Kriegsstraße
ENTWICKLUNGSLAND AM ETTLINGER TOR: Der Postbank-Baukomplex (Mitte) könnte bald nach seinem Abriss den Bauplatz für einen Neubau mit repräsentativer Fassade in der Frontzeile der Kriegsstraße bieten. Nach Jahren mit vielen Spekulationen ist das Haus verkauft. Der Umbau der Kriegsstraße selbst soll Ende 2021 fertig sein. | Foto: jodo

Postbank-Gebäude ist verkauft

Der nächste Klotz steht vor dem Abriss

Das Postbank-Gebäude am Ettlinger Tor ist verkauft und wird abgerissen. Um 2025 wird dort ein Neubau am Boulevard Kriegsstraße stehen. Karlsruhe urbanisiert sich. Per Kombilösung für 1,2 plus X Milliarden Euro bekommen die City-Schlagadern Kriegsstraße und Kaiserstraße nicht nur eine völlig neue Oberfläche.

Karlsruher Kombi bis Ende 2021?

Entstehen doch unter der Fußgängerzone und auf dem Autotunnel neue Schienenstränge für die Straßenbahn. Anfang des nächsten Jahrzehnts soll die „Karlsruher Kombi“ nach heutiger Zeitplanung greifen.

Öffentliche Hand  stößt an

Diese Umwälzung durch die öffentliche Hand im öffentlichen Raum stößt indessen bereits jetzt auch eine große Veränderung zumindest an der Kriegsstraße an. Besonders ein Investor hat den kommenden Stadtboulevard mit Baumreihen und Rasengleis über dem Autotunnel für den Durchgangsverkehr zwischen Karlstor und Mendelssohnplatz entdeckt. Die Freiburger Bauträgergesellschaft Unmüssig hat jetzt auch beim Postbank-Gebäude am Ettlinger Tor zugegriffen.

Hans-Peter Unmüßig bestätigt

Unternehmenschef Hans-Peter Unmüßig bestätigt gegenüber den BNN den Kauf der Immobilie und den geplanten Abriss. Die Architektur des Riegels zwischen Karl-Friedrich-Straße und Kreuzstraße mag unter Bürgern und Stadtbildfreunden schlecht gelitten sein.

Beste Lage

Wertvoll macht diese Immobilie unbestritten ihre exponierte City-Lage. Deshalb wird über die Zukunft dieses angejahrten Bürohauskomplexes mit langer Front zur Kriegsstraße von den Stadtplanern schon lange nachgedacht. Mit dem Einstieg des Unternehmens Unmüssig kann nun die Rechnung der City-Entwickler aufgehen.

Mietverträge müssen eingehalten werden

Die Chance für ein neues städtebauliches Ausrufezeichen ist da. Der Abriss des einstigen Postscheckamts – späteren Postgiroamts und heute von vielen Firmen genutzten Postbank-Hauses – ist für den Projektentwickler Unmüßig beschlossene Sache. „Die Mietverträge müssen aber eingehalten werden, parallel entwickeln wir in den nächsten drei, vier Jahren das Neubauprojekt“, erklärt er. Anschließend könne der Baukomplex abgebrochen und drei Jahre später der Neubau bezogen werden. „Ein Hotel ist eine Möglichkeit“, bestätigt Hans-Peter Unmüßig. Dazu gehörten Einzelhandel, Büros und Wohnungen zum Projektkonzept. Einen Architektenwettbewerb für den Bau in städtebaulich exponierter Lage sichert er zu.

Räume für Rathausämter?

Die Stadtplaner sitzen mit im Boot: Man spricht mit Unmüssig darüber, wie ein präsentabler Neubau am kommenden Boulevard Kriegsstraße am besten genutzt werden kann. Neben Läden und Restaurants im Erdgeschoss geht es dabei um Büroflächen, von denen auch die Stadtverwaltung direkt profitieren könnte.

Gegenüber  dem Einkaufszentrum

Die Kriegsstraße wird also mit Abriss und Neubau direkt am Ettlinger Tor nicht nur optisch aufgewertet – gegenüber dem vielleicht irgendwann in großem Stil erweiterten Staatstheater und vis-à-vis dem Einkaufszentrum Ettlinger Tor an der Karl-Friedrich-Straße, für das 2003 dort das Friedrich-List-Schulhaus abgebrochen wurde.

Abrisshaus Kriegsstraße
DER ABRISS steht dem Betonklotz beim Nymphengarten bevor. Unmüssig baut dort stattdessen ein Hotel. Beim ersten Bauabschnitt des Autotunnels schließt sich der Deckel. | Foto: jodo

 

Hotel beim Nymphengarten

Abriss und sofortiger Neubau machen auch das Programm beim ersten Engagement des Unternehmens Unmüssig in der Karlsruher City aus – ebenfalls an der Kriegsstraße. Die Bauträgergesellschaft aus dem Breisgau hat den alten Betonklotz Kriegsstraße 23-25 gegenüber dem Nymphengarten 2015 von der Familienheim gekauft. Die Karlsruher Wohnbaugenossenschaft selbst hatte die Betonburg an der Kriegsstraße 2014 aus einer Insolvenzmasse für sechs Millionen Euro erworben.

Wird die neue Kriegsstraße 2021 fertig, dann steht dort voraussichtlich schon statt des bereits seit Jahren verwaisten Blocks ein Hotel der Marke „Motel One“. Laut Stadtverwaltung wird dieses „Low-Budget-Hotel“ 280 Zimmer haben.

Warten auf Baurecht

Unmüssig wartet für den Abriss nur noch darauf, dass die Stadt das Baurecht herstellt. Bei der Aussicht auf gleich zwei neue Großhotels an der Kriegsstraße durch den Investor Unmüssig herrscht bei den Stadtwirtschaftsplanern schon die helle Vorfreude.

Kasig muss vielleicht weichen

Kleine Ironie der Geschichte: Mit dem Abriss des Postbankhauses verliert auch die städtische Kombi-Bau-Gesellschaft Kasig, welche die Umgestaltung der Kriegsstraße per Autotunnel organisiert, selbst ihr Domizil. Aber vielleicht hat die Kasig ja bis dahin ihren Job erledigt, will sie doch mit „Kombi-Karlsruhe“ nach zwölf Jahren Großbaustellenstadt 2021 fertig werden.