Kritik an der Politik übte der Wirtschaftsweise Lars P. Feld bei einem Vortrag in Karlsruhe. | Foto: dpa

Wirtschaftsweiser Feld warnt

Deutschland kämpft mit Abschwung

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Wer einen Festredner bucht, hofft im Regelfall nicht darauf, dass dieser mit seinem Vortrag die Stimmung der anwesenden Gäste trübt. Der Wirtschaftsweise Lars P. Feld erstickt diese Hoffnung in Karlsruhe schnell im Keim. „Sie müssen sich die gute Laune woanders herholen als aus der Wirtschaft. Es sieht nicht ganz so gut aus“, macht Feld bei der 50-Jahr-Feier des Büroausstatters Hief + Heinzmann deutlich. Die Gründe für seinen Pessimismus: der Handelskonflikt der USA mit China, eine sich abzeichnende Schuldenkrise in Italien, der Brexit oder die immer noch schwelende Diskussion rund um den Euro.

Abschwung in Deutschland

„Wir befinden uns im Abschwung“, sagt Feld, der zu den bedeutendsten Wirtschaftswissenschaftlern in Deutschland zählt und zudem Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Der Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Freiburg zählt somit zum Kreis der Wirtschaftsweisen und dadurch indirekt zu den Beratern der Politik. Und ausgerechnet mit der geht der 52-Jährige derzeit hart ins Gericht.

„Ich bin zurzeit sehr unzufrieden“, sagt Feld. Es gelinge innenpolitisch nicht, sich auf die Krisenherde in der Welt einzustellen. Vom Mangel an Flexibilisierung auf dem Arbeitsmarkt über den „falschen Weg bei der Rente“ bis zu fehlenden Reformen auf dem Gesundheitsmarkt seien viele Probleme hausgemacht. „Die Bundesregierung verhält sich so, als gebe es kein morgen. Sie dreht sich eigentlich nur um sich selbst“, betont Feld.

Arbeitsmarkt sorgt für positive Stimmung

Dabei bestehe genug Anlass zur Sorge. Als Beispiel führt der Gastredner die jüngste Prognose für das Wirtschaftswachstum an. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 0,8 Prozent steigen. Und hier sei der Sachverständigenrat bereits zurückgerudert und müsse womöglich erneut nach unten nachjustieren. „Die neueste Tendenz geht eher von 0,5 Prozent aus.“ Die positive Stimmung werde in erster Linie vom Arbeitsmarkt getragen – mit hoher Beschäftigung und steigenden Löhnen. „Deshalb ist der private Konsum auch gut“, sagt Feld.

Davon profitieren die Unternehmen. Sie spüren zugleich aber die sinkende Nachfrage aus dem Ausland. Besonders der Autoindustrie macht das zu schaffen. Dass in China nicht mehr so viele Fahrzeuge deutscher Hersteller gekauft werden, liegt laut Feld jedoch nicht nur am Handelskonflikt der Asiaten mit den USA. Vielmehr sei die private Verschuldung vergleichsweise hoch. Dies habe dazu geführt, dass „Banken nicht mehr so viele Konsumentenkredite vergeben.“ Langlebige Konsumgüter wie Autos würden dann eben nicht mehr gekauft.

Italien kämpft mit Schulden

Generell hält Feld nicht viel davon, in erster Linie US-Präsident Donald Trump den Schwarzen Peter für die weltweite wirtschaftliche Entwicklung zuzuschieben. „Der Handelskonflikt mit China ist ja nur die Spitze des Eisbergs der Rivalität zwischen den beiden Ländern.“ China sei schließlich auch expansiv tätig. Da könne die USA als demokratischer Rechtsstaat nicht immer still halten. „Allerdings ist Trumps Verhandlungsstrategie natürlich sehr risikoreich“, ergänzt Feld. Sie stärke die Position der Hardliner in China.

Größere Sorgen bereitet dem Wirtschaftsweisen aber die Entwicklung in Italien. Das Land habe „große Schwierigkeiten bei der Schuldenquote.“ Die sei inzwischen auf einem Niveau mit Griechenland – in der Zeit, als das Land in die Krise schlitterte. Wenn Italien weiter in Schieflage gerate, „haben wir ein richtiges Problem.“

Brexit ist Würfelspiel

Und der Brexit? „Wenn Sie wissen wollen, was da passiert, dann würfeln Sie“, rät Feld den Zuhörern. Die Chancen, große Gewinne im Casino in Baden-Baden einzufahren, seien höher als die auf eine präzise Brexit-Prognose. Unter all diesen Umständen ist laut Feld die Wahrscheinlichkeit für „eine Rezession auf 20 Prozent“ geklettert. Party-Laune keimt deshalb wohl kaum auf.