Wird in Karlsruhe zu sehen sein: Hans Baldung Grien: Der Tod und die Frau, um 1520/25 (Ausschnitt)
Hans Baldung Grien: Der Tod und die Frau, um 1520/25 (Ausschnitt), Kunstmuseum Basel | Foto: Bilddaten gemeinfrei - Kunstmuseum Basel

In Karlsruhe ab 30. November

heilig | unheilig: Die Kunsthalle will Hans Baldung Grien neu entdecken

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Irgendwie steht er immer etwas im Schatten seines Lehrers Albrecht Dürer. Und von Lucas Cranach. Noch. Aber das könnte sich ändern. Denn die Kunsthalle Karlsruhe will den Künstler Hans Baldung Grien neu entdecken. Sie bereitet eine Große Landesausstellung vor, die den Exzentriker der „deutschen Renaissance“ in seiner ganzen Vielfalt präsentieren soll. „Er zählt zu den Großen seiner Zeit“, sagt Holger Jacob-Friesen, der Leiter der Abteilung Sammlung und Wissenschaft, über den Künstler, der in Straßburg das Bürgerrecht besaß.

Hans Baldung Grien. heilig | unheilig

Unter dem Titel „Hans Baldung Grien. heilig | unheilig“ wird ab 30. November in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Erhebendes und Erschreckendes zu sehen sein. Da gibt Maria dem Kind die Brust, während ein Papagei an ihrem Hals knabbert. Dort greift von hinten der Tod nach einer bis zur Scham entblößten Frau und beißt sie ins schreckverzerrte Gesicht. Reformation, Bildersturm und Bauernkrieg – Hans Baldung Grien (1484/85–1545) lebte in einem Zeitalter der Umwälzungen.

Sakrale Motive und sinnliche Akte

„Zwei Pole bestimmten sein Schaffen“, erläutert Jacob-Friesen. Da sei das Religiöse, das in imposanten Altarwerken, leuchtenden Glasgemälden und intimen Andachtsbildern seinen Ausdruck fand.

Daneben stand das Weltliche. Geschichten aus der Antike und aus Baldungs Gegenwart, die der Künstler eigenwillig interpretierte. Er malte charaktervolle Porträts, verrätselte Denkbilder und sinnliche Akte. Zu letzteren zählen Sündenfalldarstellungen und drastische Hexenszenen.

Christoph I. von Baden und seine Familie in Anbetung der Heiligen Anna Selbdritt: Die „Markgrafentafel“ von Hans Baldung Grien ist bereits jetzt wieder – frisch restauriert – in der Kunsthalle zu sehen. | Foto: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Werke aus dem eigenen Haus und viele Leihgaben

Dass die Kunsthalle Karlsruhe sich so intensiv mit dem Künstler befasst – sie zeigte bereits vor 60 Jahren eine Hans-Baldung-Grien-Ausstellung –, kommt nicht von ungefähr. Sie besitzt zahlreiche Werke von Hans Baldung Grien – etwa die um 1510 entstandene „Markgrafentafel“, die Christoph I. von Baden mit seiner Familie in Anbetung der Heiligen Anna Selbdritt zeigt. Dieses auch landesgeschichtlich bedeutsame Werk können die Besucher jetzt wieder – frisch restauriert – in der Dauerausstellung bewundern. In der großen Baldung-Schau treffen die Karlsruher Bestände dann auf rund 200 hochkarätige Leihgaben aus namhaften europäischen und amerikanischen Museen.

Ermittlungen in der Jungen Kunsthalle

Auch Kindern und Jugendlichen soll Hans Baldung Grien nahegebracht werden: „Der Fall im Stall. SKK Baldung ermittelt in der Jungen Kunsthalle“ heißt eine Begleitausstellung. Im Fokus steht der Holzschnitt „Der verhexte Stallknecht“. Den Fachleuten ist es bis heute nicht gelungen, das um 1535 entstandene Blatt sicher zu deuten – nun will die Kunsthalle das junge Publikum einladen, das Rätsel zu knacken.