues durchgesickert: Vermutlich stand seine Wiege in der Weststadt exakt dort, wo heute die Straßenbahn der Linie 3 durchfährt.

Schlanker Steinriese

Um den „Nackten Mann“ vom Wildpark ranken sich viele Geschichten. Ist der schlanke Steinriese vor dem Stadion doch der Treffpunkt der KSC-Fans und als der „Schlotter-Beck“ auch ihre Identifikationsfigur in Erinnerung an ruhmreiche Zeiten der Karlsruher Kicker.

Mehr ein Läufer

Die BNN beleuchteten – ausgelöst durch den Stadionneubau im Wildpark – in einigen Beiträgen die Bedeutung dieser vom Karlsruher Bildhauer Emil Sutor um 1955 geschaffenen Kunstfigur. Seit bald 61 Jahren steht der magere Hüne – viel mehr ein Läufer als ein Fußballer – auf der Stelle.

Comeback ist sicher

Wegen des Stadionumbaus aber muss er weichen. Doch sein Comeback ist sicher, so bald die neuen Tribünen stehen. Es kommt zum Seitenwechsel in der neuen Arena: Die Fans und ihr „Nackter Mann“ ziehen in die andere Kurve um, weil die Stadionplaner es so wollen. Für die Anhänger des „Nackten Manns“ gibt es nun eben die zwei Nachrichten. Sie werfen mehr Licht auf die Zukunft und auf die Herkunft des beliebten Manns aus Stein.

Zeit läuft im Sommer ab

„Wir müssen die Skulptur jetzt doch noch nicht wegen des Abbruchs der Nordkurve abbauen“, erklärt Stadionbauchef Frank Nenninger von der städtischen Projektbaugesellschaft Kasig. Erst wenn es im Sommer an den Abriss der Gegentribüne geht, sei dort endgültig auch die Zeit für den „Nackten Mann“ abgelaufen, kündigt Nenninger an. Spätestens 2022 aber soll „Schlotter-Beck“ wieder am Stadion seinen Mann stehen.

Alles ist möglich

Demnach ist es jetzt möglich: Der KSC schafft mit dem letzten Heimspiel der laufenden Drittliga-Saison am 18. Mai gegen die Kicker aus Karlsruhes Partnerstadt Halle den Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga, dann stehen die Fans auch auf der provisorischen Kurventribüne im Rücken ihres Maskottchens Kopf und können ihm anschließend vor Freude die Füße küssen.

Bahn in Weststadt
DIE WIEGE der legendären Kunst- und Kultfigur „Nackter Mann“ stand vermutlich in einer Werkstatthalle an der Hoffstraße – dort, wo gerade der Wagen der Linie 3 im Grüngleis rollt. | Foto: jodo

Auch die graue Vergangenheit der Steingussskulptur hat sich weiter aufgehellt: Die Wiege des Wildpark-Idols stand mit großer Wahrscheinlichkeit in der Weststadt nur einen Steinwurf von der Kunstakademie entfernt: in einer Halle an der Hoffstraße. Von dem Raum, wo Emil Sutor den „Nackten Mann“ schuf, gibt es aber keine Spur mehr.

Kurve ums Gefängnis

Dort liegen seit 2006 die Gleise der Nordstadtbahn, die zwischen Hildapromenade und Hoffstraße um die Künstlervillen aus der Nachkriegszeit kurvt, bevor sie im Bogen um Oberlandesgericht und Gefängnis Kurs auf die Erzbergerstraße nimmt.

Weststadtjunge staunt

Dort befindet sich zudem seit 1964 das klotzige Gebäude des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Karlsruhe. Doch mindestens bis 1960 stand vermutlich dort die Wiege des „Nackten Manns“. BNN-Leser Klaus Weber ist der Zeitzeuge. Der alte Weststädter, heute lebt der Mann von „um die 70“ in Grötzingen, berichtet: „Als Kinder haben wir dort in einem erhaltenen Keller auf einem Ruinengrundstücks oft gespielt.“

Die Wiege des „Nackten Manns“

Die Kellerruine mit einem intakten Raum an der erhaltenen Treppe lag neben dem Bungalow an der Ecke der Hoffstraße mit der Hildapromenade. „Gleich daneben stand die Werkstatt des Bildhauers Sutor“, bekräftigt Weber. Also dort, wo heute das Rasengleis der Nordstadtbahn verläuft. „Das war eine sehr hohe Halle“, meint der Weststadtjunge.

 Attraktiver Gips

„Auf dem Schulweg von der Helmholtzstraße in die Hebelschule waren wir oft in seinem Atelier und durften mit Ton spielen“, erzählt Weber. „Die großen Mengen Gipsbruch vom Abformen haben uns beeindruckt. Das Atelier erschien uns damals riesig, besonders die Deckenhöhe.“ Und Sutor, der Schöpfer des „Nackten Manns“, habe den neugierigen Kindern ganz genau erklärt, wie eine Skulptur als Gipsabdruck entsteht und dann als Guss aus Bronze oder aus Betonstein so wie der standhafte Held vom Wildpark verewigt wird.