Revolution auch in der Musik: Der Holzstuhl auf dem Jimi Hendrix 1969 gesessen haben soll, steht im Stuttgarter Haus der Geschichte neben einem Plakatmotiv mit Hendrix als Medusa mit Stromkabeln von Günther Kieser in der Ausstellung «Denn die Zeiten ändern sich». | Foto: Sina Schuldt/dpa

Aufgefallen

Die Zeichen stehen auf Revolution

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Von der Reformation zur Revolution … Denn die Zeiten ändern sich. Auch in die Karlsruher Museumslandschaft kommt Bewegung. Und die Revolution wird ausgerufen – für Anfänger!

Bye, bye Luther…

Die Reformation – sie war das große Thema 2017. An Luther und den Folgen gab es kein Vorbei. Was auffiel: In vergangenen Jahrhunderten wurde bei Reformationsjubiläen stets das Trennende hervorgehoben. Man betonte die konfessionellen Gegensätze. Doch diesmal haben sich evangelische und katholische Offizielle  demonstrativ ihrer Gemeinsamkeiten besonnen. Nach 500 Jahren sind die Kirchen zusammengerückt. Und viele Leute, die sich dem Thema Reformation beim Besuch einer Ausstellung näherten, waren ohnehin eher von kulturhistorischem, als von missionarischem Eifer beflügelt. Anlässe, sich die Köpfe heiß zu reden, gab es wenig.

Jetzt sind die 68er dran!

Das könnte bei einem großen Thema des Jahres 2018 anders werden. Die Zeichen stehen auf Revolution. Gerade mal 50 Jahre ist es her, da begehrten die Sprösslinge des Wirtschaftswunders auf. Sie protestierten gegen die Autorität der Vätergeneration. Gegen erstarrte Strukturen. Gegen den Vietnamkrieg. Gegen die rigide Sexualmoral. Gegen die Nichtaufarbeitung des Nationalsozialismus. Und, und, und …

Wie ein Flächenbrand breitete sich die Kultur des Alles-in-Frage-Stellens aus. Tausende – vor allem Studenten – gingen auf die Straße und als 68er in die Geschichtsbücher ein. Das Jahr 1968 steht für eine Zäsur, für revolutionäre gesellschaftliche Umwälzungen. Kein Wunder, dass sich jetzt viele Museen auf das Thema stürzen.

Das Haus der Geschichte in Stuttgart ist schon mal vorgeprescht. „Denn die Zeiten ändern sich“ heißt die Schau in der Landeshauptstadt. Sie zeigt, wie der Protest, die Provokationen und die Popkultur der 1960er Jahre den Südwesten prägten.

Brauchen wir eine neue Revolution?

Ab 24. April 2018  nimmt dann das Karlsruher Stadtmuseum mit der Ausstellung „Bewegt euch!“ 1968 und die Folgen für die Fächerstadt in den Blick. Und das Badische Landesmuseum schlägt den ganz großen Bogen, wenn es sich bereits ab 21. April mit den unterschiedlichsten Revolutionen beschäftigt – 1968 inklusive. „Revolution! Für Anfänger“ ist im Karlsruher Schloss angesagt.

„Geschichte, die noch qualmt“

Was fast wie eine Aufforderung klingt. Und den ein oder anderen zum Widerspruch reizen dürfte. Denn eine Revolution fegt stets auch Vertrautes und Bequemes hinweg. 1968 – das ist „Geschichte, die noch qualmt“. Nach wie vor gibt es Leute, die die 68er für Werteverlust, Geburtenrückgang und Bildungsnotstand verantwortlich machen. Andere feiern die Ereignisse vor 50 Jahren als Aufbruch in eine moderne, eine freiere Gesellschaft. Anlässe, sich die Köpfe heiß zu reden, dürfte es im Jubiläumsjahr 2018 also genug geben.

…Denn die Zeiten ändern sich. Die 60er-Jahre in Baden-Württemberg. Stuttgart, Haus der Geschichte Baden-Württemberg, bis 24. Juni 2018. Mehr Infos.
Revolution! Für Anfänger. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, 21. April bis 11. November 2018. Mehr Infos.
Bewegt euch! 1968 und die Folgen in Karlsruhe. Karlsruhe, Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais, 27. April bis 14. Oktober 2018. Mehr Infos.