Botanischer Garten
DER BOTANISCHE GARTEN am Schloss zieht mit seinen Pflanzenschauhäusern seit über 150 Jahren Neugierige an. Die Front gehört zu Karlsruhes Postkartenmotiven. Jetzt sind alle drei Glashäuser saniert und öffnen bald nach zwei Jahren wieder – links das Kalthaus für die Kakteen, in der Mitte das hohe Palmenhaus und rechts das Warmhaus für die tropischen Pflanzen. | Foto: jodo

Botanischer Garten am Schloss

Die Tropen kehren ins Glashaus zurück

Das exotische Etwas fehlt

Im Warmhaus pflanzen die Gärtner gerade tropisches Grün. Im neuen Wasserbecken schwimmen schon Seerosen aus feuchtwarmen Dschungelbreiten. Bald zwei Jahre ist die Attraktion im Botanischen Garten zwecks aufwendiger Sanierung und Modernisierung geschlossen. Karlsruhe fehlt damit an seiner Postkartenfront das exotische Etwas.

Am 26. April sind die neuen Glashäuser offen

Nun aber müssen die Karlsruher und ihre Gäste nicht mehr lange auf einen Besuch ihrer traditionsreichen Sehenswürdigkeit warten: Am 26. April werden das Warmhaus, das Palmenhaus und das bereits seit zwei Jahren restaurierte Kalthaus für die Sukkulenten und Zitrusgewächse wieder offiziell vom Land eröffnet.

Kakteenhaus
.STACHELKULT UNTER GLAS: Der Goldkugelkaktus, genannt „Schwiegermuttersitz“, lockt im Sukkulentenhaus. Aber nur schauen, nicht setzen. | Foto: jodo

Bis zu seiner Feier will das Stuttgarter Finanzministerium keine detaillierten Informationen über die sich unter neuem Glas entwickelnden Prachtpflanzen und keine Fotos zulassen. Deshalb können die BNN jetzt nur eine Außenaufnahme von der erneuerten Glaslandschaft zwischen Orangerie und Torbogengebäude sowie Bilder aus dem Kalthaus, wo zum Frühlingsauftakt in Baden bereits die ersten Zitronen blühen, zeigen.

Alle stacheligen Schwiegermuttersitze sind zurück im Glashaus des Botanischen Gartens beim Schloss. Auch die Säulen-Kakteen ragen dort wieder auf wie in der Wüste Arizonas. Und neben Mandarinen und Pomeranzen spreizen sich bizarre Zitrusfrüchte mit dem Namen „Buddhas Hand“.

 

Buddhas Hand
BUDDHAS HAND: Die Zitrusfrucht gedeiht bei acht Grad Minimum im Kalthaus. | Foto: jodo

„Bis zum Eröffnungstermin wird alles definitiv fertig“, versichert Thomas Huber, Chef der Gärten und Anlagen um das Schloss. „Wir haben noch einen Zeitpuffer drin“, deshalb sei es auch nicht schlimm, dass der Pflanzentransport aus Holland diese Woche wegen der Kälte sicherheitshalber ausfalle. Dagegen habe die anhaltende Kälte Anfang 2017 die Verspätung des Sanierungsendes um ein halbes Jahr verursacht, erklärt Huber.

3,5 Millionen Euro für Glashaussanierung

Vor drei Jahren wurde der Gesamtaufwand des Landes für die Sanierung der drei historischen Gewächshäuser und die Modernisierung ihrer Technik auf 3,5 Millionen Euro veranschlagt.
Die Verglasung der Pflanzenschauhäuser, die in Spitzenjahren 18 000 Besucher haben, ist wieder wie vor dem Zweiten Weltkrieg gerundet. Das Traggerüst aus dem 19. Jahrhundert ertüchtigt. Dazu ändert sich viel an der Pflanzenwelt im Palmen- und im Warmhaus.

Pflanzen nach historischem Konzept

Man verfolge jetzt ein anderes Konzept und orientiere sich am historischen Pflanzplan von 1888, erklärt Gartenchef Huber. Der Karlsruher Schlossgärtner ließ also in der Schlossgärtnerei im Hardtwald exotische Pflanzen kultivieren. Die gar nicht mehr gängigen Pflanzen orderte er in europäischen Zuchtbetrieben. Die neuen Palmen stehen schon an ihrem Platz – die Wedel in Augenhöhe. Es wird Jahrzehnte brauchen, bis sie wie ihre Vorgänger an das Glasdach reichen. Auch im Warmhaus muss sich das noch spärliche Grün auswachsen, bis sich die Besucher des Botanischen Gartens unter dem Glasdach wieder wie im echten Dschungel vorkommen.

Altes Stahlskelett  ertüchtigt

Die Gusseisengerüste der Gartenhäuser von 1865 wurden wegen der Korrosionsschäden saniert. Doch nicht nur die statische Sicherheit ist wieder da. Die Pflanzenschauhäuser haben das Eckige eingebüßt und besitzen jetzt wieder eine gerundete Verglasung. Wand und Dach gehen ansatzlos ineinander über. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs hatten sie beschädigt, der Wiederaufbau um 1955 sie gravierend verändert.

Die provisorischen Stützen des durch eine Doppelverglasung zu schweren Dachs sind verschwunden. Eine dünnere und damit leichtere Glashülle ist gekommen. Damit ist die Rückkehr zur Ur-Architektur des Karlsruher Baumeisters Heinrich Hübsch vollzogen.