Tunnelbaustelle Karl-Friedrich-Straße
DIE LETZTE TUNNELBAUZONE in der U-Strab-Stadt: Unter der Karl-Friedrich-Straße wird in dem von Bergleuten mit Baggern gegrabenen Tunnel nun die Betonröhre bis Ende Oktober eingezogen. Damit wird das Bauwerk langfristig stabil und wasserdicht. | Foto: jodo

U-Strab-Tunnel ist sicher

Die unterirdische Gefahr ist durch Beton gebannt

Die Erleichterung darüber ist bei den Tunnelbauern in Karlsruhe groß: Der U-Strab-Rohbau ist fast fertig – und abgesehen von drei Störfällen ist kein großer Schaden entstanden.

Tunnelbau gilt als geglückt

Aus heutiger Sicht also scheint das Schwierigste geschafft: Das Bohren des Tunnelbaumaschinenzugs „Giulia“ unter der Kaiserstraße sowie das Baggern und Betonieren der Bergleute unter der Karl-Friedrich-Straße, dazu das Aushöhlen und Befestigen der Betonhallen für die sieben U-Strab-Stationen gelten als geglückt.

Uwe Konrath kann aufatmen. Der Kelch ist an Karlsruhe vorbeigegangen. Die aktuelle Tunnelbau-Katastrophe für die DB mit der Havarie der wie „Giulia“ beim Weltmarktführer Herrenknecht in Schwanau bei Lahr gefertigten Tunnelbohrmaschine bleibt als Mahnung.

Gleiches gilt für den Sturz des Kölner Stadtarchivs in eine U-Bahn-Baugrube 2009, also ein Jahr bevor sich Karlsruhe in die U-Strab-Baustellenstadt verwandelte.

„Jede Tunnelbaustelle ist anders“

„Natürlich ist jede Tunnelbaustelle anders, ein direkter Vergleich verbietet sich also“, erklärt Konrath. Besondere Vorsicht sei da geboten gewesen, versichert Konrath. Hat doch jeder Tunnelbau seine Tücken – dazu die drei Karlsruher Spezialitäten: ein Tunnelbauen unter dicht bebauten und bevölkerten Hauptstraßen einer Großstadt statt im freien Gelände, außerdem so dicht an der Oberfläche wie in keiner anderen City sowie im relativ lockeren Kies-Sand-Wasser-Gemisch des Oberrheingrabens.

Gerade werden noch mittels zweier laufenden Arbeiten – dem Betonieren der Innenröhre für den Südtunnel unter der Karl-Friedrich-Straße sowie der noch fehlenden Hälfte der dicken Innenwände in der U-Station „Europaplatz“ – die letzten Schritte zu einer dauerhaften Stabilität des Tunnelsystems gemacht.

 

Schneidrad für den Tunnel
AS SCHNEIDRAD in den Karlsruher Farben wird am 15. August 2014 am Durlacher Tor in den Untergrund gehievt und dann an „Giulias“ Vortriebskopf montiert. | Foto: jodo

 

Dabei kann Konrath schon seit zwei Monaten beruhigt sein. Im Juni war es mit rund vier Jahren Verspätung vollbracht: Die maximal über drei Meter dicke Bodenplatte liegt seitdem genauso wie die zwei Meter dicke Tunnelsohle des Karl-Friedrich-Tunnels festbetoniert in der Tiefe. „Wir haben einen Zustand erreicht, in dem nach unserer Einschätzung nichts mehr passieren sollte“, betont Konrath.

Die Risiken des Tunnelbaus „sind jetzt weitestgehend ausgeschlossen“, nur gravierende Naturereignisse könnten noch Schäden anrichten. In zwei Monaten habe man dann auch in den letzten Tunnelabschnitten dank Wasser abweisender Stahlbetonmauern eine nachhaltige Sicherheit auf 100 Jahre hergestellt. „Dann haben wir eine komplette Stabilität, nachhaltig auf 100 Jahre.“

Durchschlag am Kaiserplatz
„GIULIAS“ DURCHSCHLAG vom 7. September 2015 wird wenige Tage später am Kaiserplatz gefeiert. | Foto: jodo

Vor fast zwei Jahren schon, am 7. September 2015, gelang „Giulia“ am Kaiserplatz der Durchschlag, während ihre bei einem Durchmesser von über elf Metern rund zwei Meter dickere Schwester „Wilhelmine“ jetzt 50 Meter vor dem Ziel südlich von Rastatt trotz Vereisung des Bodens im Kieswasser havarierte.

Die aus sechs Betonteilen, den Tübbingen, zusammengesetzte Betonröhre bekam dicht hinter dem Schildkopf Risse, Wasser drang in den Tunnel, das Erdreich setzte sich und die Gleise sackten ab. Bei dieser Katastrophe für den Bahnverkehr soll jetzt die Röhre auf rund 50 Meter Länge verfüllt und dabei „Wilhelmine“ in Beton eingegossen werden.

Dass jemals eine gigantische Tunnelvortriebsmaschine im selbstgebohrten Stollen aufgegeben wurde, ist unter Karlsruher Experten des globalen Tunnelbaus nicht bekannt. „Giulias“ Ankommen wurde dagegen in Karlsruhe im September des Jubelsommers zum 300. Stadtgeburtstag gefeiert. Dabei war sie damit schon ihrem Ende nah. Nur drei Wochen nach dem durchschlagenden Erfolg beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal war das Schneidrad zerteilt.
Ein Kran zog es aus dem Schacht und ließ das zerbeulte Rad ins Gras sinken. In den folgenden Wochen wurde auch der Bohrkopf demontiert, anschließende der restliche Tunnelbauzug unter der Innenstadt durch zum Durlacher Tor zurückgezogen.

Erinnerungen an „Giulia“

Die Erinnerung an „Giulia“ und ihre bei nur wenigen Verschnaufpausen insgesamt zehn Monate langen Untergrundfahrt, die unter dem Schutz der Heiligen Barbara und der Tunnelpatin Gerlinde Hämmerle stand, sind bei vielen Karlsruhern noch frisch. Von „Giulia“ selbst aber sind nur einige Backenbrecher und Meißel sowie ein Stück aus der Schilddrehscheibe als Museumsstücke an ihrem Einsatzort geblieben.

 

Störfälle

 

Drei Mal schrillten die Alarmglocken beim U-Strab-Bau – zwei Mal war der Riesenbohrer „Giulia“ in die bedrohlichen Vorfälle mit Einsturzgefahr in der City verwickelt. Jedes Mal funktionierten die Messsysteme und die Warneinrichtungen. Der Straßenbahnverkehr wurde eingestellt – ein Mal drei Wochen lang an einer Stelle, der Gefahrenherd jeweils schnell stabilisiert, und der Schaden war relativ schnell behoben. Im März 2015 geriet „Giulia“ im vorgefertigten U-Station-Betonkasten unter der Kaiserstraße auf Höhe „Schöpf“ in einen Hohlraum und kam nicht mehr weiter.

Damals wurde bei der Kasig eine Vereisung zur Verfestigung des Bodens erwogen. Doch dann gelang die Verfüllung des Raums unter dem Deckel mit durch die Betondecke injizierten Dämmerstoff – und „Giulia“ war wieder flott.
Zwei Monate später wurde „Giulia“ 200 Meter westlich an der Ecke „Herrenstraße“ erneut gestoppt – diesmal bei ihrer Ausfahrt aus dem Haltestellenblock. Durch einen Steuerungsfehler bliebt der Bohrkopf in der Querwand hängen, während das Schneidrad davor noch kreiste und den Untergrund aufwühlte. Die Erde über „Giulia“ geriet ins Rutschen und sackte im Straßenbahngleis ab.

Den U-Strab-Bauern gelang es den Boden zu stabilisieren und mit einem Sandquarzgemisch per scharfem Düsenstrahl „Giulias“ festgefahrenen Kopf freizuschneiden.

Der dritte Störfall hatte nichts mehr mit „Giulia“ zu tun. Im September 2016 drang beim Ausbaggern der Station „Kronenplatz“ Wasser durch Fugen zwischen den Schlitzwandlamellen. Nach wenigen Tagen war das Loch endgültig gestopft. Der Bahnverkehr blieb drei Wochen behindert, weil der Boden im Umfeld der Schadstelle untersucht und verfestigt wurde.