Baustelle Marktplatz
IM WANDEL steckt der Marktplatz: Nach rund fünf Jahren Baustellenzeit zwischen Rathaus und Pyramide für den Einbau der U-Strab-Station packen die Bauarbeiter an der Oberfläche zusammen. Vor dem Rathaus ist der Transportschacht verschlossen, bald wird der Bauzaun zurückgenommen. Auch der Kran steht nur noch kurz neben der Pyramide. | Foto: jodo

Gemeinderat debattiert Kosten

„Die Kombi wird noch teurer“

Im Gemeinderat von Karlsruhe besteht Einigkeit bei der Einschätzung über weitere Kostensteigerungen beim Stadtumbau. Mit einer nur teilweise kontroversen Debatte hat der Gemeinderat am Dienstag auf den erneuten Kostensprung beim Stadtumbau reagiert. Dabei heimste die Stadt viel Lob für ihren recht offenen Sachstandsbericht ein.

Einigkeit bestand bei der Diskussion im Rathaus darin, dass die Kosten für die Kombilösung weiter steigen werden und dass ihre Fertigstellung, also das Ende des Schienenverkehrs in der Kaiserstraße, Ende 2021 unsicher ist.

Die alten Kombi-Befürworter – vor allem CDU, SPD und FDP – stuften die Risiken für eine weitere Verteuerung und Verzögerung beim Kombi-Bauen als vertretbar ein.

Dagegen hielten die alten Kombi-Gegner: Die Grünen prangerten grundsätzlich die Unkalkulierbarkeit von Großprojekten und damit deren Negativwirkung auf den städtischen Haushalt an. Die Linke geißelte die ganze Kombi-Planung als Lügenpaket.

Nach der neuesten Prognose des Bauherrn Kasig, einer Tochter-Gesellschaft der Stadt, verteuert sich die Kombilösung um 100 Millionen Euro auf mittlerweile 1,2 Milliarden Euro (die BNN berichteten). Diese Kalkulation bezieht sich auf die Gesamtherstellungskosten. Sie umfasst also nicht nur die reinen Baukosten, die vor dem Baubeginn für die U-Strab im Jahr 2010 nur auf rund 500 Millionen Euro geschätzt wurden.
Das Stadtparlament setzte sich neben dieser mehr als Verdoppelung der stark von Bund und Land bezuschussten Kombi aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße auch kritisch mit der Verlängerung der Bauzeit auseinander.

Ursprünglich sollten die U-Strab 2016 und der Autotunnel 2019 fertig werden. Inzwischen visiert die Kasig dafür offiziell längst Ende 2020 beziehungsweise Ende 2021 an.

Allerdings kann der Zeitplan auch wegen der akuten Vergabeprobleme für den Innenausbau des Bahntunnels angesichts des Baubooms erneut ins Rutschen kommen. Experten halten deshalb heute auch eine Inbetriebnahme der kompletten Kombi erst Ende 2022 für gut möglich.

Bislang sind 72 Ausschreibungen für U-Strab-Gewerke vorgesehen, davon sind 29 entschieden und die Firmen beauftragt. Zur Verteuerung führt auch der Streit zwischen der Kasig und den Firmen der Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel um die Abrechnung zusätzlicher Bauleistungen vor allem für den Tunnel unter der Karl-Friedrich-Straße .

Zu den Kosten der Ausbaugewerke „fällt eine seriöse Abschätzung schwer“, erklärt die Kasig. Die Stadtverwaltung kommt zu dem Fazit: „Die prognostizierten Baukosten sind noch mit weiteren nicht bezifferbaren Risiken verbunden, die eine weitere Erhöhung nicht ausschließen lassen.“

Tilman Pfannkuch (CDU) betonte das finanzielle Risiko besonders wegen „immenser Nachforderungen“ durch die Tunnelbaufirmen. Die Stadt solle es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen, meinte er. „Der CDU ist klar, dass die Kosten steigen werden“, sagte Pfannkuch.

Michael Zeh (SPD) freute sich über den Baufortschritt nach gravierenden Problemen am Anfang.

Erik Wohlfeil (Kult) drückte seine „Sorge über die Kostenentwicklung“ aus. Generell sah er „Licht und Schatten“ im Baujahrzehnt.

Tom Høyem (FDP) erklärte: Die Kombilösung sei eben eine Tatsache, deshalb müsse man nur nach vorne schauen. „Mehrkosten sind klar“, fügte er hinzu und sprach von „einem ehrlichen und mutigen“ Bericht. Überhaupt wurden der OB und die Kasig für die Transparenz gepriesen.

Johannes Honné (Grüne) schimpfte über die Verteuerung von zehn Prozent binnen einen Jahres – „und das ist noch nicht das Ende dern Fahnenstange“. Dieses Großprojekt sei von Anfang an ein Fehler gewesen. Nun dürfe man beim Stadionbau nicht erneut in die Falle tappen.

Niko Fostiropoulos (Linke) zürnte mit den Befürwortern: „Nicht ein Satz der Selbstkritik.“ Die Kombi schaffe einen Schuldenberg, der die Stadtkasse belaste. Dies sei eben die Folge falscher Großprojekte, meinte der Linke. Auch bringe die Kombi „mit so viel Geld für die U-Bahn“ eine „verkehrspolitische Katastrophe“.