Die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, im Bild Sänger Jan Gorkow, ist für einen Auftritt beim Open-Air-Festival „Das Fest“ gebucht.
Die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, im Bild Sänger Jan Gorkow, ist für einen Auftritt beim Open-Air-Festival „Das Fest“ gebucht. | Foto: dpa

Auftritt bei Das Fest

Diskussion um „Feine Sahne Fischfilet“

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Seit den TV-Bildern vom Hamburger G-20-Gipfel mit abgefackelten Autos, lädierten Polizeibeamten und marodierenden Links-Chaoten des schwarzen Blocks gewinnt in Karlsruhe eine Debatte an Dynamik, die sich bislang vor allem auf die sozialen Medien erstreckt. Im Fokus steht die Punk-Band „Feine Sahne Fischfilet“.

Die Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern treten beim Karlsruher Open-Air-Schlager „Das Fest“ auf – zur familientauglichen Vorabendstunde am Samstag, 22. Juli, um 19.10 Uhr. auf der Haupttribüne am Hügel.

Entgegen dem spaßigen Bandnamen könnten sich die Musiker aus Nordost-Deutschland als Problembären des beliebten Spektakels in der Günther-Klotz-Anlage erweisen. Und zwar nicht nur, weil die Band im Vorfeld des G-20-Gipfels für den Aufkleber „Niemand muss Bulle sein“ geworben hat.

Manche ihrer Songtexte aus der Vergangenheit muten – nicht bloß vor dem Hintergrund der Hamburger Ausschreitungen – reichlich unterirdisch an: „Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck“, heißt es an einer Stelle. Und in der Nummer „Staatsgewalt“ kommt die Textzeile vor: „Die Bullenhelme – sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.“

Jan Gorkow, Sänger der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, 2017 bei einem Auftritt in Nürnberg.
Jan Gorkow, Sänger der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, 2017 bei einem Auftritt in Nürnberg. | Foto: dpa

AfD gegen den Auftritt

Zwar spielt die Band diesen und andere in solcher Weise problematische Titel nach eigenem Bekunden wegen erwiesener Plattheit und überholten Inhalts nicht mehr. Angesichts des G-20-Gipfels trifft eine solche Textzeile gerade in der Residenz des Rechts aber den Nerv.

Zum Beispiel den der AfD. Deren Stadtrat und Kreissprecher Paul Schmidt findet, die Punk-Kapelle dürfe nicht beim „Fest“ auftreten. Nur so könne verhindert werden, dass die Veranstaltung, die auch Aushängeschild Karlsruhes sei, ernsthaft Schaden nimmt.

Andere Stimmen außerhalb der rechtspopulistischen Partei argumentieren ähnlich. „Untragbar“ nannte ein BNN-Leser den geplanten Auftritt bei einem Festival, das auch von Steuergeldern mitfinanziert werde. „Die Sponsoren werden sich schön bedanken, wenn ihr Geld solchen Bands zur Honorierung dient“, gibt er zu bedenken. „Zumindest unsensibel“ findet CDU-Kreisvorsitzender Ingo Wellenreuther die Einladung an die Band.

Äußerung von „Feine Sahne Fischfilet“ zum G-20-Gipfel

„Fest“-Macher:  „Feine Sahne Fischfilet“ passt zur Veranstaltung

Die „Fest“-Macher kommen zu einer anderen Einschätzung. Die Formation „Feine Sahne Fischfilet“ passe mit ihrem starken Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in das Programm des Karlsruher Festivals, teilt „Fest“-Chef Martin Wacker in Abstimmung mit dem mitveranstaltenden Stadtjugendausschuss mit.

Im vergangenen Jahr sei die Truppe Headliner der Veranstaltung „Rostock rockt“ gewesen – unter Schirmherrschaft des dortigen Oberbürgermeisters. Eine Kritik an dem Auftritt habe es „von keiner Seite“ gegeben.

Die fragliche Punkband habe auf keinem ihrer Konzerte oder ihren Touren als Vor-Band – etwa für die „Toten Hosen“ – zu Gewalt oder Straftaten aufgerufen. Im Gegenteil: Anlässlich des G-20-Gipfels habe sich „Feine Sahne Fischfilet“ für die Teilnahme an der friedlichen, bunten Demo „Grenzenlose Solidarität statt G 20“ stark gemacht. Mit ihrem „positiven Engagement“ passe die Band gut zum „Fest“, glauben die Programmmacher.

Bis vor zwei Jahren im Verfassungsschutzbericht

Vor zwei Jahren stellte 3sat die Gruppe in der Reihe „Kulturlandschaften“ des Schriftstellers Wladimir Kaminer vor. Bis vor zwei Jahren tauchte sie auch im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern auf.

Worauf die Musiker mit einem besonderen Angebot reagierten: Kinder von Mitarbeitern des Verfassungsschutz-Amts dürften zu allen Konzerten erscheinen und würden gratis vorgelassen, so die Band. Landes-Innenminister Lorenz Caffier (CDU) solle sich da mal keine Sorgen machen.

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