Das fünffache rote Jerusalemkreuz ziert den Ordensmantel sowie das Barett der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. | Foto: abw

Im Nahen Osten und hierzulande

Die Ritter vom Heiligen Grab halten die Fahne des Glaubens hoch

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Ein Ritter? Da denkt man an Rüstungen, Turniere und blutige Kämpfe. Lang, lang ist’s her. Ritter prägen unser Mittelalter-Bild. Und doch gibt es auch heute noch Ritter. Tobias Licht zum Beispiel.  2007 hat er den Ritterschlag empfangen. Mit Waffen und Kriegführen hat der Karlsruher jedoch überhaupt nichts im Sinn. Er ist ein Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Der Ritterorden vom Heiligen Grab wurde vor 150 Jahren – am 24. Januar 1868 – von Papst Pius IX. wiedererrichtet.  Es handelt sich um einen katholischen Laienorden, der auch geistliche Mitglieder hat. Männer und Frauen gehören ihm gleichberechtigt an.

Ihre Ordenskleidung tragen sie bei Gottesdiensten. Die Ritter sind dann in einen elfenbeinfarbenen, die Damen in einen schwarzen Mantel gehüllt – jeweils mit dem fünffachen roten Jerusalemkreuz unter der linken Schulter. Hinzu kommen ein schwarzes Barett beziehungsweise ein Schleier. Damit wirken die Ordensmitglieder etwas aus der Zeit gefallen.

Doch Tobias Licht zeigt sich im Interview überzeugt, dass es sich um eine zukunftsweisende Form des religiösen Lebens handelt. Er ist leitender Komtur (Oberer) des Ordens im Großraum Karlsruhe und der Ortenau – der Komturei St. Bernhard von Baden mit derzeit 38 Mitgliedern.

Der Karlsruher Tobias Licht ist ein Ritter vom Heiligen Grab. Er leitet die Komturei St. Bernhard von Baden. | Foto: abw

Herr Licht, Ritter, Heiliges Grab und Jerusalem – wer im Ordensleben nicht so bewandert ist, der kann bei diesen Worten schon an die Kreuzzüge denken …

Tobias Licht: Unser Orden ist kein Kreuzfahrerorden, sondern ein Pilgerorden. Unsere Wurzeln liegen in der Wallfahrtsbewegung ins Heilige Land. Das Heilige Grab war und ist eines der wichtigsten Ziele christlicher Pilger, die dem Gekreuzigten und Auferstandenen an den biblischen Stätten im Gebet nahe sein wollen. Wir sind nicht politisch, sondern rein karitativ tätig – und selbstverständlich dem Prinzip der Gewaltfreiheit verpflichtet.

Aber Ihr Orden engagiert sich auch heute im Heiligen Land?

Licht: Die Sorge um die Christen im Heiligen Land und die Förderung des christlichen Lebens ist eine der Hauptaufgaben des Ritterordens. Wir unterstützten Aktivitäten und Einrichtungen der katholischen Kirche ideell und materiell. Etwa durch Spenden für den Bau und die Unterhaltung von Kirchen, Einrichtungen im Bildungsbereich vom Kindergarten über Schulen bis zur Hochschule, im Sozialen – Seniorenheime, Krankenhäuser –, durch Hilfen für sozial Schwache. Zu den Ordenspflichten gehört es auch, mindestens einmal im Leben eine Wallfahrt ins Heilige Land zu unternehmen.

Der Erhalt und die Förderung des katholischen Glaubens im Heiligen Land sind aber nicht die einzigen Aufgaben des Ritterordens?

Licht: Das zweite zentrale Feld ist die Förderung des persönlichen christlichen Lebens der Ordensmitglieder und das, was das Zweite Vatikanische Konzil das Laienapostolat genannt hat, also das Präsentmachen des Glaubens in allen Feldern des gesellschaftlichen und persönlichen Lebens – vom Beruf bis zur Familie. Der spirituelle Aspekt steht dabei immer im Mittelpunkt.

Wie wird man eigentlich Ritter vom Heiligen Grab?

Licht: Bewerben kann man sich darum nicht. Der Orden spricht Persönlichkeiten an, die sich erkennbar als katholische Christen engagieren – in ihren Ortsgemeinden etwa oder auf anderen Ebenen. Sie werden dann zunächst für gewisse Zeit als Gäste eingeladen, erhalten Einführungen in unsere Lebensweise und unsere Ordensspiritualität.

Und wer entscheidet über die Aufnahme?

Licht: Wenn die Kandidaten bereit sind, im christlichen Sinne zu dienen und sich für die Ziele des Ordens einzusetzen, wird der Vorschlag der Wohnsitzkomturei auf den Ebenen der Provinz und der Deutschen Statthalterei geprüft. Die Ernennung erfolgt dann durch den Kardinal-Großmeister, also vom Vatikan. Die Aufnahme erfolgt  bei den zwei Mal im Jahr stattfindenden Investiturfeiern.

Mit einem Gelübde wie bei einem Mönchsorden?

Licht: Es sind nicht die sogenannten „Evangelischen Räte“ – Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam –, die man verspricht. Aber man geht durchaus eine lebenslange Verpflichtung ein. Der Großprior der Statthalterei – das ist derzeit Kardinal Marx, der Erzbischof von München-Freising – übergibt dem neuen Mitglied dann die Ordensinsignien, das Jerusalemkreuz und den Ordensmantel. Weltliche Ritter erhalten den Ritterschlag. Die nächste Investiturfeier findet im Mai in Würzburg statt. Dann wird auch die Komturei St. Bernhard von Baden zwei weitere Mitglieder bekommen.

Sie selbst leiten das Bildungszentrum Karlsruhe, eine Einrichtung der Erzdiözese. Zudem sind Sie der katholische Leiter des Karlsruher Foyers Kirche und Recht. Sind die meisten Ritter und Damen Ihres Ordens bei der Kirche beschäftigt?

Licht: Unter unseren Mitgliedern sind Angehörige ganz verschiedener Berufe vertreten.
Juristen sind dabei, Mediziner, Ökonomen, auch Theologen und andere. Einige sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Alle zeichnen sich durch ein sehr ausdrückliches kirchliches Engagement aus.

Und die Altersstruktur?

Licht: In meiner Komturei ist der Jüngste 30 und der Älteste 92 Jahre alt.

Ändert sich das Leben eigentlich, wenn man ein Ritter vom Heiligen Grab wird?

Licht: Einerseits nein. Die Ritter und Damen sind ja wegen ihrer explizit christlichen Lebensweise aufgenommen worden. Andererseits ja. Wir sind eine geistliche Gemeinschaft mit verbindlichen Regeln, regelmäßig stattfindendem Gemeinschaftsleben und besonderen Frömmigkeitsformen. Dazu gehören unser Ordensgebet und ein Ordensgebetbuch, das gerade neu erschienen ist. Es gibt Heilige des Ordens und kirchliche Feiertage, die wir besonders hochhalten. Die Spiritualität des Ordens ist stark österlich geprägt. Der Kreuzestod und die Auferstehung Jesu stehen im Mittelpunkt.

Gibt es auch Kontakte zu anderen Ritterorden – dem Malteser-Orden etwa?

Licht: Ja – und auch zum evangelischen Johanniterorden mit seiner Subkommende Hohenbaden im Raum Karlsruhe. Wir sind sehr stark ökumenisch orientiert.

Sie sprachen vom „dienen“ – und zwar ein Leben lang. Ist das überhaupt noch zeitgemäß?

Licht: Das sehe ich unbedingt so – gerade in einer Zeit, in der Egoismus und Gewinnstreben ausdrücklich zentrale Orientierungsmaßstäbe sind. Wir setzen dem das christliche Lebensideal entgegen: Den anderen lieben wie sich selbst und Gott über alles – das realisiert sich im selbstlosen Dienst.

Wird es den Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem auch noch in 150 Jahren geben?

Licht: Ich bin sicher, dass der Ritterorden vom Heiligen Grab mit seiner Vitalität, seiner Verbindlichkeit und der Ausdrücklichkeit seines Zeugnisses Zukunft hat. Gerade wo kirchliche Strukturen oft eher in einem Rückbau begriffen sind, ist es wichtig, dass auch andere Formen kirchlicher Gemeinschaft Halt und Heimat geben. Gerade mit seinen Strukturen ist der Ritterorden zukunftsweisend. Wir sind ein päpstlicher Orden, der seinen Sitz im Vatikan hat – also in enger Rückbindung an die Universalkirche in ihrer globalen Dimension. Ein Orden von Laien, in dem es Geistliche gibt, die Leitung aber auf den meisten Ebenen bei den Laien selbst liegt. Ein Orden, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt da sind und Frauen auch Führungspositionen einnehmen. Vor allem aber hat Zukunft, wofür wir stehen. Die Botschaft vom Kreuz und der Auferstehung Jesu, die der Kern unserer Spiritualität, vor allem aber die Mitte des christlichen Glaubens selbst ist – und die Quelle aller Zukunftshoffnung.

Die Ritter vom Heiligen Grab – Infos

Weltweit hat der Ritterorden rund 30.000 Mitglieder. Er ist als Verein des Vatikanstaats eingetragen. Der Papst ernennt und beruft den Kardinal-Großmeister, der den Orden leitet.

In Deutschland hat der Orden gut 1.400 Mitglieder. Davon sind zwölf Prozent Geistliche und 17 Prozent Damen. Die Deutsche Statthalterei hat ihren Sitz in Köln. Sie ist in sechs Ordensprovinzen gegliedert.

Zur Ordensprovinz Südwestdeutschland gehört die Komtureien Baden-Baden (St. Bernhard von Baden), Freiburg (St. Albertus Magnus), Heidelberg/Mannheim (St. Bernhard von Clairvaux), Ravensburg (St. Georg), Stuttgart (St. Martin) sowie Walldürn (St. Bonifatius).

Die Komturei St. Bernhard von Baden gehören  derzeit 28 Rittern und zehn Damen an Sie umfasst den Großraum Karlsruhe mit Bruchsal, Bretten, Pforzheim, Baden-Baden und Rastatt sowie die Ortenau.

Mehr über die Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem lesen Sie hier.