Was ist mit dieser Füchsin? Das Aussehen des Weibchen könnte auf ein Frühstadium der Fuchsräude hindeuten. Es sind jedoch auch andere Gründe für die Verfassung des Tiers vorstellbar. | Foto: Franz Lechner

Fuchsräude im Landkreis

Die Tiere verenden nach langem Siechtum

Von Franz Lechner
In einigen Teilen Baden-Württembergs, so in Südbaden, und auch in Hessen berichten Tageszeitungen derzeit über das Auftauchen einer fast vergessenen Plage in den heimischen Wäldern: der Fuchsräude. „Das ist ein von der Milbenart Sarcoptes scabiei verursachtes Leiden, das vor allem Füchse, aber auch Hunde befällt und das leicht vom Fuchs auf den Hund oder auch von Hund zu Hund übertragen werden kann“, erklärt die Karlsruher Tierärztin Ruth Kothe, warum das Auftauchen der Fuchsräude bei vielen Hundebesitzern für Unruhe sorgt. Wie die Situation im Landkreis aussieht, ist allerdings nicht genau bekannt.

Einzelne Fälle von Fuchsräude im Landkreis Karlsruhe

„Die Fuchsräude fällt nicht unter die meldepflichtigen Krankheiten, deshalb gibt es auch keine statistischen Daten, auch nicht im Veterinäramt“, sagt Ruth Kothe. Einzelne Fälle wurden aber auch im Landkreis von Jägern beobachtet. Beispielsweise in Karlsdorf-Neuthard. „Ich habe bei uns auf dem Gelände der Greifvogelpflegestation jüngst einen durch die Räude gestorbenen Fuchs gefunden“, berichtet einer der beiden Leiter der Station, Hans-Jürgen Görze. Und auch in Stutensee-Spöck fand der Jäger Thomas Hornung einen an der Räude gestorbenen Fuchs.

Milben leben auf der Haut der befallenen Tiere

Erkennen kann man die Krankheit relativ einfach. Die befallenen Tiere sind nämlich meist schwer gezeichnet. „Die Milben leben auf der Haut der befallenen Tiere und rufen dort allergische Reaktionen hervor. Die weiblichen Milben fressen sogar Gänge in die Haut ihrer Wirtstiere und legen dort ihre Eier ab“, beschreibt Ruth Kothe das Treiben der Parasiten. Die Folgen seien ein schrecklicher Juckreiz, Fellverlust, blutig gekratzte und oft stark verschorfte Hautpartien.

Übertragung auf Hunde möglich

„Am Ende verenden die Tiere dann oft an Sekundärinfektionen, also an Krankheitserregern, die über die aufgekratzten Stellen in den Körper des kranken Tieres eindringen“, erzählt die Tierärztin. Symptome, die auch bei befallenen Hunden auftreten. Während Füchse aber oft nach einem langen Siechtum an der Krankheit verenden, gibt es für Hunde Hilfe beim Tierarzt. „Glücklicherweise haben wir Präparate, mit denen wir die Räude behandeln können“, beruhigt Ruth Kothe besorgte Hundebesitzer.
Zu einer Ansteckung mit den Parasiten kann es übrigens nicht nur durch einen direkten Kontakt von frei laufenden Hunden mit lebenden oder toten Füchsen kommen, der bloße Kontakt mit einer von befallenen Füchsen berührten Stelle kann manchmal schon reichen. So berichten zumindest verschiedene Tageszeitungen.
„Das ist aber sicher die Ausnahme“, betont die Karlsruher Tierärztin, die diese Ansteckungsgefahr eher für gering hält. Wesentlich höher sei das Risiko, dass die Krankheit von Hund zu Hund übertragen werde. „Deshalb gilt, dass jeder Hundehalter, dessen Hund an Räude erkrankt ist, während der oft viele Tage dauernden Behandlung jeden Kontakt zu anderen Vierbeinern meiden muss“, betont Ruth Kothe.

 

Über die Situation der Fuchsräude in der Region ist nicht viel bekannt. Bekannt ist aber, dass die Fuchsdichte im Landkreis hoch ist, und dass eine hohe Fuchsdichte die Fuchsräude fördert. Problematisch ist auch, dass inzwischen viele Füchse im menschlichen Siedlungsbereich leben.
Hundehalter sollten also auf verdächtige Symptome bei ihren Tieren achten. Und sie sollten bei ersten Krankheitszeichen den Körperkontakt meiden. Der Mensch kann nämlich ebenfalls von den Sarcoptes-Milben befallen werden. Vor allem an den Körperteilen mit denen man seinen Vierbeiner direkt berührt – die Hände und häufig auch das Gesicht – kann es zur Übertragung der Milben kommen.
Für die Parasiten ist der Mensch allerdings ein Fehlwirt. Deshalb pflanzen sich die Milben auf Menschen nicht fort und rufen „nur“ die so genannte Pseudokrätze hervor. Juckende Hautquaddeln wie nach einem Mückenstich sind die vergleichsweise harmlosen Folgen.