Knielinger See
DER SEE LEBT: Der 4,5 Millionen schwere Eingriff hat dem Knielinger See bislang sehr geholfen. Die Fische bekommen wieder besser Luft. Zu den neuen Bauwerken gehört auch das Auslaufwehr (links) samt Überlaufzone mit großen Steinen und dem immer offenen Auslauf mit Fischtreppe (unten) in der Nordwestecke des Gewässers. Der größte See Karlsruhes reicht im Süden fast bis zum Hafen mit dem EnBW-Kraftwerk. | Foto: Sandbiller

See in Karlsruhe-Knielingen

Der See bekommt wieder Luft

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Durch die große Sanierungsaktion ist wieder deutlich mehr Sauerstoff im Knielinger See. Vor 2015 drohte das Gewässer zu kippen. Die Fische können wieder tiefer schwimmen. Das Tiefbauamt spricht von einer Erfolgsgeschichte. Das Einleiten von Rheinwasser und das Abschotten des Sees vor dem Federbach bringen auch eine Verringerung des Schadstoffeintags.

Er ist der Größte im Stadtgebiet – und war sterbenskrank. Überfüttert mit Nährstoffen und unterversorgt mit Sauerstoff drohte der Knielinger See zu kippen. Die Fische bekamen nur noch dicht unter dem Wasserspiegel genug in die Kiemen. Schon in drei Meter Tiefe war der See tot.

Wende geschafft

Jetzt scheint die Wende geschafft. Drei Jahre nach der Sanierungsaktion durch eine alles verändernde Kombilösung bei der Wasserzufuhr scheint der See gerettet. Die Fische, die Angler, die Naturschützer und die Experten des Tiefbauamts können aufatmen. Der Knielinger See ist vorerst gerettet. Mit einer 4,5 Millionen Euro teuren Kraftanstrengung haben die Stadt und das Land unter Federführung der „Gewässerbauer“ des städtischen Tiefbauamts die ökologische Wende im Karlsruher Westen geschafft.

Männer am Federbach
AM BYPASS des Federbachs freuen sich Martin Kissel (links) und Frank Lamm auch über die bereits üppige Vegetation, die den neuen Kanal in viele Variationen von Grün taucht. | Foto: Sandbiller

Kombilösung verschafft Luft

Die Zwei-Komponenten-Investition zeigt große Wirkung: Erstens speist das Einlassbauwerk mit Stichkanal zwischen Hafeneinfahrtbecken und dem Problemgewässer den Knielinger See mit sauerstoffreichem Rheinwasser. Zweitens kann der mit Nährstoffen überfrachtete Federbach den See nicht mehr belasten. Der Zufluss wurde abgeklemmt und dem Federbach ein Umleitungsbett durch den Burgauwald gegraben. 2015 wurde die neue Wasserversorgung des Knielinger Sees in Betrieb genommen.

Hat sich gelohnt

„Diese Investition hat sich gelohnt“, da sind sich Tiefbauamtschef Martin Kissel und Frank Lamm, der Abteilungsleiter für Gewässer, bei der Zwischenbilanz nach drei Jahren sicher – mit der Einschränkung, dass sich eine nachhaltige ökologische Veränderung erst in größeren Zeiträumen zeigen kann.
„Der See war in einem sehr schlechten Zustand und dringend sanierungsbedürftig“, sagt Kissel. „Der Lebensraum der Fische war extrem eingeengt.“

Der Rhein als Arzt

Nun aber wirke „der Rhein als Arzt“ mit seinemHeilwasser – und ähnlich wie der einst so verschmutzte Strom befinde sich nun der Knielinger See auf dem Wege der Besserung.

Ziel ist die Acht-Meter-Marke

„Der Sauerstoffgehalt reicht nun schon selbst an den schlechtesten Seestellen bis in sechs statt 2015 nur noch drei Meter Tiefe“, berichtet Lamm. Auf zwei Drittel des Knielinger Seegebiets gelte dies gar bereits bis in acht Meter. „Diese Marke ist unser Zielpunkt“, erklärt Kissel. Noch weiter unten gehe auch in unbelasteten Naturseen den Fischen der Sauerstoff aus, erklärt Lamm.

Tiefe Trichter

Der Knielinger See ist übrigens abgesehen von ufernahen Flachwasserzonen rund zwölf Meter tief, nur in zwei Trichtern fällt der Grund der ausgebaggerten Altrheinschlinge östlich von Maxau bis auf 21 Meter ab. Auch unterhalb der Acht-Meter-Marke „stellen wir Verbesserungen fest, dort ist die Wasserqualität aber noch schlechter als der Grenzwert“, erläutert Experte Lamm.

Spiegel angehoben

Mit dem Zufluss von drei Kubikmeter Rheinwasser pro Sekunde bekommt der Knielinger See nicht nur eine Frischwasserkur. Gleichzeitig gelingt es damit, den Wasserspiegel um einen halben Meter zu erhöhen. Nun lastet eine größere Wassersäule auf dem mit Schadstoffen wie Nitraten und Phosphor belasteten Grundschlamm. Dies verhindert das Einspülen dieser Schadstoffe durch das Grundwasser in den See.

Sanfte Sanierung

„Auf diese Weise gelingt uns die sanfte Sanierung, und wir müssen nicht mit einem Riesenaufwand den Grundschlamm ausbaggern´“, betont Kissel. Vor allem durch den Federbach wurden früher die Düngerrückstände Phosphor und Nitrate in den See gebracht.

Das ist eine Erfolgsgeschichte

Messergebnisse belegen einen deutlichen Rückgang in mittlerer Wassertiefe und sogar direkt über Grund. „Das ist eine Erfolgsgeschichte“, freut sich Kissel. Auch die Angler seien hochzufrieden, ergänzt Lamm. „Der See wäre gekippt, jetzt aber ist er außer Gefahr und damit aus der Intensivstation“, meint er.

Nebenwirkungen

Die Seetherapie hat aber wohl auch Nebenwirkungen. „Wir beobachten ein Schilfsterben“, berichtet Lamm. Vermutlich sei dies durch den per Wasserzufuhr erhöhten Seepegel verursacht, Schilf aber benötige wechselnde Wasserstände. Man erwäge Gegenmaßnahmen wie das Aufschütten für neue Schilfzonen.