Bitte auch die Fußsohlen: Unter strenger Aufsicht von Revierleiter Robert Scholz (links hinten) lässt sich Elefantendame Jenny routiniert von Praktikant (und Oberbürgermeister) Frank Mentrup mit dem Hochdruckreiniger abduschen.
Bitte auch die Fußsohlen: Unter strenger Aufsicht von Revierleiter Robert Scholz (links hinten) lässt sich Elefantendame Jenny routiniert von Praktikant (und Oberbürgermeister) Frank Mentrup mit dem Hochdruckreiniger abduschen. | Foto: Jörg Donecker

Praktikum als Elefantenpfleger

Der Oberbürgermeister und die grauen Riesen

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Dienstbeginn für den Praktikanten ist um 9 Uhr – eine Stunde später als für die hauptamtlichen Pfleger im Elefantenhaus. Trotzdem haben sie dafür gesorgt, dass noch genügend praktische Arbeit für den prominenten Aushilfspfleger übrig ist.

Ich habe noch nie so viel Scheiße bewegt

Oberbürgermeister Frank Mentrup hat eigentlich Urlaub, hat aber bereits das Heu für die grauen Eminenzen Nanda und Jenny vorbereitet, bei einer kommentierten Fütterung mitgeholfen und den Elefantenstall ausgemistet. „Ich habe noch nie so viel Scheiße bewegt wie heute“, sagt er und lacht.

Insgesamt 250 Kilogramm sind über Nacht angefallen, der Tag wird den Zoo-Mitarbeitern viele weitere Elefantenfladen bescheren. 120 bis 150 Kilogramm Futter fresse ein Elefant täglich, erklärt Revierleiter Robert Scholz. „Etwa die Hälfte kommt wieder raus.“

Elefanten seien schlechte Verdauer. „Das ist ihre Aufgabe in der Natur. So verbreiten sie Pflanzensamen über mehrere Kilometer und lassen sie dann fallen, umgeben von einem perfekten Haufen Dung.“ So könne es etwa passieren, dass ein unzerkauter Apfel samt Aufkleber nach einigen Tagen unversehrt wieder am Ende der „Verdauungskette“ herauskommt.

Mentrup übt sich als Elefanten-Pfleger

Für den Oberbürgermeister ist der Tag als Elefantenpfleger ein „tolles Erlebnis“. Man bekomme einen ganz anderen Bezug zu der Arbeit, die täglich von dem Team rund um Revierleiter Robert Scholz für das Wohlergehen der Elefanten geleistet werde.

Der Umgang mit diesen majestätischen Tieren, die den Anweisungen der Pfleger folgen, aber dennoch ihren eigenen Kopf behalten, fasziniere ihn. „Man stellt sich das immer so vor, dass man mit den Tieren spielt wie mit einem Kind“, so Mentrup, „doch man muss mit Elefanten sehr klar und strukturiert umgehen.“

Es müsse gemeinsame Regeln und klare Verantwortlichkeiten geben. „Man ist Teil eines sozialen Systems“, sagt Mentrup. Und man müsse seinen Platz in diesem System immer wieder behaupten. „Herr Scholz ist gewissermaßen die Chef-Kuh“, erklärt der Bürgermeister-Praktikant, und Scholz liefert die Fachtermini: „Ich bin der Super-Alpha-Pfleger, meine Kollegen sind Alpha-Pfleger.“

Parallelen zu seiner Arbeit im Gemeinderat sieht Mentrup aber nicht. „Da bin ich ja nicht das Alphatier“, sagt er. In dem Gremium sei ihm lediglich eine Sonderrolle zugeschrieben. „Ich habe sicherlich weniger Einfluss auf den Gemeinderat als Herr Scholz auf seine Elefanten.“ Es gefalle ihm, in eine Welt hineinschauen zu können, die so anders sei als sein Berufsalltag.

Wellnessdusche für die Elefanten-Damen

Die Elefantenpflege funktioniere grundsätzlich nur im Team, erklärt Super-Alpha-Pfleger Scholz. Mindestens zu zweit müsse man in jedem Fall beim Tier sein. Und dann muss ja noch jemand die übrigen Arbeiten erledigen – Futter vorbereiten, die Anlage reinigen und den Stall für die Nacht fertig machen. Die tägliche Wellnessdusche für die Dickhäuterinnen darf da natürlich auch nicht fehlen. Die übernimmt an diesem Tag ebenfalls der Praktikant.

Dazu wird Elefantendame Jenny auf die große Waage auf dem Außengelände geführt, angelockt von einem Häufchen Futter. Die Waage zeigt knapp 4,3 Tonnen an, Normalgewicht für die kräftige Jenny. Mit einem handelsüblichen Hochdruckreiniger, der eine etwas diffuser sprühende Düse hat, spritzt Scholz Jennys massigen, 2,4 Meter großen Körper von einer Seite ab, der kräftige Strahl ist Reinigung und sanfte Massage zugleich.

Praktikant Mentrup sieht zu, bevor er sich dann um Jennys rechte Seite kümmern darf. Die Elefantenkuh hebt den Rüssel, lässt den kühlen Sprühnebel auch ihre Zunge benetzen. Zwischendurch schnappt sie sich den ein oder anderen Apfel oder eine Portion Getreide.

Kraftprobe zwischen Rüssel und Hand

Jenny schlackert genüsslich mit ihren Elefantenohren, als der Wasserstrahl sie trifft und ein Geräusch zu hören ist, wie wenn eine große Zeltplane abgewaschen wird. Routiniert hebt sie auf Scholz’ Kommando erst das vordere, dann das hintere Bein – schließlich müssen die Fußsohlen noch von letzten Einstreu-Resten aus dem Stall befreit werden. Pediküre im elefantösen Maßstab.

Dann steht die Kontrolle der Zähne an. Jenny streckt den Rüssel schwungvoll nach oben, öffnet den Mund, und Mentrup und Scholz begutachten das gigantische Mahlwerk. Beim Äpfelfüttern wird dann doch ein wenig gespielt: Jenny und ihr Praktikant rangeln um den etwa fünften Apfel, natürlich gewinnt der starke Elefantenrüssel mit seinen abertausend Muskeln die Kraftprobe gegen die anatomisch ebenfalls bemerkenswerte menschliche Hand.

Zu guter Letzt wird noch das Heunetz am Futterbaum aufgehängt – Mentrup bedient die Seilwinde. So langsam kennt er sich richtig gut aus. „Ab September wird es spannend, wenn die Nilpferde nachts auf die Anlage dürfen: Wie finden’s die Elefanten, wenn’s morgens nach Nilpferd riecht? Und wie verhalten sich die Flusspferde über Nacht?“

So ein Praktikum macht den Kopf frei

Er habe einen sehr positiven Eindruck von den Zoo-Mitarbeitern bekommen, so Mentrup. Man spüre, dass alle daran interessiert sind, die Dinge weiterzuentwickeln.

„So ein Praktikum macht den Kopf frei“, resümiert der Oberbürgermeister. „Das müsste man mal ’ne ganze Woche lang machen.“ Revierleiter Scholz hätte nichts dagegen. „Ich bin hochzufrieden, wie konsequent und gleichzeitig respektvoll er mit den Elefanten umgeht.“

Vielleicht ein Szenario für den Fall, dass die nächste Wahl zum Karlsruher Oberbürgermeister Ende 2020 nicht zu Mentrups Gunsten ausfällt? Da lacht das amtierende Stadtoberhaupt und sagt: „Für ’ne Zeitlang wäre das vielleicht mal ganz gut. Man erfährt eine ganz andere Art der Erdung.“

Doch das ist noch lange hin. Jetzt ist erstmal Nanda mit ihrer Wellnessdusche dran, bevor Mentrup wieder ganz Oberbürgermeister ist.