DIE STAATSBANK mit Hauptsitz in Karlsruhe berichtet von einem Rekord bei der Existenzgründerförderung. | Foto: jodo

L-Bank-Chef preist den Gründergeist

Der Spirit des Südwestens

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Axel Nawrath, Chef der staatseigenen L-Bank, spricht bei der Bilanzpressekonferenz gerne salopp. „Kartoffeln werden immer noch analog geerntet“, sagt er zu den Journalisten – und nennt dies als Exempel dafür, dass nicht jeder Existenzgründer ein IT’ler ist und sein muss.

Existenzgründer, die die L-Bank fördert, gibt’s reichlich im Südwesten – obwohl die Arbeitslosenquote gering ist und somit der Zwang zum Unternehmertum minimal. „Es wird in Baden-Württemberg unterschätzt, dass hier auch Leute in guten Zeiten Gründer-Spirit haben“, betont Nawrath. Das sei anders als in vielen anderen Regionen Deutschlands. Danach teilt der Förderbanker weiter munter Lob aus: „Leute, die hier gründen, wollen nicht gleich wieder aussteigen. Die wollen ihren Laden bauen. Das ist einfach super gut.“
„Super gut“ sind, um in Nawraths Duktus zu bleiben, auch die 660 (2016: 599) Millionen Euro, mit denen die Staatsbank im vergangenen Jahr 2 900 Neugründungen und Unternehmensnachfolgen unterstützt hat. „Wir stürmen von Rekord zu Rekord bei der Existenzgründungsförderung“, so der Chef von 1 241 (2016: 1 232) Mitarbeitern.

L-Bank unterstützt Unternehmen mit mehr Förderkrediten

Ähnlich wie bei den Existenzgründungen greift im Südwesten auch nicht die ökonomische Theorie, wonach Unternehmen in Nullzinszeiten weniger Fördergeld abrufen. Auch hier ist das Gegenteil der Fall: Insgesamt wurden ihnen via L-Bank im Land über 3,1 (2016: 2,9) Milliarden Euro Kredite zur Verfügung gestellt. Vor allem Manager mittelständischer Unternehmen haben die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen genutzt, investiert und – als clevere Kaufleute – dabei Förderkredite beantragt. Dass die besonders attraktiv sein können, liegt daran, dass das Land für seine Staatsbank garantiert.

Trendwende bei geförderten Sozialmietwohnungen

Teil des Förder-Werkzeugkastens des Instituts mit Hauptsitz in Karlsruhe ist zudem die Wohnraumförderung. Vor allem in dem boomenden Bundesland mit seinen hohen Miet- und Immobilienpreisen ist sie wichtig. Auch im Segment Sozialmietwohnungen arbeiten die Banker dabei mit dem Land Hand in Hand. So können neuerdings geförderte Sozialmietwohnungen auch im ländlichen Raum entstehen. Der Erfolg ist da. Nawrath: „Im laufenden Jahr ist es gelungen, den kontinuierlichen Rückgang im Sozialwohnungsbau zu stoppen.“ 2017 wurden für 2 301 sozial gebundene Mietwohneinheiten Anträge gestellt – das hat es seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Die Nachfrage bleibt hoch: Nawrath ist zuversichtlich, für dieses Jahr die Marke von 2 500 Wohnungen zu erreichen.

Wie bereits im Geschäftsbericht des Vorjahres prognostiziert, ist das Betriebsergebnis der L-Bank gesunken: um 55 Prozent auf 153,5 Millionen Euro. „Die Niedrigzinsphase hinterlässt also erwartungsgemäß deutliche Spuren“, nennt der stellvertretende L-Bank-Chef Ulrich Theileis einen Grund. Er sei nun „frohen Mutes, dass wir die Talsohle des Zinsniveaus erreicht haben“.

Laut Geschäftsbericht werden keine wesentlichen Veränderungen in der Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage erwartet. Der Technologiepark Karlsruhe schrieb als L-Bank-Tochter übrigens 9,2 (zuvor: 2,17) Millionen Euro Gewinn.

Mit der Bilanzsumme von 70,7 (2016: 75,1) Milliarden Euro bewegt sich die L-Bank in ihrem üblichen Korridor und zählt zu den großen deutschen Banken. Zum Vergleich: Die größte Sparkasse im Südwesten – die Sparkasse Pforzheim-Calw – kommt auf 11,3 Milliarden Euro.