ERSTE GÄSTE: Der Karlsruher OB Frank Mentrup (l.), die Polizeipräsidentin Caren Denner und Sozialminister Manne Lucha. | Foto: Kranich

Weg von der Straße

Drogenraum in Karlsruhe: Das versprechen sich die Verantwortlichen

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In der Karlsruher Innenstadt ist der erste Drogenkonsumraum des Landes eröffnet. Schwerstabhängige können sich dort unter hygienischen Bedingungen und vor den Augen der Öffentlichkeit geschützt, ihren mitgebrachten Stoff verabreichen.

In der silbernen Nierenschale liegt alles bereit: Ein Löffel, ein Feuerzeug, die Spritze zum Aufziehen des Stoffs, dazu noch Desinfektionstücher und Pflaster. „Nur den Stoff, den müssen unsere Besucher selbst mitbringen“, sagt Baris Polak-Göttmann.

Der gelernte Krankenpfleger ist einer von zwei hauptamtlichen Kräften, die künftig von Montag bis Samstag zwischen 10 und 16 Uhr im gerade eröffneten Drogenkonsumraum in der Kriegstraße 76 in Karlsruhe anwesend sind.

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Hier in der Innenstadt finden Schwerstabhängige nun einen Ort, an dem sie sich unter hygienischen Bedingungen und geschützt vor den Augen der Öffentlichkeit, ihre Drogen verabreichen können. Entweder intravenös, oder durch die Nase – auch dafür stehen die nötigen Instrumente sauber und steril bereit.

Entlastung für die offene Karlsruher Drogenszene

Die Verantwortlichen versprechen sich davon eine Verbesserung der Lebensqualität nicht nur für ihre Kundschaft sondern auch für alle Menschen in der Stadt. „Für Plätze mit einem Drogenschwerpunkt, wie zum Beispiel dem Werderplatz in der Karlsruher Südstadt, erwarten wir uns eine deutliche Entlastung“, sagt die Leiterin der neuen Einrichtung, Petra Krauth. Herumliegende Spritzen könnten künftig der Vergangenheit angehören.

Schwierige Diskussionen im Vorfeld

Als erste Stadt in Baden-Württemberg hat Karlsruhe einen solchen Drogenkonsumraum bekommen. Der Eröffnung waren lange und schwierige politische Diskussionen vorausgegangen. Möglich wurde die Einrichtung erst durch den Erlass einer entsprechenden Landesverordnung, die den Betrieb genehmigte und legalisierte.

Mit dem Beschluss der schwarz-grünen Landesregierung im März war der Weg für die landesweite Premiere frei. Der Karlsruher Gemeinderat hatte sich schon im April 2018 einstimmig zu dem Projekt bekannt.

Wir leisten damit pragmatische Überlebenshilfe

Sozialminister Manne Lucha (Die Grünen)

Träger des neuen Drogenkonsumraums ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Durch den Kontaktraum „Get in“ haben die Mitarbeiter dort seit 25 Jahren Erfahrungen mit und Beziehungen zu Suchtkranken in der Stadt. „Sie stehen den neuen Räumlichkeiten sehr aufgeschlossen gegenüber“, berichtet Petra Krauth, die auch das „Get in“ leitet. Der Drogenkonsumraum ist in einem Nebenraum des „Get in“ untergebracht und damit für jeden Betroffenen einfach zu erreichen.

Abhängige werden am Eingang kontrolliert

Wer sich seinen Stoff dort verabreichen will, wird künftig nach dem Klingeln eingelassen. Bei einem Erstaufnahmegespräch werden Eckdaten wie die Dauer der Abhängigkeit und die Konsumgewohnheiten festgehalten.

Sauber und geschützt: Im Drogenkonsumraum am Rand der Karlsruher Innenstadt können sich abhängige Menschen ihren Stoff künftig unter hygienischen Bedingungen verabreichen. Die nötigen Instrumente bekommen sie gestellt. | Foto: dpa

So soll auch verhindert werden, dass Erstkonsumenten kommen. Nach einer kurzen Überprüfung der mitgebrachten Drogen können die Abhängigen dann auf einem der vier apfelgrünen Stühle Platz nehmen und sich in aller Ruhe ihren Stoff verabreichen. 30 Minuten haben sie dafür Zeit. Benutzte Spritzen müssen mit einer Kappe verschlossen wieder abgegeben werden. Das Personal vor Ort entsorgt sie fachgerecht.

Moderne und humane Drogenpolitik

Sozialminister Manne Lucha von den Grünen, der zur Eröffnung des ersten Angebotes im Land nach Karlsruhe gekommen war, sieht in dem Raum einen wichtigen Schritt in Richtung einer „modernen und humanen Drogenpolitik.“ Man leiste damit pragmatische Überlebenshilfe.

Raum ist Verbesserung für alle

Zur feierlichen Eröffnung waren neben dem Minister auch der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sowie Polizeipräsidentin Caren Denner und der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Gremmelmaier vor Ort, um sich ein Bild von der Einrichtung zu machen.

Sie alle sind sich einig, dass ein Drogenkonsumraum nicht nur für die Abhängigen gut ist. „So ein Raum kann auch dazu beitragen, die negativen Begleiterscheinungen der offenen Drogenszene im städtischen Raum zu reduzieren“, ist sich Mentrup sicher.