04.08.2019, Berlin: Bogenschießen: Deutsche Meisterschaft, Olympischer Platz. Marcus Laube schießt im Wettbewerb um den 1. Platz mit einem Compound-Bogen. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Marcus Laube bei den "Finals" in Berlin | Foto: dpa

Marcus Laube lebt in Karlsruhe

Deutscher Meister im Bogenschießen: Titel fast ohne Training

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Drei – bis viermal die Woche trainieren, so oft müsste es schon sein. Marcus Laube muss lachen, als er überlegt, wie hoch das Pensum für eine Meisterschaft sein sollte. „Ich war schlecht vorbereitet“, gibt der neue deutsche Champion im Schießen mit dem Compound-Bogen zu.

Gerechnet habe er mit dem Titel bei den „Finals“ in Berlin nicht. Nur ein Mal konnte der 37-Jährige, der beim 1. BSC Karlsruhe trainiert, in der Vorwoche üben. Am Sonntag besiegte er dennoch seinen Gegner Florian Stadler mit 145:144.

Dass Laube, der bei der DM den Titel für seinen Heimatverein BSC Garbsen aus der Nähe von Hannover holte, so wenig Zeit für seinen Sport findet, ist eher selten. Im Normalfall legt der Niedersachse im Jahr tausende Kilometer für das Pfeil-und-Bogen-Spiel zurück, das er als „Abschalten vom Alltag“ beschreibt.

Sechs bis sieben Wochen ist er bei weltweiten Wettkämpfen am Start, an 25 Wochenenden pro Jahr insgesamt. „Mein Urlaub ist weg“, rechnet Laube durch.

Praktisch, dass seine Freundin Velia Schall die Leidenschaft fürs Bogenschießen mit ihm teilt. Die 30-Jährige und ihr Partner sind beide im Nationalkader des Deutschen Schützenbundes.

Laube trifft im finalen Durchgang drei Mal auf die „Zehn“

2014 zog der Automobilkaufmann der Biologin wegen nach Stutensee-Spöck. Schall konnte wegen Rückenproblemen nicht nach Berlin reisen und den Wettkampf vor Ort verfolgen. Einen Wettkampf, bei dem Laube vor dem letzten Durchgang wegen eines verschossenen Pfeils und einem Zähler Rückstand unter Druck stand

„Die ,Acht‘ war nicht notwendig“, erinnert er sich an den Schuss in den roten Bereich auf der Zielscheibe. „Schießt du ins Rote, kannst du davon ausgehen zu verlieren“, sagt Laube. Im finalen Durchgang platzierte er dann seine Pfeile alle zentral ins Gelbe – dreimal auf die „Zehn“. Stadler patzte. Laube riss die Arme in den Berliner Himmel und ließ sich von den 2 500 Zuschauern feiern.

Olympia-Schützen mit besseren Chancen

„So viele haben wir nicht beim WM-Finale“, sagt Laube, der sich allgemein über mehr mediale Aufmerksamkeit freuen würde. „Dann wäre mehr Geld für den Nachwuchs da und die Chancen größer, den Sport professionell auszuüben“, meint er. Compound-Schützen sind Amateure. Bei der olympischen Variante mit dem Recurve-Bogen sind die Chancen auf ein Profi-Dasein größer – viele Sportler sind in Fördergruppen der Bundeswehr.

Noch drei bis vier Jahre will Laube auf diesem Niveau weiter schießen. Ganz aufhören werde er nie, sagt er und schließt lachend ein Karriereende aus: „Wir haben Schützen, die sind über 70.“