MEHR ALS MESSE: Die Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH ist defizitär wegen hoher Mietfixkosten. Sie bietet Messen, Kongresse und Kulturevents. | Foto: KMK

Richtig rentabel sind nur wenige

Die deutschen Messegesellschaften und der Profit

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Seit 2003 gibt es sie vor den Toren der Stadt – die Messe Karlsruhe ist mit ihrer Ausstellungsfläche die Nummer drei im Südwesten und bundesweit auf Platz 15. Die städtische Tochtergesellschaft schreibt seitdem Verluste, auch wenn diese seit den turbulenten Anfangsjahren deutlich reduziert worden sind. Dabei wurde in einem Gutachten – dem die Mehrheit im Karlsruher Gemeinderat vor der Investitionsentscheidung vertraute – schwarze Zahlen nach wenigen Jahren versprochen.
Vermutlich wird die Messe Karlsruhe deshalb immer noch mit Argusaugen betrachtet und auf andere Standorte in Deutschland verwiesen. Die BNN versuchen, was eigentlich unmöglich ist: einen Vergleich. Schwierig ist er aus verschiedenen Gründen: Es gibt Messegesellschaften wie die in Karlsruhe, die die Kosten für die Hallen als fixen Bestandteil selbst tragen müssen. Andere zahlen eine Miete, die abhängig von ihrem Ertrag ist und haben es da einfacher.
Große Gesellschaften agieren zudem als Gastveranstalter im Ausland. Dort bezahlen sie das Areal nur für die Zeit, in der sie es brauchen – und haben so eine probate Kalkulationsgrundlage. Auch gibt es Messegesellschaften mit zusätzlichen Standorten für Kongresse und Kultur – beides wird in der Fachwelt als unwirtschaftlich betrachtet, dient einem Messestandort aber unter regionalwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Ein Beispiel sind auch hier die Karlsruher mit ihrem Kongresszentrum in der Innenstadt. Doch nun die Auflistung der größten deutschen und größten baden-württembergischen Messen mit Anhaltspunten für eine individuelle Interpretation. Die Angaben kommen von den Messegesellschaften, dem Fachverband Auma beziehungsweise sind dem Bundesanzeiger entnommen:

DER BRANCHENPRIMUS: Mit einer Ausstellungsfläche von 463 000 Quadratmetern ist die Deutsche Messe AG in Hannover unangefochten die Nummer eins. Aber auch sie schrieb unter dem Strich einen Verlust von vier Millionen Euro. | Foto: dpa

Deutsche Messe AG

Die Hannoveraner sind mit 463 200 Quadratmetern Hallenfläche bundesweit die Nummer eins. Der Umsatz in den Hallen, in denen unter anderem die Hannover Messe und die CeBIT stattfinden, lag 2016 bei 302 Millionen Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kam der Branchenprimus auf magere 21 Millionen Euro. Unter dem Strich schrieb er vier Millionen Euro Verlust. „Das Jahr 2018 wird voraussichtlich das erste gerade Jahr seit der Expo 2000, in dem das Unternehmen einen Gewinn verzeichnen wird“, so eine Unternehmenssprecherin. Die Hallen gehören alle der Deutsche Messe AG selbst. Haupteigner sind das Land Niedersachsen (50 Prozent) und die Landeshauptstadt Hannover (49,871 Prozent). Es gibt ein Strategiepapier, mit dem die Deutsche Messe dauerhaft in der Gewinnzone bleiben soll.

ERFOLGREICH AUCH IM AUSLAND: Die Nummer zwei, Frankfurt, hat zuletzt 84 Veranstaltungen im Ausland durchgezogen. Auch dies trug zu einem satten Gewinn bei. | Foto: dpa

Messe Frankfurt GmbH

Bei der Nummer zwei (Ausstellungsfläche 366 600 Quadratmeter) läuft es richtig rund. Die Unternehmensgruppe erlöste 646,7 Millionen Euro, hat ein Ebit von 72,7 Millionen Euro – und unter dem Strich 49,8 Millionen Euro. Das Messegelände gehört dem Konzern. Es betreibt darüber hinaus auch zwei Kongresszentren. Eigentümer der Holding sind die Stadt Frankfurt (60 Prozent) und das Land Hessen (40 Prozent). Ein Pfund ist das Auslandsgeschäft: Es trug laut Geschäftsbericht „einen wesentlichen Anteil“ zum Erfolg bei. Die Frankfurter haben 2016 im Ausland 84 Veranstaltungen durchgezogen – mit 48 200 Ausstellern und zwei Millionen Besuchern. Allein in China waren es 26 Messen.
Die Messe Frankfurt hat eine langeTradition und immer wieder in ihre Hallen investiert – die Gesellschafter sind nicht auf Ausschüttungen aus, sondern sehen die Umwegrendite. Sprich: Von der Messe profitieren indirekt enorm Hotellerie, Gastgewerbe, Dienstleister. Vom Umsatz betrachtet sind die Frankfurter übrigens weltweit hinter dem britischen privaten Messekonzern Reed Exhibitions und UBM plc (ebenfalls Großbritannien) die Nummer drei.

Koelnmesse GmbH

Deutschlands drittgrößter Messestandort (284 000 Quadratmeter) hat 274 Millionen erlöst. Ein Ebit kommuniziert das Unternehmen, das unter dem Strich 0,9 Millionen Euro Verlust schrieb, nicht. „Ab 2017 plant die Koelnmesse nachhaltig Gewinne“, so eine Sprecherin. Die sollen komplett in ein Investitionsprogramm 3.0 fließen.
Die Koelnmesse zahlt 23 Millionen Euro an Hallenkosten, ohne Nebenkosten. Ihr gehören nur die Südhallen; die Nordhallen einem Fonds. Mit diesem Konstrukt ist man im Nachhinein unglücklich, auch gibt es Gerichtsverfahren.
Hinter der Messegesellschaft stehen die Stadt Köln (79 Prozent) und das Land NRW (20 Prozent) als Hauptgesellschafter. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker sieht sie vor allem als Wirtschaftsförderungsinstrument. Messe-Chef Gerald Böse – er hatte vor Jahren auch ein Gastspiel als Chef der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH – hat zuletzt betont, dass die Koelnmesse keine städtischen Zuschüsse für den Ausbau bekomme. Böse: „Das ist aus meiner Sicht ein starkes Signal an unsere Wettbewerber und Gesellschafter in den Kommunen und Ländern, wo – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in der Vergangenheit und bis heute teilweise erhebliche Subventionen fließen.“

Messe Düsseldorf-Gruppe

Vom wirtschaftlichen Erfolg verwöhnt ist die Messe der Nachbarstadt Düsseldorf. Die Unternehmensgruppe erlöste 442,8 Millionen Euro. Zum Ebit macht sie keine Angaben, ist aber stolz auf einen Jahresüberschuss von 58,8 Millionen Euro. „Damit ist die Messe Düsseldorf die profitabelste Messegesellschaft mit eigenem Gelände in Europa“, so deren Chef Werner M. Dornscheidt gegenüber den BNN. Im Zuge des Masterplans Messe Düsseldorf 2030 mit einem Investitionsvolumen von 636 Millionen Euro werde das Areal modernisiert und ausgebaut. Bislang bietet die Messe brutto 261 800 Quadratmeter Hallenfläche. Hauptgesellschafter sind die Stadt Düsseldorf (56,5 Prozent), das Land NRW (20 Prozent) und die Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz AG (20 Prozent).
Auch im Fall Düsseldorf sieht die Politik die Umwegrentabilität – Gewinne kann die Messegesellschaft also investieren. Hinzu kommt ein profitables Auslandsgeschäft: Traditionell haben die Düsseldorfer mehr Veranstaltungen im Ausland als im Inland.

 

Landesmesse Stuttgart GmbH

Die Messegesellschaft (Landesmesse Stuttgart GmbH), die das Tagesgeschäft bestreitet, hat bislang keine eigenen Messehallen. Die 105 200 Quadratmeter stellt ihr die Projektgesellschaft Neue Messe GmbH & Co KG. mit den Hauptgesellschaftern Land (45 Prozent) und Stadt Stuttgart (45 Prozent) zur Verfügung. „Die Landesmesse Stuttgart GmbH zahlt eine variable Pacht an die Besitzgesellschaft, die sich nach der Ertragslage richtet“, so ein Unternehmenssprecher. Das ist naturgemäß ein unschätzbarer Vorteil.
Die Messe-GmbH kam 2016 auf ein Ebit von 1,37 Millionen Euro und gibt den Jahresüberschuss nur vor (!) Pacht und Steuern an. Dieser lag bei 27,89 Millionen Euro. Im Gegenzug wurden an variabler Pacht 24,92 Millionen Euro bezahlt.
Interessant ist ein Blick in den Bundesanzeiger. Die von der öffentlichen Hand getragene Projektgesellschaft – ihr gehören wie erwähnt die Hallen – kam 2015 auf einen Jahresfehlbetrag von 25,5 Millionen Euro. 2014 waren es 10,8 Millionen Euro Verlust.
Nochmals zur GmbH, die operativ die Messe betreibt. Sie erlöste 2016 insgesamt 146,5 Millionen Euro. Ziel für 2018 seien 170 Millionen Euro, wenn auch eine weitere Messehalle in Betrieb gegangen ist. Ein Vorteil der Stuttgarter ist auch, dass sie sich erfolgreich im Ausland als Messeveranstalter tummeln. Die Landesmesse steht bundesweit von der Fläche auf Rang zehn und ist im Südwesten die Nummer eins.

Messe Friedrichshafen GmbH

Die Friedrichshafener mit ihrer zweitgrößten Messe (86 200 Quadratmeter) in Baden-Württemberg, machen es richtig gut – sie haben einen Schwerpunkt auf hochrentable Freizeitmessen gelegt, wie der Outdoor und der Eurobike und sind für dieses scharfe Portfolio auch bekannt. Naturgemäß wäre es aber wirtschaftlich fatal, wenn eine solche Veranstaltung wegfiele.
Die Betriebsgesellschaft Messe Friedrichshafen GmbH kam 2016 auf einen Umsatz von 34,2 Millionen Euro. Die Grundmiete an die Besitzgesellschaft (Internationale Bodenseemesse GmbH) liegt bei 4,1 Millionen Euro. Tatsächlich wurden 8,6 Millionen Euro an die Gesellschaft überwiesen, die Eigentümerin der Hallen ist. In den vergangenen Jahren seien immer hohe Mietzahlungen vereinbart worden, um die Entschuldung stark voranzutreiben und die Zinsbelastung zu senken, so Friedrichshafens OB Andreas Brand, der auch Aufsichtsratsvorsitzender ist. Zum Ebit macht das Unternehmen keine Angaben.Das Ergebnis unter dem Strich: 381 000 Euro.
Die Besitzgesellschaft gehört zu 93,3 Prozent der Stadt Friedrichshafen. An der Betriebsgesellschaft hält diese 50 Prozent. Interessant ist, dass zehn Privatpersonen mit jeweils 4,4 Prozent Minderheitengesellschafter sind, darunter auch die Geschäftsführerin der privaten Messegesellschaft Schall.

KMK in Karlsruhe

Die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH (KMK) als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Karlsruhe betreibt die Messe in Rheinstetten und das Kongresszentrum in der Innenstadt – und bietet somit Messen, Kongresse, Tagungen sowie Kulturveranstaltungen. Die Hallen am Festplatz gehören der Stadt. Die 52 000 Quadratmeter großen Messehallen befinden sich im Eigentum der Neue Messe Karlsruhe GmbH & Co. KG (NMK), hinter der wiederum die öffentliche Hand steht. Mit der Messe ist die KMK auf Rang 15 bundesweit und auf Platz drei im Südwesten.
Die KMK erlöste 2016 insgesamt 30,6 Millionen Euro. Das Ebit lag bei minus 10,232 Millionen Euro, der Jahresfehlbetrag bei 10,239 Millionen Euro. Der Wirtschaftsplan hatte ein um 2,0 Millionen Euro schlechteres Ergebnis vorgesehen. Vom Verlust entfallen neun Millionen Euro auf die Messe und 1,2 Millionen Euro auf das Kongresszentrum.
Im Beteiligungsbericht der Stadt heißt es: „Für die beiden Geschäftsbereiche ,Messe’ und ,Kongress und Kultur’ wurden im Jahr 2016 der höchste Deckungsbeitrag seit Bestehen der Gesellschaft erreicht.“ Hohe Fixkosten wie die Mietzahlung an die Besitzgesellschaft und die Kontrakting-Vereinbarung mit den Stadtwerken belasteten weiterhin das Ergebnis.
Geschäftsführerin Britta Wirtz hat in den vergangenen Jahren zahlreiche erfolgreiche einstige Gastveranstaltungen aufgekauft, so dass diese nicht abwandern können und kein Klumpenrisiko entsteht. Dazu zählen etwa die offerta, die inventa und die Rehab.
Bei der KMK schlagen die Hallenkosten (Miete, Wartung, Instandhaltung, Nebenkosten) mit 9,06 Millionen Euro durch. Allein an reiner Miete nur für die Messe überwies sie 4,2 Millionen Euro an die NMK. Zu reduzierten Einnahmen führt die Sanierung der Stadthalle. „Mit Wiedereröffnung der Stadthalle in 2020 werden im Kongressbereich die Entwicklungsmöglichkeiten deutlich verbessert“, so eine Sprecherin.
Zur Besitzgesellschaft NMK, hinter der als Mehrheitsgesellschafter die Stadt Karlsruhe (69,9 Prozent) und der Landkreis Karlsruhe (28,51 Prozent) stehen: Sie kam auf einen Fehlbetrag von 1,18 Millionen Euro. Auch in den nächsten Jahren erwartet sie laut Beteiligungsbericht Verluste, „da die Mietstufe 3 der von der Betriebsgesellschaft zu zahlenden Miete aufgrund der dort zu erwartenden Jahresfehlbeträge ausbleiben wird und damit die Abschreibungen nicht in voller Höhe gedeckt werden können“.