GROSSE ANZIEHUNGSKRAFT besitzt der Schlossgartensee im Frühling: Wer kein Frosch ist, setzt sich auch bei noch mäßiger Wärme auf die Sonnenbank mit Blick aufs Wasser. Wer aber eine Kröte ist, der macht in den nächsten Tagen nicht am Ufer halt, sondern stürzt sich paarweise in den See.
GROSSE ANZIEHUNGSKRAFT besitzt der Schlossgartensee im Frühling: Wer kein Frosch ist, setzt sich auch bei noch mäßiger Wärme auf die Sonnenbank mit Blick aufs Wasser. Wer aber eine Kröte ist, der macht in den nächsten Tagen nicht am Ufer halt, sondern stürzt sich paarweise in den See. | Foto: Sandbiller

Amphibienschutz läuft an

Die Kröten kommen nach Karlsruhe

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Die Kröten machen sich auf den Weg. Kaum regt sich der Frühling, setzt ihre Wanderung ein. Zumindest auf den Warnschildern der Stadt sind die Amphibien schon unterwegs. Sicher ist: Gehen die Temperaturen nicht mehr in den Frost-Keller, dann kriechen die Kröten in den nächsten Märztagen – besonders wenn der Regen fällt – aus dem Wald ins Laichgewässer. So wie es ihnen seit Generationen im wechselwarmen Blut liegt.

Noch ist es ein wenig kalt

„Noch ist es ein wenig kalt. Aber sobald es wärmer wird, sind die Amphibien sofort in Bewegung“, bestätigt Norbert Hacker, Chef des städtischen Umweltamts.

Kröten im Huckepack
DAS ZIEL DER KRÖTENTRÄUME ist der Schlossgartensee. Der eigentlich unspektakuläre Teich ist für die Amphibien aus dem Hardtwald der Nabel der Welt. | Foto: Archiv jodo

Noch hat sich keine Kröte auf dem Ahaweg an der Schlossgartenmauer gezeigt. Doch die Radler müssen ab sofort aufpassen, dass sie kein Krötenpaar plattfahren.

Nadelöhr Schlossgartentor

Besonders das Schlossgartentor zum Hardtwald und zum Wildpark ist bei voll einsetzender Krötenwanderung zum Schlossgartensee ein Nadelöhr. Wer bei dieser Massenbewegung kein Tier verletzen oder gar töten will, der sollte absteigen und schieben beziehungsweise für die Kröten in den nächsten Tagen einen Umweg einschlagen.

Diese Tiere krabbeln und hüpfen Haut an Haut zum Ort ihrer Paarung – im Huckepack-Verfahren. Das größere Weibchen trägt das sich auf seinem Rücken festklammernde Männchen zum See.

Kroetenwanderung
AHA-EFFEKT: Hinter dem Schlosspark wird schon vor den Kröten gewarnt. | Foto: Sandbiller

Gleiche Vorsicht ist auch besonders an folgenden Wanderstrecken für Autofahrer geboten, wenn sie das Überlebensrecht der warzigen Kreaturen achten: in Grötzingen an der B 3 zwischen Bergwald und Baggersee, an der B 3 in Durlach zwischen Bergwald und dem Regenrückhaltebecken Aue, in der Jean-Ritzert-Straße am Durlacher Turmberg sowie in Neureut beim Rosenhofweg und in Hohenwettersbachs Dürrenwettersbacher Straße.

Fangzäune an der Autopiste

An einigen dieser Stellen bauen die Helfer Fangzäune auf, um die Tiere von der Straße fernzuhalten. Zum Schutz der Kröten wird westlich von Weiherfeld die Straße durch den Weiherwald bei akuter Krötenbewegung gesperrt.

Bürgerengagement für die Kröten

Am Turmberg wird die Straße seltener gesperrt, weil dort engagierte Naturschützer besonders anpacken. Sie klauben die Kröten von den Straßen oder finden sie vor Schutzzäunen am Fahrbahnrand und tragen sie ans sichere Ziel ihrer Frühlingsgefühle.

„Die Autofahrer sollen am Turmberg jetzt besonders langsam fahren“ – nicht nur wegen der Kröten, sondern auch wegen der Krötensammler, meint Hacker. Jüngst suchte das Amt Krötenretter per Aufruf. „Wir haben 30 Rückläufe bekommen, jetzt haben wir genügend Helfer“, sagt Hacker.