Kirchenmusikdirektorin Dorothea Lehmann-Horsch leitet seit über 25 Jahren die Kantorei an der Lutherkirche in Karlsruhes Oststadt. Derzeit ist das imposante evangelische Gotteshaus von 1907 wegen Renovierungen geschlossen. Damit führt Lehmann-Horsch in diesen Osterfeiertagen erstmals einen kleinen "Wanderzirkus" mit Ihren vielen Ensembles. Denn alle Gottesdienste finden in benachbarten Kirchen oder Räumen statt. | Foto: Ralf Rosema

Die Kirchenmusikdirektorin

Mit freundlicher Präzision

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Erst die dienstliche dann eine private Ostereiersuche steht bei Dorothea Lehmann-Horsch  am Ostersonntag auf dem Programm. Wenn die evangelische Kantorin Kinderchor sowie Posaunenchor im Gottesdienst geführt und begleitet hat, schaut sie den suchenden Kindern an Karlsruhes Lutherkirche zu. Am Nachmittag wird der Brauch zu Hause in der Familie gepflegt: „Auch wenn die Söhne inzwischen erwachsen sind. Am Ostermorgen kann ich Ihnen das ja nicht zumuten, bevor ich um halb Acht schon aufbreche“, meint die Kirchenmusikerin.

Ostern 2018 ist alles etwas anders

Nur weniges ist für sie wie immer an Ostern 2018. Dorothea Lehman-Horsch leitet seit Gründonnerstag einen kleinen Wanderzirkus. Weil sie und ihre Ensembles, ebenso wie Pfarrerin Ulrike Krumm und die Gottesdienstbesucher auf den vertrauten Kirchenraum verzichten müssen. Die 1907 erbaute Lutherkirche mit rauer Fassade und faszinierendem Innerem wird seit einem Jahr saniert. Also ging es am Karfreitag zuerst in die katholische St. Bernhard-Kirche, später in den Luthersaal, am Samstag wieder in die Nachbarkirche und am Sonntag in das Gemeindezentrum der ökumenefreundlichen Seelsorgeeinheit.

„Ihre“ Lutherkirche ist gerade geschlossen

„Wie schon an Weihnachten ist das eine logistische Herausforderung, ich darf nichts vergessen, alles Nötige ist nun woanders gelagert, aber die Herausforderung schweißt alle zusammen. Auch wenn ich leider auf meine Mönch-Orgel verzichten muss zum Fest.“ Man kann sich gut vorstellen, dass Lehmann-Horsch selten ihre freundliche Präzision verliert.

Karlsruhes Lutherkirche in der Oststadt. Foto: lie

Große Anziehungskraft der Lutherana

Auch ohne Feiertagsauftritte hat sie enorm zu koordinieren, auszubilden und dirigieren: 100 Kinder- und Jugendliche in einer von drei evangelischen Singschulen Karlsruhes, die Kantorei mit 60 Erwachsenen, die Capella und die weiteren Instrumentalensembles. Aus ganz Karlsruhe und vielen Landkreisgemeinden finden Menschen zur Musik der Lutherana. Die Zuhörer sind oft überrascht von der hohen Qualität der Projekte. Auf einer halben Stelle begann die einzige Kirchenmusikdirektorin Karlsruhes vor 25 Jahren mit einer erstaunliche Aufbauarbeit.

Kirchenmusik geht in die Seele

Besonders das „Säen“ lag Lehmann-Horsch am Herzen: Also dass die Kinder- und Jugendkantorei erlebt und weitergibt, wie Kirchenmusik „in die Seele“ geht oder „Wege in den Himmel“ öffnet. Die Pfarrerstochter hatte anstatt Musik noch Architektur als Studienfach im Blick: „Ich spaziere lieber neugierig durch Neubaugebiete als im Wald“. Dennoch schätzt sie auch Ausflüge in die Pfalz. Eindrücke von Fernreisen saugt sie ebenfalls gern auf und schwärmt etwa von Kapstadt. Doch weggehen von der Lutherkirche? „Immer wieder fand ich gute Gründe, gerade jetzt doch zu bleiben.“

 

Seit über 25 Jahren leitet Dorothea Lehmann-Horsch das Kantorat der (evangelischen) Lutherkirche in Karlsruhes Oststadt. Sie baute zahlreiche Ensembles und eine Singschule auf. Sie wurde 1963 geboren und wuchs als Pfarrerstochter in Mittel- und Oberfranken auf. Nach dem Abitur in Coburg studierte sie Musikwissenschaft in Erlangen und Kirchenmusik in Heidelberg. Bei ihrem Amtsantritt 1992 in Karlsruhe war sie erst die dritte Kirchenmusikdirektorin Badens. Mit ihrem Mann, er ist Finanzwirt bei der evangelischen Landeskirche, hat sie zwei Söhne.