Elefant
Für die Karlsruher Elefanten wird seit Anfang 2018 gebaut. Demnächst soll ihr neues Freigelände, auf dem nachts die Flusspferde weiden werden, fertig sein. | Foto: jodo

Endspurt im Karlsruher Zoo

Die neue Anlage für Elefanten und Flusspferde ist fast fertig

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Endspurt für Jenny, Nanda, Kathy und Platsch: Im Karlsruher Zoo gehen die Arbeiten an der neue Außenanlage für Elefanten und Flusspferde sichtlich dem Ende entgegen. Futterbaum und Elefantendusche ragen, teilweise bereits in Kunstborke und Kunstfels verpackt, in den Frühlingshimmel. Die Besucherterrasse ist fertig und sogar schon mit Bänken bestückt. Das neue Gelände für die Tiere ist modelliert. Selbst das Gras sprießt bereits – und verschafft sich damit einen ordentlichen Vorsprung, ehe es unter die schwergewichtigen Dickhäuter gerät. Noch im späten Frühling soll es so weit sein, heißt es im Zoo.

Wegweisendes Projekt

„Es ist ein wegweisendes Projekt für uns“, sagt Zoodirektor Matthias Reinschmidt über die 1,4 Millionen Euro teure Erweiterung des Freigeländes, das den Platz der Elefanten verdreifacht und den Flusspferden völlig neue Bewegungsmöglichkeiten bietet. Bekanntlich sollen die Elefanten tagsüber die Anlage nutzen und die Flusspferde nachts auf dem Gelände weiden. Diese Doppelnutzung ist europaweit ebenso einzigartig wie der Ansatz des Karlsruher Zoos, sich als „Seniorenresidenz“ auf die Bedürfnisse alter Elefantenkühe zu spezialisieren und betagte Zirkustiere zu integrieren.

Sportliche Koordination

Seit Jahresbeginn 2018 wurde – mit Unterbrechungen – an der Anlage gebaut. Aktuell gibt es für die Zoobesucher, die vom Weg am Kanal auf die Baustelle schauen können, viel Aktivität zu beobachten: Handwerker verschiedenster Branchen sind auf dem Gelände am Werk – so viele, dass die Koordination sportlich ist. Für Zooarchitektin Eva Kaltenbach bedeutet dies, dass sie jeden Tag auf der Baustelle im Einsatz ist und letzte Details abspricht.

Arbeit an Baum und Felsen

Uwe und Andreas Thürnau und ihre Kollegen gestalten gerade das Herzstück der Anlage: Futterbaum und Elefantendusche verpacken sie mittels Spritzbeton und Spezialputz mit künstlicher Rinde und Felsen. Etwa zweieinhalb Stunden dauert es, bis ein Quadratmeter gestaltet ist, erklärt Thomas Gerstner, während er mit einem Spatel die nächste Furche in die künstliche Borke zieht. „Die Temperatur ist ideal“, sagt er über die gerade wenig frühlingshafte Witterung. „So kann man den Putz 24 Stunden bearbeiten.“

Wasser läuft

Knifflig war es, die Seilwinden zu integrieren, mit denen künftig Heu und Geäst am „Futterbaum“ platziert werden können, schildert Architektin Kaltenbach. Getestet ist bereits der Wasserlauf der Dusche: Vom Badebecken im alten Abschnitt des Freigeländes wird das Wasser herübergepumpt. Für den optimalen Wasserfluss muss der „Duschkopf“ aber noch mit einer Platte abgedeckt werden – weshalb an dieser Stelle noch kein Felsen modelliert werden darf. Also ist die nächste Absprache notwendig.

Herzstück der Freianlage

Im Herzstück der Anlage mit Wasserfall und Futterbaum steckt aber noch viel mehr: Futterklappen etwa, hinter denen das Pflegerteam immer wieder Elefanten-Leckerlis verstecken wird. Auch die Lautsprecher, Kameras und die Flutlichtanlage sind integriert. Letztere ist erforderlich, um das Gelände in einem Notfall schnell einsehen zu können – schließlich sind hier nachts mit den Flusspferden gefährliche Wildtiere unterwegs. Im Inneren des Komplexes, der über dem Keller des einstigen Papageienhauses entstand, ist viel Wassertechnik sowie das Equipement der Pfleger – inklusive stationärem Hochdruckreiniger für die tägliche Pflege der Elefantendamen. Diese werden Besucher von der neuen Tribüne aus bestens im Blick haben.

Acht Meter lange Waage

Zu sehen sein wird dort auch die Digitalanzeige der riesigen Waage. Acht Meter lang und knapp drei Meter breit ist das Messgerät mit 7,5 Tonnen Auslastung. „Bisher erklären wir immer, dass Nanda drei bis vier Tonnen wiegt – demnächst wissen wir es genau“, freut sich Revierleiter Robert Scholz.

Tore sind schon montiert

Bereits montiert sind auch die mächtigen Tore mit der Spezialtechnik. Leicht zu bedienen müssen sie sein, aber Elefanten- und Flusspferd-stabil, umreißt Scholz die Anforderungen. Noch gearbeitet wird an der Zaunanlage: Zusätzliche Seile werden noch eingezogen. Für die Flusspferde und insbesondere deren mögliche Nachkommen sind die Abstände noch zu groß. Gesetzt sind bereits jede Menge Pflanzen in das Gelände zwischen den Gehegebegrenzungen und den Bambuszäunen, die die Besucher auf Abstand halten. Hortensien, Bambus, Japansäge, Berggras und Heuchera brachten Matthias Wendler und seine Kollegen beispielsweise in den Boden.

Jenny wird die Erste sein

Dass es viele verschiedene Bodenbeläge gibt, einen großen Schattenbereich und auch Stellen im abschüssigen Gelände, wo sich ein Elefant von seinen Artgenossen unbeobachtet fühlen kann – das sind für Robert Scholz weitere Pluspunkte der neuen Anlage. Elefantenkuh Jenny wird das Gelände als Erste erkunden dürfen, während die nahezu blinde Nanda wohl erst einmal von den Pflegern herumgeführt werden muss, erklärt er.

Training für die Flusspferde

Bereits im Training für die neue Anlage sind die Flusspferde Kathy und Platsch: Die Fütterung beginnt mit dem Klang einer Schiffsglocke – mit dem die Hippos dann künftig morgens wieder ins Haus gebeten werden, damit die Elefanten aufs Gelände können. Allerdings werde es gewiss Hochsommer werden, ehe die Flusspferde auf der neuen Anlage weiden werden, so Scholz. Eingewöhnung braucht schließlich Zeit. Und die Duftmarken der Hippos werden die Elefanten zusätzlich fordern.

 

Hier gibt es weitere Informationen zum Karlsruher Zoo.