Lichtspiele für das Ringe-Festival am und rund um das Tokioter Olympiastadion. Darin werden im Sommer das Fußballturnier und die Leichtathletikwettkämpfe sowie die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Spiele stattfinden. Auch viele Vertreter aus Badens Spitzensportszene hoffen dann, vor Ort dabei zu sein.
Lichtspiele für das Ringe-Festival am und rund um das Tokioter Olympiastadion. Darin werden im Sommer das Fußballturnier und die Leichtathletikwettkämpfe sowie die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Spiele stattfinden. Auch viele Vertreter aus Badens Spitzensportszene hoffen dann, vor Ort dabei zu sein. | Foto: dpa

Olympische Spiele in Tokio

Das sind die 15 Olympia-Hoffnungen aus Nord- und Mittelbaden

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Am 24. Juli beginnen die Olympischen Spiele in Tokio. 5.000 Teilnehmer aus 140 Nationen kämpfen um Gold, Silber und Bronze. Auch zahlreiche Athleten aus der Region rund um Karlsruhe, Pforzheim, Achern und Bruchsal machen sich Hoffnungen. Unsere Sportredaktion hat die Favoriten zusammengetragen.

Das Sehnsuchtsziel internationaler Spitzenathleten aus 33 Sportarten ist im Sommer natürlich Tokio. Am 24. Juli werden in Japans Hauptstadt die XXXII. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Bis zur Schlussfeier am 9. August werden an die 5.000 Teilnehmer aus 140 Nationen sowie voraussichtlich weitere 150 Olympische Athleten aus Russland in 339 Wettbewerben, die sich auf 51 Disziplinen verteilen, um Medaillen kämpfen. Auch für die Asse aus der Region ist die Teilnahme an den Spielen, die 1964 schon einmal in Tokio ausgetragen wurden, das höchste ihrer sportlichen Gefühle.

Dabeisein ist dann meist schon alles. Für einige Anwärter könnte es zudem der letzte Anlauf werden, um sich in den Olympia-Annalen zu verewigen, da sich die Chance zur Teilhabe am wichtigsten Sportereignis der Welt eben nur alle vier Jahre ergibt. Die meisten Hoffnungsträger, die sich mit ganz unterschiedlichen Aussichten dem Normen-Wettbewerb stellen, stecken mitten in den Qualifikationsmühlen ihrer Sportarten. Die Wege nach Tokio sind oft steinig – auf den ersten Blick oft nicht immer ganz berechenbar.

Aus der Bundesliga-Riege der KTV Straubenhardt dürfen sich einige Kunstturner Hoffnungen machen, in Tokio dabei zu sein. Die Kanuten der Rheinbrüder Karlsruhe haben mehrere Eisen im Feuer. Das eine oder andere Leichtathletik-Ass aus der Region ist in Japan zu erwarten, wobei der Baden-Badener Geher Carl Dohmann und der Kirrlacher Speerwerfer Andreas Hofmann die besten Chancen haben dürften.

Gewichtheberin, Ringerin und Boxerin kämpfen um Olympia-Ticket

Starke Frauen aus dem Badenerland mühen sich darum, die Weltmesse der Muskelspiele nicht nur vor dem Fernseher verfolgen zu müssen. Da sind die Gewichtheberin Sabine Kusterer vom Karlsruher Bundesligisten KSV Durlach, die Ringerin Luisa Niemesch vom SV Germania Weingarten und auch die Boxerin Azize Nimani vom Karlsruher SC. Während es für die frühere Zweitliga-Fußballerin Nimani eine Premiere wäre, würde sie in Tokio ihre Fäuste olympisch sprechen lassen, haben Kusterer und Niemesch bereits die Erfahrung der Spiele 2016 in Rio de Janeiro vorzuweisen.

Treffsichere Schützen wie Cedric Rieger und Beate Köstel oder André Link und Max Braun hoffen darauf, die internationalen Zielscheiben Olympia-reif zu treffen. Das nehmen sich auch die Handballer-Nationalspieler der Rhein-Neckar Löwen vor, die mit der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes noch um den Start fighten müssen. Dang Qiu vom Tischtennis-Pokalsieger ASV Grünwettersbach hat sich zuletzt immer stärker in den Fokus gespielt. Mit ihm wird zu rechnen sein.

Im Baseball (Männer) und Softball (Frauen), die nach zwölfjähriger Pause ins Programm zurückkehren, sind badische Vertreter nicht zu erwarten. Unter anderem neu im Kanon der Wettbewerbe ist das Sportklettern, dies als Kombinations-Mehrkampf aus Bouldern, Lead und Speed. Anders als dort, gibt es im Skateboard einen badischen Hoffnungsträger für Tokio. Dem in Gaggenau lebenden und in Karlsruhe trainierenden Alex Mizurov sind trotz diverser Rückschläge zumindest Außenseiterchancen zuzuschreiben, seine internationale Karriere mit der Teilnahme an der Olympia-Premiere der Sportart zu krönen.

Diese Athleten können sich Hoffnung auf die Olympischen Spiele in Tokio machen:

Turner des KTV Straubenhardt

Turner Marcel Nguyen
Marcel Nguyen | Foto: Rubner

Zwei erfahrene Turner und zwei Nachwuchskräfte vom Bundesligisten KTV Straubenhardt möchten sich ein Ticket für Tokio sichern. Der 32-jährige Marcel Nguyen zählt mit zwei Silbermedaillen in London zu den erfolgreichsten deutschen Olympiateilnehmern im Turnen. Den steilen Aufstieg verdankt er vor allem seiner Klasse am Barren. Nach einer Schulter-OP befindet sich Nguyen derzeit im Aufbautraining.

Weltweit bekannt ist Andreas Bretschneider – nicht zuletzt aufgrund seiner nach ihm benannten Spezialübung am Paradegerät Reck. Eine Enttäuschung musste der 30-Jährige im vergangenen Jahr hinnehmen, als er nicht für die WM nominiert wurde. Der 22 Jahre alte Nick Klessing gilt als Spezialist an den Ringen. Hier deutete er im WM-Finale 2019 bereits an, dass er eine Bereicherung für das Team sein kann.

Am Pauschenpferd wurde Nils Dunkel (23) zuletzt zweimal in Folge deutscher Meister. Im vergangenen Jahr warf ihn eine Fußverletzung zurück.

Der Weg nach Tokio: Nach der Europameisterschaft in Baku (Mai) müssen die Athleten zwei Qualifikationswettkämpfe absolvieren: die deutschen Meisterschaften in Oberhausen (6./7. Juni) und ein Qualifikationsturnier in Frankfurt (20. Juni). Erst danach wird feststehen, welche vier Turner Cheftrainer Andreas Hirsch nominiert.

Unser Tipp: Schafft es Nguyen, rechtzeitig fit zu werden, wird Cheftrainer Hirsch auf den Ausnahmeturner kaum verzichten. Bretschneider könnte sich mit eine starken Leistung am Reck empfehlen. Kleine Chancen haben Klessing und Dunkel.

Geher Carl Dohmann

Carl Dohmann
Carl Dohmann | Foto: dpa

Eher zufällig kam der gebürtige Hannoveraner im Alter von elf Jahren zur Leichtathletik. Als er seine Schwester vom Training abholen wollte, wurde er in verschiedenen Disziplinen selbst aktiv. Nur im Gehen zeigte sich dabei sein Talent. Heute zählt der 29-Jährige vom SCL Heel Baden-Baden weltweit zu den Besten seines Fachs. Über die 50 Kilometer sicherte sich Dohmann mehrfach den nationalen Titel. Bei Europa- und Weltmeisterschaften startet Dohmann seit 2014, zuletzt erreichte er bei der EM 2018 in Berlin und der WM 2019 in Doha die Ränge fünf und sieben.

Negativ lief seine Olympia-Premiere: Bei den Spielen in Rio 2016 musste er aufgeben. Abseits des Sports arbeitet Dohmann, der in Bochum aufwuchs und VfL-Anhänger blieb, an einer journalistischen Laufbahn. Nach dem Abitur in Baden-Baden schrieb er bereits während seines inzwischen beendeten Studiums der Volkswirtschaftslehre in Freiburg für verschiedene Zeitungen.

Der Weg nach Sapporo: Nicht in Tokio, sondern klimatisch bedingt im rund 1.000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Sapporo kämpfen die Geher um die Medaillen. Erfüllt Dohmann die Norm, die bei 3:50 Stunden liegt, ist er sicher mit dabei. Im besten Fall löst er das Ticket für die Spiele bereits am 21. März bei einem Wettkampf in der Slowakei. Gelingt dies nicht, dürfen maximal zwei andere Deutsche diese Zeit erfüllen.

Unser Tipp: Dohmann bekommt seine zweite Olympia-Chance.

Gewichtheberin Sabine Kusterer

Sabine Kusterer
Sabine Kusterer | Foto: GES

Bei ihrer Olympia-Premiere 2016 in Rio sorgte die starke Frau aus Karlsruhe nicht nur auf der Heberbühne für Aufsehen. Mit ihrer kurzen Zwischenmahlzeit, einer Banane mit Schokoaufstrich, die sie in der Pause zwischen Reißen und Stoßen verdrückte, landete sie bundesweit in den Gazetten.

Genau wie mit ihrem starken zehnten Platz im 58-Kilo-Limit, auf den sie sich damals mit einer Zweikampfleistung von 200 Kilo (Reißen 90/Stoßen 110) gehoben hatte. Inzwischen hat Kusterer ihre Bestmarken noch einmal gesteigert: Im Reißen stehen 97, im Stoßen 119 Kilogramm zu Buche.

Zuletzt musste die Leistungsträgerin des Bundesligisten KSV Durlach kürzertreten, weil ihr eine Oberschenkelverletzung zu schaffen machte. In der letzten Phase der Olympia-Qualifikation will die 29-Jährige, die in Leimen wohnt und am dortigen Olympia-Stützpunkt trainiert, wieder angreifen. Auch außerhalb der Wettkampfstätten ist Kusterer umtriebig: Seit September 2018 ist sie Vizepräsidentin des Badischen Sportbundes Nord.

Der Weg nach Tokio: Die letzte Qualifikationsphase läuft noch bis Ende April. Bis dahin können Athleten bei zahlreichen Wettkämpfen Punkte sammeln. Am Ende stehen pro Gewichtsklasse 14 Startplätze zur Verfügung. Um ihre Aussichten zu erhöhen, geht Kusterer gleich in drei verschiedenen Gewichtsklassen (bis 59, 64 und 76 Kilo) auf Zählerhatz.

Unser Tipp: Durch die Verletzung und den neuen Modus ist der Weg zu Olympia für Kusterer steinig.

Tischtennisprofi Dang Qiu

Dang Qiu
Dang Qiu | Foto: GES

In der vierten Saison geht der vor 23 Jahren in Nürtingen geborene Tischtennisprofi mit den chinesischen Genen für den Bundesligisten ASV Grünwettersbach an den Start. Dass der ASV Anfang Januar die Sensation schaffte und deutscher Pokalsieger wurde, haben die Karlsruher auch Dang Qiu zu verdanken, der nicht nur ein starker Einzelspieler ist, sondern auch und gerade im Doppel zur Weltspitze zählt.

Zusammen mit seinem wie er in Düsseldorf lebenden Trainings- und WG-Partner Benedikt Duda gewann Dang Qiu bei den deutschen Meisterschaften den Doppel-Titel, international machte sich das Duo durch die Finalteilnahmen bei den Japan Open und bei den German Open einen Namen. Zuletzt gewann Dang Qiu, der bei der Wahl zu Karlsruhes Sportler des Jahres 2019 ein heißer Kandidat ist, die Portugal Open – allerdings im Einzel.

Der Weg nach Tokio: Im Einzel stehen dem Deutschen Tischtennis-Verband zwei Quotenplätze zu, die an Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov vergeben scheinen. Im Doppel wird in Tokio nicht um Medaillen gespielt. Für das Mixed haben sich Petrissa Solja und Patrick Franziska schon qualifiziert. Aber für das Quartett des Team-Wettbewerbs kommt Dang Qiu wegen seiner Doppel-Qualitäten, die auch auf seiner Penholder-Schlägerhaltung beruhen, als vierter Mann infrage.

Unser Tipp: Dang Qiu hat eine realistische Chance auf eine Nominierung für den olympischen Team-Wettbewerb.

Ringerin Luisa Niemesch

Luisa Niemesch
Luisa Niemesch | Foto: imago images

Die Weingartenerin ist zwar erst 24 Jahre jung, hat auf den Ringer-Matten dieser Welt aber schon so manche Erfahrung gesammelt. Ihre bislang wichtigste war ihre unerwartete Olympia-Premiere 2016 in Rio, als Niemesch in zwei Kämpfen gegen starke Kontrahentinnen jeweils klar verlor.

Danach entwickelte sich die Athletin des SV Germania Weingarten, die in der Nähe der SVG-Ringerhalle aufwuchs, kontinuierlich weiter, kam bei der WM 2017 auf Platz fünf und holte bei der U23-WM 2018 Bronze. Zuletzt schied die Wahl-Freiburgerin, die am dortigen Olympiastützpunkt trainiert, bei der EM in Rom im Viertelfinale aus.

Der Weg nach Tokio: Bei den Turnieren in Budapest (19. bis 22. März) und in Sofia (30. April bis 3. Mai) erhalten die beiden Besten in jeder Gewichtsklasse ein Olympia-Ticket.

Unser Tipp: Zeigt Niemesch ihre Bestleistung, ist die Quali machbar.

Ringer Ahmed Dudarov

Ahmed Dudarov
Ahmed Dudarov | Foto: dpa

Der in Russland geborene Freistil-Ringer hat 2019 mehrfach aufhorchen lassen. Bei den Europaspielen wurde Dudarov Dritter, bei den Militär-Weltspielen gar Zweiter, bei der WM sprang ein achtbarer siebter Platz heraus.

Der 27-Jährige kämpfte mehrere Jahre für den SV Germania Weingarten in der Bundesliga, wurde 2017 mit den Germanen deutscher Mannschaftsmeister. Bei nationalen Titelkämpfen startet der Sportsoldat aus der Sportfördergruppe Bruchsal nach wie vor für die Weingartener – 2019 holte Dudarov den Titel in der 86-Kilo-Klasse.

Der Weg nach Tokio: Bei der WM 2019 in Nur-Sultan fehlte Dudarov nur ein Sieg zur Olympia-Qualifikation, die er nun bei den Quali-Turnieren in Budapest (19. bis 22. März) und Sofia (30. April bis 3. Mai) anpeilt. Die beiden Besten pro Klasse lösen das Ticket.

Unser Tipp: Knüpft er an sein starkes Jahr 2019 an, stehen die Chancen gut.

Weitspringer Julian Howard

Julian Howard
Julian Howard | Foto: dpa

Der gebürtige Mannheimer startet seit 2012 für die LG Region Karlsruhe, seither gewann er in fast jedem Jahr mindestens eine Medaille bei nationalen Titelkämpfen, wurde dreimal in der Halle und einmal im Freien Deutscher Meister.

2017 gewann er mit der Nationalmannschaft Gold bei der Team-EM. Der Referendar für Sport und Mathematik am Karlsruher Max-Planck-Gymnasium nahm mehrfach an Europameisterschaften teil und qualifizierte sich auch für die Weltmeisterschaften. Die Bestleistung des 30-Jährigen liegt bei 8,20 Meter.

Der Weg nach Tokio: Mit einer Weite von 8,22 Metern wäre Howard in Japan dabei. Eine zweite Chance bietet sich über die bereinigte Weltrangliste, also mit nur den besten drei Springern pro Nation. Platz 32 würde genügen.

Unser Tipp: Wenn Howard seine Anlaufgeschwindigkeit am Balken umsetzt, kann er Tokio buchen.

Läufer Constantin Preis

Constantin Preis
Constantin Preis | Foto: Görlitz

Der 21-jährige Läufer, der früher für den TV Pforzheim und heute für den VfL Sindelfingen startet, ist enorm ehrgeizig. Dass er unbedingt nach Tokio will, kommuniziert er ausdrucksstark. Er achtet viel auf seine Ernährung, trainiert mitunter bis zu sechsmal in der Woche.

Bei den Weltmeisterschaften in Doha verpasste er im vergangenen Jahr allerdings das Halbfinale, war danach sichtlich enttäuscht. Seine persönliche Bestleistung über 400 Meter Hürden liegt bei 49,23 Sekunden.

Der Weg nach Tokio: Die Norm für die Olympischen Spiele liegt bei 48,9 Sekunden, diese Zeit gilt es für Preis zu knacken.

Unser Tipp: Preis hat sich zuletzt kontinuierlich gesteigert, muss aber geduldig bleiben und darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Dann ist für ihn die erforderliche Zeit in jedem Fall drin.

Speerwerfer Andreas Hofmann

Andreas Hofmann
Andreas Hofmann | Foto: AFP

Der für die MTG Mannheim startende Kirrlacher zählt schon seit Jahren zur Weltspitze der Speerwerfer, 2018 gewann er die Gesamtwertung in der Diamond League. In seinem bislang erfolgreichsten Jahr sicherte sich Hofmann bei der EM in Berlin hinter Thomas Röhler Silber, zudem steigerte er seine persönliche Bestleistung beim Meeting in Offenburg auf 92,06 Meter.

Zweimal platzierte sich Hofmann bei Weltmeisterschaften in den Top acht. Bei der WM 2019 in Doha scheiterte er allerdings in der Qualifikation.

Der Weg nach Tokio: Das Richtmaß für Olympia sind 85,00 Meter. Die Weite zu werfen, wird für Hofmann kein Problem sein. Allerdings haben gleich fünf deutsche Speerwerfer die Norm drauf, es stehen einem Land aber maximal drei Plätze zu. Mit Norm fährt Hofmann auf jeden Fall nach Tokio.

Unser Tipp: Andreas Hofmann wird dabei sein.

Bogenschütze Cedric Rieger

Cedric Rieger
Cedric Rieger | Foto: imago images

Dass der Bogenschütze aus Karlsbad ein Kandidat für Olympia ist, stellte er erst vor wenigen Tagen unter Beweis, als er sich im Finale der World Series in Las Vegas Rang drei sicherte.

Bereits im vergangenen Sommer war der 32-Jährige vom SSV Karlsbad, der vor Jahren auch für die SSG Vogel Östringen in der Bundesliga geschossen hatte, mit Bronze im Recurve-Mixed-Team von den European Games aus Minsk zurückgekehrt.

Der Weg nach Tokio: Bei der EM in Antalya (20. bis 26. Mai) geht es um einen einzelnen Quotenplatz, beim Weltcup in Berlin (21. bis 28. Juni) um ein Team-Ticket für drei Schützen. Wer aus der deutschen Mannschaft gegebenenfalls mit nach Tokio dürfte, entscheidet sich bis Juni bei drei internen Ausscheidungswettkämpfen.

Unser Tipp: Sichern sich die deutschen Bogenschützen Quotenplätze, ist Rieger ein ganz heißer Kandidat.

Sportschützin Beate Köstel

Beate Köstel
Beate Köstel | Foto: dpa

Olympische Erfahrungen sammelte die Odenheimerin bereits 2012 in London – damals noch unter dem Namen Beate Gauß. Mit dem Luftgewehr verpasste sie allerdings das Finale. In diesem Jahr hofft die 35-Jährige auf die nächste Chance.

Olympia 2016 hatte die Schützin aus einem erfreulichen Grund verpasst: Kurz vor den Spielen waren sie und ihr Mann Frank, Vorsitzender beim Schützenverein Odenheim, zum ersten Mal Eltern geworden. Das zweite Kind kam vor einem Jahr.

Der Weg nach Tokio: Vier deutsche Schützinnen kämpfen um einen Startplatz, ein zweiter Quotenplatz könnte noch dazukommen. Die interne Qualifikation geht von März bis Juni, wobei das Abschneiden bei mehreren internationalen Wettkämpfen und bei Lehrgängen den Ausschlag geben.

Unser Tipp: Kann Köstel an ihre bereits abgerufenen Leistungen anknüpfen, stehen die Chancen nicht schlecht.

Handballer der Rhein-Neckar-Löwen

Jannik Kohlbacher (Mitte) und Uwe Gensheimer (rechts)
Jannik Kohlbacher (Mitte) und Uwe Gensheimer (rechts) | Foto: dpa

Nachdem die deutschen Handballer bei der Europameisterschaft im Januar den Titel verpasst haben und damit auch das direkte Ticket nach Tokio, muss sich die Mannschaft des neuen Bundestrainer Alfred Gislason beim Olympiaqualifikationsturnier einen Platz für die Spiele in Japan erkämpfen.

2016 hatte sich die DHB-Auswahl als Europameister für die Spiele in Rio qualifiziert und dann in Brasilien Platz drei belegt. Zu den Bronzemedaillengewinnern gehörte auch Uwe Gensheimer, der vor den Spielen von den Rhein-Neckar Löwen zu Paris St. Germain gewechselt war und der als Kapitän im Falle einer Qualifikation auch für Tokio gesetzt wäre.

Ebenso darf Löwen-Kreisläufer Jannik Kohlbacher mit Olympia planen, sollte sich das DHB-Team durchsetzen. Patrick Groetzki hat Aussichten, in die Nationalmannschaft zurückzukehren, nachdem er für die EM nicht berücksichtigt worden war. Groetzki stand im Rio-Kader, kam in den beiden ersten Spielen aber nicht zum Einsatz und musste vor der dritten Partie wegen einer Knieverletzung die Heimreise antreten.

Der Weg nach Tokio: Beim Olympiaqualifikationsturnier vom 17. bis 19. April in Berlin bekommt es das deutsche Team mit Schweden, Slowenien und Algerien zu tun. Die beiden Erstplatzierten der Vierergruppe sind in Japan dabei.

Unser Tipp: Mit dem Heimvorteil im Rücken wird sich die Mannschaft mit Gensheimer und Kohlbacher Platz eins oder zwei sichern. Sie muss dafür den Pflichtsieg gegen Algerien einfahren und zudem entweder Schweden oder Slowenien schlagen. sog

Kanute Saeid Fazloula

Saeid Fazloula
Saeid Fazloula | Foto: GES

Saeid Fazloula stammt aus der iranischen Hafenstadt Bandar Anzali und wuchs in einer Sportler-Familie auf. Fazloulas Vater verdiente sich einst als Volleyballer sein Geld. Der heute 27 Jahre alte Fazloula spielte Volleyball, besitzt den Schwarzen Gürtel im Judo und wurde schließlich erfolgreicher Rennkanute. Auch sein Erfolg als iranischer Nationalfahrer schützte den Kajakfahrer nicht vor dem iranischen Regime.

Weil er unter Verdacht stand, zum Christentum konvertieren zu wollen, wurde Fazloula von den Behörden festgesetzt und tagelang massiv verhört. Aus Angst floh er 2015 zunächst zu Fuß über die iranisch-türkische Grenze, dann über Griechenland nach Deutschland. Bei den Rheinbrüdern Karlsruhe fand er eine neue Heimat – nicht nur sportlich. 2018 schaffte er als Mitglied der deutschen Mannschaft zur WM.

Der Weg nach Tokio: Fazloula wird wieder bei den nationalen Qualifikationen des Deutschen Kanu-Verbands im April teilnehmen und könnte darüber den Weg nach Japan schaffen. Die Alternative ist eine Aufnahme durch das Internationale Olympische Komitee ins Flüchtlingsteam.

Unser Tipp: Fazloulas Chance wird das Flüchtlingsteam sein. Dass er es über die DKV-Qualifikation schafft, ist angesichts seines Leistungseinbruchs 2019 und der starken Konkurrenz unwahrscheinlich. Bislang ist er aber noch nicht auf der Liste des IOC für das Flüchtlingsteam. Ein Haken ist, dass ihn der iranische Verband nicht freigeben will. gw

Kanutin Sarah Brüßler

Sarah Brüßler
Sarah Brüßler | Foto: GES

Die Kajakfahrerin, die seit 2014 für die Rheinbrüder Karlsruhe fährt, hat sich in den vergangenen Jahren konsequent in Richtung nationale Spitze gepaddelt. Im Zweier über 1.000 Meter wurde die 25 Jahre alte Kanutin aus Kassel zuletzt bei der WM 2019 Zweite, im Vorjahr war ein dritter Platz herausgesprungen.

Dass die Studentin, die derzeit ihren Master in Psychologie macht, 2019 auf der nichtolympischen Strecke eingesetzt worden war, empfindet sie nicht unbedingt als Nachteil. „Ich habe nichts zu verlieren, das mag ich eigentlich“, sagt Brüßler, die im Vorjahr in der nationalen Rangliste die fünftbeste deutsche Fahrerin war.

Der Weg nach Tokio: So viel sei vorausgeschickt: Das Qualifikations-Prozedere bei den Kanuten ist kompliziert und auch nicht bis ins Letzte transparent. Im Frauen-Kajakbereich hat sich der Deutsche Kanu-Verband (DKV) voriges Jahr vier der sechs möglichen Quotenplätze gesichert. Bei den Weltcups können die zwei weiteren eingefahren werden. Entscheidend dafür sind die zwei Qualifikationen des DKV. Im noch ausstehenden Quotenrennen außen vor sind die Kanutinnen, die 2019 die vier Plätze geholt hatten (Hering, Dietze, John, Arft).

Unser Tipp: Bestätigt Brüßler ihre Vorjahresform, hat sie realistische Chancen, einen Platz im Olympia-Team zu ergattern. Allerdings: die Konkurrenz ist groß. Und: Vor vier Jahren erpaddelte „Rheinschwester“ Sabine Volz im Sprint-Einer zwar den Quotenplatz – im Olympia-Team war sie dennoch nicht. gw

Canadierin Sophie Koch

Sophie Koch
Sophie Koch | Foto: GES

Die Canadier-Frontfrau der Rheinbrüder Karlsruhe hat nach ihrem nationalen Durchbruch 2018 im vergangenen Jahr auch krankheitsbedingt eine schwierige Saison hinter sich, fand nicht zu ihrer Form. Die 22-Jährige kniet sich seit 2016 für die Karlsruher ins Boot und hatte 2018 mit Platz sechs im 500-Meter-Zweier bei der WM und zwei vierten Plätzen bei der EM ihr erfolgreichstes Jahr. In der vergangenen Saison hat die aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern stammende Koch die Qualifikation für das deutsche A-Team verpasst und startete nochmals für das U23-Team. Koch trainiert derzeit vornehmlich in Berlin mit Lisa Jahn.

Der Weg nach Tokio: Bislang hat der deutsche Kanu-Verband zwei von drei Quotenplätzen im Canadier-Bereich der Frauen sicher. Der dritte kann im Einer über 200 Meter geholt werden – wer diese Chance erhält, entscheidet sich bei den nationalen Qualifikationen. Lisa Jahn (Berlin) und Ophelia Preller (Potsdam) werden es nicht sein, sie hatten die zwei Quotenplätze im vorigen Jahr gesichert. Wer den letzten Quotenplatz einfährt, muss aber nicht zwingend auch im Olympia-Team sein. Theoretisch könnte der DKV auch bei drei Plätzen nur zwei Athletinnen für die Rennen im Einer und Zweier schicken.

Unser Tipp: Gegenüber dem Vorjahr müsste Koch einen großen Sprung machen, um es nach Tokio zu schaffen. Die nationalen Qualifikationen müsste sie auf jeden Fall hinter Jahn und Preller als Dritte abschließen.

Diese Athleten aus der Region haben Außenseiter-Chancen: