Gerade Visaanträge aus wirtschaftlich schlechtergestellten Ländern werden häufig abgelehnt. Im Film "Die Macht des Visums" sollen Antragsteller auf ihrem Weg begleitet werden und in Interviews Ursachen für die unterschiedliche Vergabepraxis ermittelt werden.
Gerade Visaanträge aus wirtschaftlich schlechtergestellten Ländern werden häufig abgelehnt. Im Film "Die Macht des Visums" sollen Antragsteller auf ihrem Weg begleitet werden und in Interviews Ursachen für die unterschiedliche Vergabepraxis ermittelt werden. | Foto: Moritz Steegmaier

Karlsruher Filmprojekt

„Die Macht des Visums“: Dokumentation thematisiert ungerechte Vergabe

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Wie ungerecht läuft die Vergabe von Visa in deutschen Botschaften? Dies ist das Thema des Filmprojekts „Die Macht des Visums“. Bei der Karlsruher Studentin Myriam Hombach laufen die Fäden dafür zusammen. bnn.de sprach mit ihr über ihre Beweggründe, Inhalte des Films, den Stand der Dreharbeiten und erklärt die Hintergründe.

Die Zahl der Beispiele ist groß, von denen Hombach erzählen kann, und sie haben alle eines gemeinsam: Am Ende steht ein abgelehnter Antrag auf ein Visum für Deutschland von einem Antragsteller aus einem wirtschaftlich weniger privilegierten Land.

Diese Erfahrungen führten mit dazu, dass sie nun zusammen mit anderen an einem Filmprojekt arbeitet. „Die Macht des Visums“ heißt es und soll sich der Frage widmen, warum aus bestimmten Ländern deutlich mehr Visaanträge abgelehnt werden, als aus anderen.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Denn tatsächlich gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den verschiedenen Herkunftsländern. Während im Gesamtschnitt 8,5 Prozent aller Visaanträge im Jahr 2017 für Deutschland abgelehnt werden, sind es in der Dominikanischen Republik 23,1 Prozent, in Kamerun 35,7 Prozent und in Guinea sogar 45,8 Prozent. Gerade in afrikanischen Ländern ist es für Antragsteller besonders schwierig, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von Abgeordneten der Bundestagsfraktion „Die Linke“ hervorgeht.

Gibt es doch Diskriminierung?

Myriam Hombach

Hombach will das nicht einfach akzeptieren. „Wenn die Kriterien für die Vergabe objektiv sind, wie können solche Quoten zustandekommen? Gibt es doch Diskriminierung?“, fragt sie. Einen Grund, den sie als Ursache sieht, benennt sie gleich selbst: „Oft wird ein fehlender Wille zur Rückkehr unterstellt.“ Dabei sei das Kriterium des Rückkehrwillens nicht objektiv.

Dokumentarfilm soll Bewusstsein schaffen

Zusammen mit mehreren weiteren Engagierten der Kampagne „VisaWie? Gegen diskriminierende Visaverfahren“ arbeitet Hombach nun an dem Vorhaben. Bei Hombach, die am KIT Geoökologie studiert, und bei Filmemacher Moritz Steegmaier laufen die Fäden zusammen. Worum es ihnen geht?

„Wir wollen ein Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, um dann eine Veränderung zu erreichen. Ein Dokumentarfilm kann das Problem mit Bildern und Fakten aufarbeiten“, erklärt Hombach. Im Film sollen zwei oder drei Personen in unterschiedlichen Ländern vom Stellen ihres Antrags bis zur Entscheidung begleitet werden.

Dreharbeiten in der Dominikanischen Republik und Kamerun

In der Dominikanischen Republik entstanden bereits Aufnahmen mithilfe eines Filmkollektivs von einer Protagonistin, die versuchte, ein Visum zu erlangen, um ihren Bruder zu besuchen. In Kamerun läuft gerade die Suche nach einem Protagonisten, drehen soll dann auch wieder ein Filmkollektiv, das dort ansässig ist.

Die Geschichten, die entstehen, wollen Hombach und ihre Mitstreiter mit Interviews aufbereiten. Dabei sei es schwierig, bei Botschaften Gesprächspartner zu bekommen, auch das Auswärtige Amt habe nur schriftlich geantwortet. Weitere Interviews mit Politikern, Wissenschaftlern und Vertretern aus der Wirtschaft sollen folgen. „Wir wollen verschiedene Perspektiven zeigen“, meint Hombach.

Jede Menge ehrenamtliche Arbeit

Obwohl die in Deutschland Beteiligten jede Menge ehrenamtliche Arbeit in den Film stecken, ist ein solches Vorhaben nicht umsonst. „Der Fairwandler-Preis, der uns verliehen wurde, war ein Push“, erzählt Hombach. Außerdem sei noch etwas Geld bei „VisaWie?“ verfügbar. Nun hofft sie auf zwei weitere Quellen: Über die Online-Spendenplattform Betterplace läuft eine Aktion, um weitere Vorhaben zu finanzieren.

Und dann ist da noch der Deutsche Engagement-Preis: Der Gewinner des Publikumspreises – die Abstimmung läuft ebenfalls online – gewinnt 10 000 Euro. Die Konkurrenz ist groß, die Motivation aber auch, denn am Ende werden die Kosten laut Hombach sicherlich fünfstellig sein.

Es wäre schön, in zwei Jahren fertig zu sein.

Myriam Hombach

Was mit dem Film passieren soll, wenn er fertig ist, ist noch nicht ganz klar. Hombach sagt: „Wir haben ein paar Ideen.“ Auch gebe es vielversprechende Kontakte. Aber momentan gehe es den Beteiligten, die alle ehrenamtlich ihre Zeit investieren, darum, den Film weiterzubringen. Hombachs Ziel: „Es wäre schön, in zwei Jahren fertig zu sein.“