Schwester der Greif
Auf der Nufam wird die noch namenlose Schwester der Dampflok Greif präsentiert. | Foto: jodo

Präsentation auf der Nufam

Namenlose Dampflok begeistert: Die Schwester der Greif ist erstmals in Karlsruhe zu sehen

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Um Neuheiten in der Nutzfahrzeugbranche geht es bei der Messe Nufam. Doch in Halle 3 ist es ein historisches Fahrzeug, das die Besucher stoppen, lächeln und immer wieder zur Handykamera greifen lässt: Erstmals ist in Karlsruhe die noch namenlose Schwester der im Schlossgarten beheimateten Dampflok Greif zu sehen. Und die 66 Jahre alte Neue im Bund erobert die Herzen im Sturm.

„Wirklich eine sehr schöne Lok“, erklärt Michael Lanz aus Mainz, der sich bei der Schau in Karlsruhe über neue Tachografiesysteme informieren will. Er nimmt sich bei seinem Rundgang die Zeit, um die alte Bahn zu inspizieren.

„Das ist Exotik“, sagt Dirk Becherer. Ohne diese alte Technologie gäbe es die neue nicht, die an den Messeständen drumherum gezeigt wird. „Man macht Feuer, Wasser dampft, das ist so elementar“, sagt der Techniklehrer der Heinrich-Hübsch-Schule, der mit seiner Klasse auf der Nufam unterwegs ist.

Alte Technik ist eindrucksvoll

Immer neue Besucher bleiben stehen. Auch Fritz Scheerer und Manfred Fischer aus Kraichtal bewundern den 7,5-Tonner. „Alte Technik ist eindrucksvoll“, sagen sie.

Hans-Joachim Passarge aus Brunsbüttel stimmt dem zu. Sein Betrieb bildet Lkw-Fahrer aus. In seiner Freizeit baut er Modelle mit Dampf, gerade sind zwei Schiffe fertig. Die Dampflok fotografiert er aufmerksam. „Zwei Jahre dürfte es dauern, sie nachzubauen. In klein natürlich“, sagt er.

Die Neue ist Baujahr 1953

Das Original wurde 1953 von der Firma Henschel & Söhne in Kassel fertiggestellt, bei der 1939 auch die Greif produziert wurde. Die Greif feiert somit in diesem Jahr 80. Geburtstag.

Und ihre Besitzer, Steffen Waidelich und Marco Müller, schenkten ihr zum Runden die modellgleiche Schwester – die jedoch so schnell nicht durch den Schlossgarten dampfen wird.

Lok wird in Einzelteile zerlegt

„Wir müssen die Lok in alle Einzelteile zerlegen und wie ein Puzzle wieder zusammensetzen“, erklärt Waidelich. Mit mindestens fünf Jahren Arbeit rechnen die Lok-Besitzer, die das kostenintensive Projekt auch finanziell meistern müssen.

Ganz am Anfang gilt es, die Räder wieder ins Rollen zu bringen: Nachdem die Feldbahn „B70“ in der Sandgrube „Richard Winter“ in Horrem bei Köln ausgemustert worden war, stand sie ab 1980 für einige Jahre auf einem Spielplatz in Bergheim-Auenheim bei Düsseldorf. Damit sich kein Kind verletzt, wurden die Räder verschweißt. Also muss zunächst das Triebwerk freigelegt werden.

Unterschlupf in Waghäusel

Passieren wird das im Landkreis. Die namenlose Lok hat aktuell im Schuppen der Schlossgartenbahn – wo neben der Greif auch die Porsche- und die Diesel-Lok stehen – keinen Platz.

Deshalb findet sie übergangsweise Unterschlupf auf dem historischen Bauhof der Interessengemeinschaft historische Baumaschinen (IghB) in Waghäusel, an deren Stand die Bahn jetzt auf der Nufam zu sehen ist.

Eine wunderbare Kooperation

„Eine wunderbare Kooperation“, sagt Waidelich, der wie sein Mitstreiter Müller schon länger mit der IghB und deren Vorsitzendem Stefan Materna in Kontakt ist. Der Vereinschef ist Schweißfachingenieur bei der Firma Metzger in Bruchsal, die Dampfkessel instandsetzen.

2016 erfolgte diese Arbeit bei der Dampflok Emma aus dem Frankfurter Feldbahnmuseum. Weil neue Netzwerke entstanden, kam die Emma seither immer wieder im Karlsruher Schlossgarten zu Besuch.

Bahn kommt aus Berlin

Ebenso über das Frankfurter Feldbahnmuseum kam die neue Dampflok nach Karlsruhe, die zuletzt im Technikmuseum in Berlin gestanden hatte. Die Bahn absolvierte die Fahrt ins Badische auf einem Tieflader, gezogen von einem Laster Baujahr 1973, der ebenso auf der Nufam steht.

Materna saß auf der Fahrt zur Messe am Steuer. Auch sein Herz gehört historischen Fahrzeugen. Einen Laster Baujahr 1973 brachte er selbst wieder auf Vordermann. „Fünf Jahre dauerte das, 2.000 Stunden Arbeit.“ Insofern weiß er, was auf Waidelich und Müller jetzt zukommt.

Lokschuppen soll größer werden

Die beiden Bahnbesitzer möchten so richtig loslegen, wenn sie die Neue nach Karlsruhe holen können. Die Verkehrsbetriebe wollen den Lokschuppen von drei auf künftig vier Gleise ausbauen.

Das Ziel der Dampflok-Fans ist klar: In ein paar Jahren sollen beide Schwestern zusammen im Schlossgarten ihre Runden drehen. Während die Greif im bekannten Western-Look gehalten ist, soll die neue optisch ziemlich originalgetreu daherkommen.

Greif bekommt Event-Waggon

Noch ist dieses dampfende Doppel Zukunftsmusik. Die Greif dreht indessen einige Wochen weiter ihre Runden. In der Winterpause gebe es dann anders als in den Vorjahren wenig zu tun, so ihre Besitzer.

Ein Waggon soll nach Görlitz gebracht und dort für Events hergerichtet werden, sei es für Konzerte oder Hochzeiten.

Karlchen hilft beim Rangieren

Ebenfalls aus Frankfurt kommt demnächst Karlchen im Lokschuppen an: Die Dieselbahn hilft der Greif beim Rangieren.

Dampflok im Schlossgarten
Die „Greif“ (links) bekommt immer wieder Besuch von einer zweiten Dampflok namens „Emma“ | Foto: Privat

Auch Emma wird in den nächsten Jahren wohl wieder nach Karlsruhe zu Besuch kommen, sagen die Dampflok-Besitzer.

Dampfloks sind weiblich

Ihren neuen Schatz wollen sie taufen, wenn er fahrbereit ist. Die Bürger sollen dabei mitreden dürfen. Wobei gilt: Dampfloks sind immer weiblich.

Die Schwester der Greif ist noch bis Sonntag, 29. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr auf der Messe Nufam zu sehen. Der historische Bauhof der Interessengemeinschaft historische Baumaschinen in Waghäusel, wo die Lok danach erst einmal steht, kann samstags ab 10 Uhr besichtigt werden. Es wird um vorherige Anmeldung gebeten unter 01 51 166 50 628.
Die Greif ist im Schlossgarten noch bis 3. November im Einsatz. Sie dreht ihre Runden an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr. Letzter Einstieg ist um 18.30 Uhr. Am Sonntag, 29. September, geht es wegen eines Benefizlaufs im Schlossgarten erst um 14 Uhr los.