Die sogenannte Rastatter Guillotine ist derzeit in der Ausstellung "Revolution! Für Anfänger*innen" zu sehen.
Die sogenannte Rastatter Guillotine ist in der Karlsruher Ausstellung "Revolution! Für Anfänger*innen" zu sehen. | Foto: © Badisches Landesmuseum Karlsruhe / Uli Deck

Revolution! Für Anfänger*innen

Die Rastatter Guillotine im Karlsruher Schloss

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Sie ist das größte Exponat der Sonderausstellung „Revolution! Für Anfänger*innen“ im Karlsruher Schloss: die sogenannte Rastatter Guillotine. Mancher Besucher des Badischen Landesmuseums betrachtet sie mit gemischten Gefühlten. Und doch stellt man eine solche Tötungsmaschine  in einer Ausstellung zum Thema „Revolution“  nicht wirklich in Frage. Schließlich weiß man, dass während der Französischen Revolution Tausende von Köpfen rollten.

Als in Frankreich Köpfe rollten

Mehr als 16.000 Menschen sollen im revolutionären Frankreich mit einer Guillotine hingerichtet worden sein. Zunächst vor allem Adelige. Auch König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette. Dann, während der Terrorherrschaft unter Maximilien Robespierre, unzählige, auch einfache Leute. Wer in den leisesten Verdacht geriet, Gegner der Revolution zu sein, musste um sein Leben bangen. Am Ende kamen die Eiferer  um Robespierre selbst unters Fallbeil.

Die Guillotine als Symbol revolutionärer Gewalt

Im Karlsruher Schloss seht die Rastatter Guillotine als Symbol für revolutionäre Gewalt. Das  leuchtet ein.  Allerdings stammt das Grusel-Objekt der Ausstellung  nicht aus der Zeit der Französischen Revolution. Die Hinrichtungsapparatur wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg angefertigt. Damals setzte man  in der französischen Besatzungszone ein Gericht zur Verurteilung von NS-Verbrechern ein. Dieses Tribunal hatte zwischen 1946 und 1956 seinen Sitz im Rastatter Schloss.

Die Rastatter Guillotine kam erst nach 1945 zum Einsatz

Wie viele Todesurteile in Rastatt vollstreckt wurden, ist nicht genau bekannt. Die Unterlagen in den französischen Archiven unterliegen einer Sperrfrist. Aber die Rastatter Guillotine wurde eigens für diesen Zweck gefertigt. Und man weiß, dass sie zum Einsatz kam. Sie tat ihr blutiges Werk in einer ehemaligen Bastion der Rastatter Festung.

Im Besitz des Badischen Landesmuseums

Seit 1979 gehört die Rastatter Guillotine dem Badischen Landesmuseum. Im Karlsruher Schloss ist sie üblicherweise jedoch nicht zu sehen. Denn seit 1988 ist sie als Leihgabe im Strafvollzugsmuseum in Ludwigsburg ausgestellt, wie Natalia März vom Landesmuseum berichtet. Jetzt ist die Apparatur für die Dauer der Revolutionsschau nach Karlsruhe „umgezogen“.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet derzeit viele Besucher des Badischen Landesmuseums die Rastatter Guillotine. | Foto: abw

Aus humanitären Gründen eingeführt

Eingeführt wurden die nach dem französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin benannten Tötungsmaschinen einst übrigens aus humanitären Gründen: Verglichen mit anderen, sich bisweilen quälend lang hinziehenden Hinrichtungsarten versprach das Fallbeil einen schnellen, sicheren Tod. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“: Die revolutionäre Nationalversammlung Frankreichs hatte 1792 die Hinrichtung durch die Guillotine als einzige Form zur Vollstreckung der Todesstrafe festgelegt. Damit waren dann – zumindest im Tod – alle Delinquenten gleich.

Revolution! Für Anfänger*innen – die Ausstellung ist bis 11. November 2018 im Karlsruher Schloss zu sehen. Hier gibt’s weitere Infos.

Wer mehr über die Guillotine erfahren möchte, sollte sich schon mal den 18. Oktober 2018 vormerken. Dann hält um 18 Uhr im Gartensaal des Karlsruher Schlosses Elisabeth Thalhofer dazu einen Vortrag. Er heißt: „…damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird“. Das Tribunal Général de la Zone française und die Guillotine in Rastatt“.
Elisabeth Thalhofer ist Leiterin der Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Rastatt. Sie konnte im Rahmen ihrer Dissertation Einblick in französische Unterlagen zu den Rastatter Prozessen nehmen, die eigentlich noch unter Verschluss sind.