Schloss Augustenburg
DIE FÜRSTLICHE PRACHT des historischen Mittelbaus von Schloss Augustenburg steht unter Denkmalschutz und wird erhalten. Dabei wird auch der Rest der ganz alten Bausubstanz vom Investor Einrichtungsträger Oprea seniorengerecht umgebaut. | Foto: jodo

Veränderungen um Augustenburg

Drei Klötze für Grötzingens Zukunft

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Karlsruhes Schlösser sind fast an einer Hand abzuzählen. Na klar, zuerst kommt das großherzogliche Schloss im Mittelpunkt des Fächers, dazu natürlich das Mutterschloss, die Durlacher Karlsburg. In Hohenwettersbach sitzt gar heute noch ein adeliger Herr im Schloss.

In Schloss Gottesaue regieren die Musiker, und in Scheibenhardt hinterm Golfplatz residieren Malklassen der Kunstakademie. Eines fehlt noch – das mit den ältesten erhaltenen Mauern, der großmütterliche Fürstensitz: Schloss Augustenburg in Grötzingen.

Ausgerechnet dort, wo die badischen Markgrafen auf heute Karlsruher Gemarkung sich zuerst ein Schloss ausbauen ließen, hat das fürstliche Bauwerk in seiner fast 500-jährigen Geschichte viel an Substanz verloren.

Das noch erhaltene Gemäuer hat eine besonders wechselhafte Geschichte mit vielen ganz unterschiedlichen Hausherren hinter sich und jetzt einen großen Umbruch mit Abriss und Neuaufbau der Flügel sowie einem Zusatztrakt vor sich.

Im Prinzip ändert sich nichts: Alte Menschen werden wie seit Jahrzehnten ihren Lebensabend in einem Schloss mit pittoresker Lage im alten Kirchenviertel des Malerdorfs verbringen. In der Praxis aber ändert sich viel: Eine moderne Seniorenanlage entsteht statt einer auch wegen mangelhaftem Brandschutz und fehlender Barrierefreiheit nicht mehr zeitgemäßen Pflegeeinrichtung.

Damit wird das Wohnen im Grötzinger Schloss wesentlich teurer und nicht mehr für jeden Pflegebedürftigen erschwinglich sein.

Grötzinger Umbaugebiet
IM UMBRUCH befindet sich der Südteil des alten Grötzingens an der Augustenburgstraße (vorne): Im Viertel um die Kirchstraße, die zwischen dem klotzigen Schul-Neubau (links) und dem „Schwanen“ – wo weitere Änderungen bevorstehen – zur Kirche mit dem verdrehten Turmdach führt, soll die Lücke (Bildmitte) durch einen Riegelbau für die Seniorenresidenz Augustenburg ergänzt werden; rechts relativ große Neubauten für Mietwohnungen. | Foto: jodo

Unding auf dem Parkplatz

Auch für die Grötzinger in der Nachbarschaft ändert sich viel – nicht nur wegen des Drecks und Lärms in der vom Investor angestrebten drei Jahre Bauzeit. Vor allem ein viergeschossiger Zusatzriegel auf dem heutigen Parkplatz entlang des Nordflügels empfindet Nachbarin Jutta Leyendecker als „ein Unding“. Im Kirchenquartier mit den kleinen Häuern an der Kirchstraße gehe durch „diesen Riesenklotz die Maßstäblichkeit verloren“, sagt die Bürgerin.

„Es ist der dritte große Neubau in kurzer Zeit“, erklärt sie. Dabei griffen bereits der wuchtige Neubau der Schule an der Kirchstraße sowie der Mietwohnungs-Neubaukomplex an der Augustenburgstraße negativ in das historische Dorf-Ensemble ein.

Maler kauft das Schloss

Außerdem vermisst Jutta Leyendecker bei der großen Umgestaltung der Augustenburg eine Erinnerungsstätte für die Grötzinger Maler. Der Maler Otto Fikentscher erwarb 1890 Augustenburg und machte das Schloss für zehn Jahre zum Domizil einer Künstlerkolonie. In der alten Pracht an der Kirchstraße arbeiteten, feierten und wohnten die unkonventionellen Kreativen. Sie machten Grötzingen zum Malerdorf von nationaler Bedeutung. Noch heute leben in Grötzingens Kern relativ viele Künstler – im Schloss Augustenburg ist es damit schon seit mehr als 100 Jahren vorbei.

Baubürgermeister Michael Obert sieht den Konflikt zwischen gebotener Modernisierung und Nachverdichtung auf der einen und dem Erhalt der historischen Substanz und der Idylle mit Lebensqualität auf der anderen Seite. Dass der Investor Oprea auf Anregung der Stadt einen Architektenwettbewerb mit 18 Teilnehmern für sein Projekt Augustenburg-Projekt machte, hält Obert für gut und wichtig. „Dabei gab es zwei erste Preise“, berichtet er.

Der eine Entwurf, den der Investor wohl bislang favorisiert, sehe den massiven Zusatz-Querriegel auf der Nordseite vor, der andere dagegen auf dem Parkplatz eine weniger massive Bebauung mit Einzelhäusern. Dabei wird laut Obert aber stärker als beim ersten Entwurf in die historische Schlosssubstanz an der Nordostecke des Schlosses eingegriffen.

Nichts wird erschlagen

„Städtebaulich wird nichts erschlagen“, meint der Baubürgermeister. Doch räumt er ein, dass ihm persönlich der weniger massive Entwurf lieber sei. Noch seien die Würfel nicht endgültig gefallen, sagt Obert. Auf jeden Fall werde die Stadt den Bauantrag des Investors auch im Hinblick auf den Denkmalschutz intensiv prüfen, unterstreicht der Baudezernent. Eine Veränderung des Bebauungsplans ist laut Obert indes nicht notwendig. Wie bereits im Grötzinger Ortschaftsrat geschehen (die BNN berichteten), wird das Projekt Augustenburg nun am Mittwoch, 18. April, um 16.30 Uhr im Rathaus, Großer Sitzungssaal, dem Planungsausschuss der Stadt öffentlich vorgestellt.

Auch Karen Eßrich, die Ortsvorsteherin von Grötzingen, sieht keine Möglichkeiten zum Eingreifen der Politik, so lange der Investor auf seinem Grundstück das Baurecht und den Denkmalschutz für den Mittelbau des Schlosses beachtet.

Für Grötzingen ambivalent

Das Projekt sei für Grötzingen ambivalent. „Es bringt eine wesentliche Verbesserung für die Altenbetreuung, es nimmt Rücksicht auf den Denkmalschutz, und es ist uns wieder ein öffentlicher Raum im Schloss für Trauungen und Feste versprochen“, stellt Eßrich fest. Andererseits komme schon „ein großer Bau“ hinzu, „damit wird natürlich stark verdichtet“, erklärt sie. „Der Charakter der Kirchstraße wird verändert“, räumt die Ortsvorsteherin ein. Zum Schulneubau und dem Mietwohnungskomplex komme jetzt noch ein dritter Klotz am Schloss.

Geplantes  Seniorenzentrum

Vor einem Jahr hat die deutsche Tochter des französischen Konzerns Orpea Schloss Augustenburg in Grötzingen gekauft. Auch der vormalige Betreiber Haus Edelberg gehört inzwischen Orpea. Er soll auch das neue Seniorenzentrum im sanierten Mittelbau und im vorgelagerten Kavaliershaus, die unter Denkmalschutz stehen, in zwei Flügelbauten an Stelle derer aus den 70er Jahren sowie einem viergeschossigen Neubauriegel etwa ab 2022 betreiben.

Im Oktober will Orpea mit den Abrissarbeiten beginnen. Für die Neubauten will sich die Stadt für eine eingehende Prüfung des Bauantrags allerdings entsprechend viel Zeit nehmen. Das Seniorenzentrum bekommt stationäre Wohngruppen unterschiedlichster Art. Insgesamt hat es 100 Plätze. Dazu kommen nach Angaben der Stadtverwaltung 30 Service-Appartements sowie eine Tagespflegeeinrichtung mit 15 Plätzen. ruh