Eva Tomasch braucht einen neuen Pass. Der österreichische ist abgelaufen, aber gar nicht so leicht zu erneuern.
Eva Tomasch braucht einen neuen Pass. Der österreichische ist abgelaufen, aber gar nicht so leicht zu erneuern. | Foto: Jörg Donecker

Österreicherin auf Amt-Odyssee

Deutsche werden: „Ein Mordsg’schreibsel“

Die Österreicherin Eva Tomasch lebt seit 51 Jahren in Deutschland. Jetzt ist ihr Pass abgelaufen, zur Verlängerung muss sie nach München reisen. „Dann lass‘ ich mich halt einbürgern“, denkt sie sich und geht in Karlsruhe aufs Bürgeramt. Aber Deutsche zu werden ist gar nicht so einfach.

Ursprünglich stammt Eva Tomasch aus Wien. Die Liebe brachte sie 1967 nach Deutschland, nachdem sie ihren deutschen Mann 1966 in Wien geheiratet hatte. Zuerst wohnten sie in Sinzheim bei Baden-Baden, ein paar Jahre später zog die Familie nach Karlsruhe, wo auch das zweite Kind geboren wurde.

Ihr Ehemann war deutscher Staatsbürger, die Kinder und Enkelkinder haben ebenfalls deutsche Pässe. Dank des Maastricht-Vertrags zur Freizügigkeit in der EU (1992) und seit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 brauchte Tomasch nicht einmal mehr den Ausweis mitzuführen, der ihr das dauerhafte Aufenthaltsrecht in Deutschland bescheinigte – der österreichische Reisepass genügte.

Für die Passverlängerung nach extra München reisen?

Doch auch im Land von Mozart und Sisi haben Ausweisdokumente nur begrenzte Gültigkeit. „Früher ging das anstandslos über München“, erzählt Eva Tomasch. Bisher habe sie den Reisepass zum österreichischen Generalkonsulat in die bayerische Hauptstadt per Post geschickt und das neue Ausweisdokument auf demselben Wege nach Karlsruhe geschickt bekommen.

Allerdings ist diese Möglichkeit mit Einführung des biometrischen Passfotos weggefallen – nun müsste die 71-Jährige persönlich in München vorstellig werden. Doch warum eigentlich dieser Aufwand, wenn sie doch sowieso schon seit Jahrzehnten in Deutschland lebt? „Da hab’ ich gedacht, ich mach’ es mir einfach und lasse mich einbürgern“, sagt sie, und lacht dabei.

Auch Österreicher müssen Einbürgerungstest bestehen

Von ihrem Apartment im Betreuten Wohnen in der Waldstadt nahm sie die S-Bahn zur städtischen Ausländerbehörde im Bürgerbüro West. Dort erfuhr sie, dass sie neben allerlei Urkunden und Dokumenten wie Geburts- und Heiratsurkunde, Aufenthaltsgenehmigung und Rentenbescheid auch eine Erklärung zur Verfassungstreue und gegen jede Form von Extremismus abgeben müsste. „Ein Mordsg’schreibsel“, kommentiert sie in Österreichisch-Deutsch.

Außerdem habe ihr der Herr vom Amt erklärt, dass sie sich zum Einbürgerungs- und Sprachtest anmelden müsse. „Den bestehen Sie spielend“, habe er ihr versichert. Tatsächlich müssen auch EU-Ausländer, die Deutsche werden wollen, diesen Test machen, unabhängig davon, wie lange sie schon in Deutschland leben. Liegt ein in Deutschland erlangter Schul- oder Hochschulabschluss vor, ist der Einbürgerungstest nicht notwendig. „Ich bin aber in Österreich zur Schule gegangen“, sagt Eva Tomasch.

So ein Zettelkram

In der Warteschlange zur Anmeldung fand sie sich zwischen Menschen aus aller Welt wieder – ein afrikanischer Mann fragte sie, warum sie eigentlich zum Test müsse, sie spreche doch so gut Deutsch. „Da hab’ ich gesagt: Ja, das sprech’ ich schon mein Lebtag.“ Französisch und Englisch dagegen habe sie im Lauf ihres Lebens erst lernen müssen, ergänzt sie schmunzelnd.

Auf dem Tisch im Wohnzimmer breitet sie die auszufüllenden Dokumente von der Ausländerbehörde aus. „So ein Theater, so ein Zettelkram, das hätte ich nicht gedacht“, sagt Tomasch. Doch diese Verwaltungshürde war die Rentnerin bereit zu nehmen – allein, es fehlte ein Termin für den Einbürgerungstest. Den bekam sie aufgrund der großen Nachfrage erst für Februar 2019. Doch das ist für sie zu spät, denn der Reisepass aus Österreich ist bereits abgelaufen.

Ein Zugticket nach Stuttgart

Was also tun? An diesem Punkt endet für Eva Tomasch der Weg in die deutsche Staatsbürgerschaft. Stattdessen führt er sie in die Schwaben-Metropole Stuttgart. Dort, im österreichischen Honorarkonsulat, kann sie ihren alten Reisepass verlängern lassen. Zwar muss sie persönlich vorbeikommen, doch immerhin ist der Weg kürzer als nach München.

„Ich habe mir schon ein Zugticket gekauft, am 11. Juli habe ich den Termin“, sagt sie, amüsiert, aber letztlich doch zufrieden. Den Weg vom Stuttgarter Bahnhof zum Konsulat habe sie sich auch schon erklären lassen. „Aber ich rufe die Dame vom Amt sicherheitshalber noch einmal an“, sagt Tomasch. „Nicht, dass ich mich verspäte und dann niemand mehr da ist. Dann müsste ich den ganzen Weg noch einmal fahren.“ Da wüchse der Zettelkram noch um ein weiteres Zugticket.