Vor 40 Jahren wurde Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die Rote Armee Fraktion (RAF) entführt. Am 19. Oktober 1977 wurde er im Kofferraum eines Autos in der elsäßischen Stadt Mühlhausen ermordet aufgefunden. | Foto: Wilhelm Bertram/dpa

Sonntagslektüre

„Die Rote Armee Fraktion“ – Fakten und Mythen

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Die Morde von Karlsruhe und Oberursel. Die Schleyer-Entführung. Die Kaperung der „Landshut“. Und schließlich die „Todesnacht von Stammheim“:  Vor 40 Jahren kulminierte die Auseinandersetzung der RAF mit dem Staat. Mit „Die Rote Armee Fraktion “ hat Petra Terhoeven ein sehr empfehlenswertes Buch und „Eine Geschichte terroristischer Gewalt“ vorgelegt. 

Die Rote Armee Fraktion in der Fiktion…

Der Stuttgarter Fernseh-Tatort „Der rote Schatten“ hat es am vergangenem Wochenende wieder gezeigt: „RAF sells“. Mit der Roten Armee Fraktion erregt man auch 40 Jahre nach dem „Deutschen Herbst“ und der „Todesnacht von Stammheim“ Aufmerksamkeit. Der TV-Krimi stieß auf großes Publikumsinteresse – erntete aber auch Kritik. Denn er ließ die Frage offen,  ob die Terroristen der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) sich am 18. Oktober 1977 im Gefängnis das Leben nahmen – oder doch ermordet wurden.

… und in der Analyse einer Historikerin

Petra Terhoeven ist Professorin für Europäische Kultur- und Zeitgeschichte an der Uni Göttingen. In ihrem Buch „Die Rote Armee Fraktion. Eine Geschichte terroristischer Gewalt“ geht sie – abseits aller Fiktion – den Fragen nach: Wie und weshalb konnten die Stadtguerilla-Experimente einer kleinen Minderheit radikalisierter „68er“ zu einer solchen Herausforderung werden, dass sie  Generationen von Wissenschaftlern beschäftigten? Und wie konnten sie zudem lange über ihr politisches Scheitern hinweg eine morbide Faszination entfalten?

Mehr als eine Chronik der Ereignisse

An der Auseinandersetzung mit dem Phänomen RAF haben viele Bürger der alten Bundesrepublik ihr politisches und moralisches Koordinatensystem ausgerichtet. Terhoeven legt nicht nur eine Chronik der Ereignisse vor. Sie zieht zudem Verbindungen zur „Nachgeschichte des Nationalsozialismus“, zum „globalen 1968“ und zum modernen Terrorismus. Ihre Analyse macht auf brillante Weise bewusst, dass im Falle der RAF Medialisierung und Mythisierung von der realen Geschichte kaum zu trennen sind.

Foto: C.H. Beck-Verlag

 

Petra Terhoeven, Die Rote Armee Fraktion. Eine Geschichte terroristischer Gewalt, C.H. Beck Wissen, 128 Seiten, 9,95 Euro.