"Und bitte": In einem Garten in der Nordstadt wird für einen Film gedreht, der 2019 in die Kinos kommt. | Foto: jodo

Filmdreh in der Fächerstadt

Drehort Karlsruhe

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Die Sonne scheint hell an diesem Septembernachmittag – ein bisschen zu hell für die Dreharbeiten im Garten des Hauses in der Nordstadt. Ein großes Sonnensegel ist deswegen über der Szene aufgespannt. Zwei Frauen und zwei Männer sitzen am gedeckten Tisch vor dampfenden Schüsseln. Es gibt Königsberger Klopse.

Die Hamburger Produktionsfirma Tamtam Film dreht derzeit den Kinofilm „Tagundnachtgleiche“ in Karlsruhe. Es ist eine Co-Produktion mit dem SWR und Arte, im kommenden Jahr soll er in die Kinos kommen. In der Geschichte geht es um Alexander (Thomas Niehaus) und die Schwestern Paula (Aenne Schwarz) und Marlene (Sarah Hostettler). Alexander verliebt sich im Film in Paula, nach ihrer einzigen gemeinsamen Nacht kommt die junge Frau bei einem Unfall ums Leben. An Paulas Grab lernt Alexander Marlene kennen.

Thomas Niehaus
Dreht derzeit in Karlsruhe: Thomas Niehaus spielt in „Tagundnachtgleiche“ den Alexander. | Foto: Dix van Nix

Mehrere Drehorte in Karlsruhe

Gedreht wird der Film an verschiedenen Orten in der Fächerstadt. Neben Garten und Haus in der Nordstadt dreht das Team auch in der Pappelallee, in der Durlacher Allee und in der Jollystraße. „Gestern haben wir im Klinikum gefilmt“, erzählt Katharina Kremer. Weil die Szene im Regen spielt, habe man mit der Karlsruher Feuerwehr zusammengearbeitet – diese sorgte für die kühle Dusche von oben. Und auch die Karlsruher selbst sind im Film immer wieder zu sehen – für verschiedene Szenen wurden Komparsen gecastet. Katharina Kremer ist die Producerin bei „Tagundnachtgleiche“, für die Hamburger Produktionsfirma begleitet sie die Dreharbeiten in Karlsruhe.

Sarah Hostettler
Schauspielerin Sarah Hostettler übernimmt im Film die Rolle der Marlene. | Foto: Waldemar Salesski

Im Garten wird derweil noch gewuselt. Gut 30 Leute sind hier zugange, um alles vorzubereiten. Technisches Gerät wird umhergetragen, Kamerafrau Eva Katharina Bühler positioniert sich neben einem Quittenbaum auf einer kleinen Kiste, die Szene am Gartentisch genau vor der Linse. Regisseurin Lena Knauss sitzt direkt daneben. Die vier Schauspieler am Tisch werden abgepudert, da wird noch eine Haarsträhne zur Seite gekämmt, hier ein Kragen gerichtet. Liegt das Besteck richtig? Ist genug Wasser in den Gläsern? Mitten in diesem Treiben steht Malte, der erste Regieassistent. Malte trägt ein Headset, über das er auch mit denen kommunizieren kann, die gerade nicht am Set sind. „Wir kommen langsam zur Ruhe“, dirigiert er nun alle auf ihre Plätze. Dann das Startsignal: „Und bitte“.

Königsberger Klopse aus großen Töpfen

Beim Dreh sind alle mucksmäuschenstill, nur die Stimmen der Schauspieler am Tisch sind leise zu hören. Sie essen ihre Königsberger Klopse und streiten. Am Ende steht Marlene auf und läuft ärgerlich davon. Die Szene wird noch ein paar Mal gedreht werden an diesem Nachmittag. Das sei meist so beim Film, auch um verschiedene Einstellungen zu haben, wie Katharina Kremer erklärt. Und: Jedes Mal muss alles wieder erneut „drehfertig gemacht werden“. „Das bedeutet, dass Maske und Kostüme noch einmal hergerichtet werden“, sagt Katharina Kremer. „Außerdem müssen die Teller gespült werden.“ Aus großen Töpfen werden immer wieder neue Königsberger Klopse herangeschafft.

Ich finde die Milchzähne nicht

Der Innendreh soll übrigens im Haus gegenüber stattfinden. „Das passt einfach besser“, erklärt Kremer. Momentan wird dort noch alles für die Aufnahmen vorbereitet. Mitten in einem der Kinderzimmer unter dem Dach sitzt Stephanie und macht Unordnung. „Das gehört zur Szene“, lacht sie. Stephanie kümmert sich beim Film um die Requisite.

Im Film werden Alexander und Marlenes Mutter später in Kindheitserinnerungen der Schwestern wühlen, dafür hat Stephanie stilecht 80er-Jahre-Spielzeug großzügig auf dem Boden verteilt. Nur eins fehlt noch: „Ich finde die Milchzähne nicht“, sagt Stephanie ratlos und kramt in einem Karton.

Eine Waschmaschine in der fahrbaren Garderobe

Ein paar Straßen weiter hat das Filmteam seine „Base“ aufgebaut, eine Art Lagezentrum für die Dauer des Drehs. Ein Lkw ist für Verpflegung zuständig, im Schatten eines Baumes stehen Bierbänke. Im Kostüm- und im Maskenmobil werden die Schauspieler für die Drehs hergerichtet. In der fahrbaren Garderobe stehen sogar Waschmaschine und Trockner bereit.

„Mit dem Wetter haben wir wirklich Glück“, sagt Katharina Kremer und blickt nach oben. Hätte es geregnet, hätte man umdisponieren müssen. Wie, entscheidet das Team stets spontan.

Dann geht es zurück in den Garten. Dort ist alles wie zuvor. Die Schauspieler sitzen immer noch am Tisch. Malte läuft umher und hat die Lage im Blick. Eine Requisiteurin räumt derweil die Teller ab. Eine neue Ladung Königsberger Klopse muss her.