Die Hanfstraße in Daxlanden hing früher in so manchem Karlsruher Jugendzimmer.
Die Hanfstraße in Daxlanden hing früher in so manchem Karlsruher Jugendzimmer. | Foto: jodo

Flohmarkt als Alternative

Die Jagd auf Straßen­schilder in Karlsruhe

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Hand aufs Herz: Haben Sie ein Straßenschild Zuhause? Vielleicht in der Garage, im Schrebergarten oder im Partykeller? Oder kennen Sie jemanden, der eins hat? Eine kleine, nicht-repräsentative Umfrage ergibt: Jeder hat zumindest irgendwie einmal in seinem Umfeld vom Schilderklau gehört. Oder kennt jemanden, der jemanden kennt…

„Beliebt waren früher Stoppschilder“, erinnert sich etwa eine Karlsruherin. „Wegen der Form konnte man sich da prima ein Tischchen daraus bauen.“ Ein anderer Befragter räumt ein, dass ein „Fahrräder bitte hier abstellen“-Schild seine Garagenwand ziert. „Das habe ich natürlich geschenkt bekommen!“ Und wieder eine andere erinnert sich an Jugendfreunde, die früher regelrecht Jagd auf die Schilder der Daxlander Hanfstraße machten.

Auch heute noch werden immer mal wieder Straßenschilder geklaut

Alles Vergangenheit? Nicht ganz. „Auch heute noch werden immer mal wieder Straßenschilder geklaut“, erklärt Gunther Lott, Betriebsleiter Verkehrslenkung beim Tiefbauamt. Seitdem die Stadt im Jahr 1999 den Schilderflohmarkt eingeführt hat, sei das aber deutlich weniger geworden. „Waren es davor bis zu 200 Schilder im Jahr, sind es mittlerweile noch 20 bis 30“, sagt Lott.

Gelbe Stadtteilschilder sind besonders beliebt

Besonders beliebt seien die gelben Stadtteilschilder. Warum, ist Lott ein Rätsel. Denn gerade diese Exemplare sind mit Spezialhalterungen befestigt und müssen regelrecht „weggebohrt“ werden. Zudem stehen sie häufig an belebten Straßen – was ein unauffälliges Entfernen schwierig macht. Zu finden sind die gelben Ortstafeln an insgesamt 140 Standorten in der Fächerstadt.

Im vergangenen Jahr sind vier von ihnen verschwunden, in der Waldstadt, außerdem in Oberreut, Knielingen und in Durlach. Den Rückgang beim Schilderklau führt Lott auf den Erfolg des Schilderflohmarkts zurück: „Dort können die Leute die Schilder für ein paar Euro kaufen, warum sollten sie sie dann noch klauen?“ Innerhalb von vier Stunden seien beim letzten Flohmarkt im Juli 1.600 Exemplare verkauft worden. Der Bauingenieur ist froh, dass die alten Schilder nun nicht mehr einfach verschrottet werden, sondern begeisterte Abnehmer finden. Beliebt seien solche mit Straßennamen oder ältere Emaille-Tafeln.

Andere Städte holen sich Rat beim Tiefbauamt

Häufig kommen auch Hobby-Eisenbahner auf der Suche nach alten Eisenbahn-Schildern. „Auch Andreaskreuze sind begehrt“, hat Lott beobachtet. Jährlich werden im Stadtgebiet rund 2.000 altersschwache Schilder ausgetauscht. Mittlerweile holen sich auch andere Städte Rat beim Karlsruher Tiefbauamt. „Die haben größere Probleme mit dem Schilderklau als wir“, sagt Lott. So plane beispielsweise München jetzt ebenfalls einen solchen Flohmarkt, freut sich der Bauingenieur. In Karlsruhe wird der Erlös übrigens den Kindergärten der Stadt gespendet. Der nächste Flohmarkt findet wieder 2020 statt.

Nach Lotts Meinung haben früher oft Studenten Schilder geklaut, wenn sie Karlsruhe am Ende ihrer Studienzeit den Rücken kehrten. Als Souvenir hätten sie ein Schild ihrer Straße mitgenommen. „Es war auffällig, dass die Schilder häufig in Studentenvierteln fehlten“, so Lott. Gleichzeitig macht er deutlich: „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.“