Zwei Jäger der verlorenen Lok: Horst Müller (links) und Maria Schmiedicke (SWR) mit einem Modell der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Dampfflok. Der Eisenbahnschatz wurde in Karlsruhe gebaut.
Zwei Jäger der versunkenen Lok: Horst Müller (links) und Maria Schmiedicke (SWR) mit einem Modell der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Dampfflok. Der Eisenbahnschatz wurde in Karlsruhe gebaut. | Foto: Bernd Kamleitner

Eisenbahnschatz aus Karlsruhe

Die Suche nach der im Rhein versunkenen Lok geht weiter

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Die Suche nach der im Jahr 1852 im Rhein versunkenen Dampflok geht weiter. Das ist das Ergebnis der Aufklärung des Anfang Oktober gescheiterten Versuchs, den Eisenbahnschatz aus Karlsruher Produktion aus dem Fluss bei Germersheim und Philippsburg-Rheinsheim zu bergen. Die „Jäger der versunkenen Lok“ hatten unter Rheinbuhne 527 das Objekt der Begierde vermeintlich ausgemacht.

Vorausgegangen waren jahrzehntelange Recherchen und Messungen mit Spezialgeräten. Doch der festgestellte magnetische Fußabdruck, der den Maßen der Dampflok entsprach und die aufwändige und kostspielige Bergung vor Ort in Gang setzte, erwies sich als Fehlannahme: An der besagten Stelle wurde keine Dampflok gefunden.

Metallhaltige Steine täuschten Anwesenheit des Eisenbahnschatzes vor

Warum das so war, steht jetzt fest:  Vermutungen, dass bei der Anlage der Buhne im Rhein Steine mit hohem Eisengehalt verbaut wurden, haben sich demnach  bestätigt. Die Verwendung dieses Materials sei wohl zufällig erfolgt, teilte Volker Jenderny vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein mit. Er zählt sei Jahrzehnten zum Team der „Jäger der versunkenen Lok“.

Das Gesteinsmaterial, das  mit dem üblichen aus dem Hunsrück-Taunus-Quarzit-Rücken stammenden Buhnen-Material verklappt worden sein könnte, sorgte  „für die auch für die Lok passende Anomalie“  – also den magnetischen Fußabdruck, der den Maßen der rund 20 Tonnen schweren Dampflok entsprach. Die Steine hatten die Anwesenheit des Eisenbahnschatzes vorgetäuscht.

Es geht mit dem gleichen Forscherdrang an die Fortsetzung der Loksuche

Natürlich war die Enttäuschung der Lokjäger und vieler Eisenbahnfans Anfang Oktober riesengroß, als das Scheitern der Bergung bekannt geworden war. Viele Rückmeldungen aus ganz Deutschland hatten bei den Lokjägern dafür gesorgt, ihren anfänglichen Entschluss, die Loksuche endgültig einzustellen, zu überdenken. Das ist mittlerweile geschehen. Fazit Jenderny: „Es geht mit gleichem Forscherdrang an die Fortsetzung der Loksuche“.

Fundort wird weiterhin bei Rheinkilometer 387 vermutet

Derzeit würden die dazu besten technischen Möglichkeiten ermittelt. Der Fundort wird weiterhin im Umfeld der Buhne 527 bei Rheinkilometer 387 vermutet. „Das hat sich bei den Recherchen herauskristallisiert“, betont Jenderny im BNN-Gespräch.

Lok wäre die älteste noch erhaltene Dampflok Deutschlands

Sollte es gelingen, den Eisenbahnschatz zu bergen, wäre die Lok die älteste noch erhaltene Dampflok in Deutschland, und eines der ältesten noch erhaltenen Exemplare weltweit. Vorgesehen ist, die Lok im Eisenbahnmuseum in Darmstadt-Kranichstein zu präsentieren – sofern sie gefunden wird. Das privat geführte Museum hat sein Domizil im ehemaligen Bahnbetriebswerk Kranichstein in Darmstadt.

Einer,  der die Loksuche ganz entscheidend in Gang brachte, war der ehemalige Lokführer Horst Müller aus Cochem. Im BNN-Interview erläuterte er im April bei der Vorstellung der geplanten Bergungsaktion in Mainz seine Beweggründe, an dem Thema über Jahrzehnte dranzubleiben.  Demnach hatte ihn das Schicksal der Keßler-Lok aus Karlsruhe schon als Zwölfjährigen fasziniert.

Lok krachte bei Überführung per Schiff in den Rhein

Die Lok war bei der Überführung im Februar 1852 von Karlsruhe nach Köln per Schiff bei Sturm von dem Segelfrachter in den Fluss gekracht. Damalige Bergungsversuche scheiterten. Dass es die Lok tatsächlich gab, ist gesichert: Sie wurde im Jahr 1852 auch als Versicherungsfall registriert.