WILL, DASS DM DER BRANCHENPRIMUS BLEIBT: Erich Harsch hat die Zahlen fürs erste Geschäftshalbjahr präsentiert. Relativ betrachtet wächst das Unternehmen im Ausland deutlich stärker als auf dem Heimatmarkt Deutschland. | Foto: dpa

Marktführer aus Karlsruhe

dm bezirzt mehr denn je die Chinesen

Vor einigen Jahren sorgte das Bild in der deutschen Wirtschaftspresse für Furore: Da hatte doch tatsächlich ein chinesischer Geschäftsmann in Fernost eine dm-Filiale eins zu eins kopiert. Chinesen räumen auch mit schöner Regelmäßigkeit in Deutschland bei dm & Co Regale vor allem mit Baby-Nahrungsmitteln leer – und verkaufen sie in ihrer Heimat auf dem Graumarkt. Das zeigt: Der Branchenprimus dm zieht auch in China. Die sich daraus ergebenden Chancen wollen sich nun die Karlsruher direkt zunutze machen: Mittlerweile betreiben sie auf der online-Plattform Tmall Global einen offiziellen dm-Shop in China, vor allem mit Eigenmarken. „Es ist das erste Mal, dass wir unsere Waren auch außerhalb Europas vertreiben, und wir sind sehr zufrieden mit dem Start“, so dm-Chef Erich Harsch in Karlsruhe bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Mit vier Marken und 50 Produkten ging es zunächst los. Schritt für Schritt wolle man sich im bevölkerungsreichsten Land der Welt vorwärtsbewegen.

Gnadenloser Preiskampf zwischen dm und Rossmann

Auch der größte dm-Konkurrent, Rossmann, betreibt in der Volksrepublik eigene Online-Shops. Ein Grund dürfte auf der Hand liegen: Harsch spricht von einem „gesättigten Markt“ in Deutschland. Der wuchs im ersten Geschäftshalbjahr bei dm mit plus 5,6 Prozent auf 3,915 Milliarden Euro Umsatz auch nicht mehr so stark wie in den elf Auslandsmärkten mit 8,7 Prozent Zuwachs auf 1,167 Milliarden Euro.
Vor allem dm und Rossmann liefern sich einen gnadenlosen Preiskampf – darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass dm nach eigenen Angaben nach wie vor eine Rendite von ein bis zwei Prozent erwirtschaftet. „Das müssen wir auch“, sagt Harsch. Und es wird nicht besser: Jetzt will auch noch Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka zusammen mit dem Hamburger Drogeriefilialisten Budni in Deutschland eine eigene Drogeriekette aufziehen, falls das Kartellamt mitmacht.

Erneuter Versuch in Italien

„Es sind dynamische Veränderungen auf dem Markt, die stattfinden“, sagt Harsch grundsätzlich zu all den Herausforderungen. Die Karlsruher wagen sich auch nach Italien – mit einem neuen Konzept. Vor Jahren hatten sie das bereits einmal versucht. Derzeit wird in Verona eine dm-Zentrale für Italien aufgebaut. Die erste Filiale soll bis zum Jahresende folgen. Anfangs will sich dm vor allem in Norditalien tummeln – mit seiner Kompetenz gerade bei der dekorativen Kosmetik – also Lippenstift, Rouge & Co – könnten sie dort bei den modebewussten Italienerinnen ankommen. „In Europa erwarte ich einen Impuls durch Italien“, so Harsch.

Smartphones für Mitarbeiterinnen in den Filialen

Parallel forciert der Konzern, der mittlerweile 3 404 (vor einem Jahr: 3 282) Filialen betreibt und 56 522 (zuvor: 54 935) Mitarbeiter beschäftigt, seine Digitalsparte: Die Nachfrage im 2015 etablierten Online-Shop entwickele sich „unerwartet gut“, so dass nun auch die Belieferung des deutschen Online-Marktes über das Lager eines Partners in Tschechien erfolgen müsse. dm arbeitet auch mehr denn je mit Influencern zusammen und punktet so bei der jungen weiblichen Kundschaft. Auch die Präsenz auf dem Szenekongress „Glow – The Beauty Convention“ in Berlin habe sich ausgezahlt. dm stellt erstmals spezialisierte Experten („Data Scientists“) ein, auch wenn „das Kerngeschäft nach wie vor in der physischen Welt stattfindet“, wie Harsch betont. Aber auch die Mitarbeiterinnen in den Filialen sollen Firmen-Smartphones bekommen, damit sie zu speziellen Kundenanfragen im Internet recherchieren können.
Parallel investiert dm: in die neue Firmenzentrale in Karlsruhe, deren Eröffnung nun im Frühjahr 2019 geplant sei, und in den Bau eines gut 100 Millionen Euro teuren dritten bundesweiten Logistikzentrums im brandenburgischen Wustermark.