Zirkel
Einige Monate ist es her, seit die Durchfahrsperre im Zirkel in Kraft getreten ist. Wie ist der aktuelle Stand? | Foto: jodo

Erste Fortschritte

Durchfahrverbot am Zirkel: Das ist der aktuelle Stand

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Nahe dem Schloss rollen offenbar weniger Autos von West nach Ost durchs Herz der Innenstadt als vor zwei Jahren. Aktuelle Verkehrsaufzeichnungen legen nahe, dass die Zahl der Autos im Zirkel gesunken ist. Zugleich stieg die Zahl der Linksabbieger, die durch den Autotunnel unter dem Schlossplatz nach Osten fahren, nur leicht.

Das berichtet der Leiter des Ordnungs- und Bürgeramtes, Björn Weiße. Offenbar ignorieren aber noch fünf bis sechs von 100 Autofahrern das Durchfahrverbot am Zirkel.
14 Stunden lang liefen am 5. November, einem Dienstag, zwei Kameras an der Fahrradstraße. Eine zeichnete das Verkehrsgeschehen bei der westlichen Einfahrt in den Zirkel an der Waldstraße auf. Die zweite Kamera stand an der Stelle, wo der Zirkel die zentrale Achse zwischen Schloss und Marktplatz kreuzt.

Dort hindert eine feste Sperre seit Juli Autos und Lastwagen an der Durchfahrt. Schilder verbieten ihnen die komplette Passage schon lange, das wurde aber viel missachtet. Die fest montierte Durchfahrsperre gilt als Verkehrsversuch. Von 6 bis 20 Uhr wurden an der Ecke von Zirkel und Waldstraße rund 2 154 Autos registriert. Vor zwei Jahren waren es etwa 2 800 in 14 Stunden gewesen – also 650 mehr.

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Alle sieben Minuten ein Wendemanöver

280 Fahrzeuge rollten am 5. November bis an die Barriere in der Mitte der Fahrradstraße. Das entspricht einem Anteil von 13 Prozent am Gesamtverkehr bei der Zirkel-Einfahrt. Dabei hatten Weiße zufolge 160 Anlieger tatsächlich ein Ziel am westlichen Zirkel, etwa weil sie parkten oder anlieferten. 120 waren „Falschfahrer“, die wendeten und sofort zurückfuhren. Rechnerisch ergibt sich so ungefähr ein Wendemanöver alle sieben Minuten. Das sei „keine besonders hohe Zahl“, aber auch noch nicht der angestrebte Zustand, kommentiert Weiße den Befund.

Anlass für die Aufzeichnung und die aufwendige Auswertung ist, dass mehrere Monate nach dem Versuchsstart weiter regelmäßig Wendemanöver im Zirkel stattfinden. Im Blickfeld der Kamera entstand dadurch auf der Fahrradstraße keine gefährliche oder bedrohliche Situation, sagt Weiße. In dieser Hinsicht sei jeder aufgezeichnete Wendevorgang einzeln ausgewertet worden.

Doch sei bekannt, dass Radfahrer durch wendende Autos immer wieder Probleme bekämen. Die Fachleute aus dem Ordnungs- und Bürgeramt, dem Tiefbauamt und dem Stadtplanungsamt beobachteten die Lage auch weiter persönlich.

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Analyse mit Wärmebildkamera im Gespräch

Am Fuß der Sperrpfosten wurden auch Fußgänger und Radfahrer per Kamera aufgenommen und anschließend gezählt. Die Videoaufzeichnung von dieser Stelle zeigt, dass in den beobachteten 14 Stunden mehr als 6.000 Radler auf dem Zirkel unterwegs waren. Rund 2.800 Fußgänger passierten den Punkt in diesem Zeitraum in beiden Richtungen auf der Nord-Süd-Achse. „Das ist ein erhebliches Aufkommen“, sagt Weiße. Genau auf die Erfüllung der Bedürfnisse dieser Verkehrsteilnehmer ziele die Gestaltung des Zirkels ab.

Weiße betont, dass es die Videoaufzeichnungen nicht ermöglichen, Menschen oder Fahrzeuge zu identifizieren. In Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Karlsruhe sei eine weitere Analyse mittels Wärmebildkamera im Gespräch. Deren Aufnahmen könnten automatisiert ausgewertet werden, was ein wichtiger Vorteil ist. Ob sie eingesetzt wird, hänge von der Bewertung der jüngst gewonnenen Analysedaten ab, so Weiße.

In Durlach beobachten die Grünen im Ortschaftsrat die Lage am Zirkel mit besonderem Interesse. Zu viel Autoverkehr in der Altstadt und illegale Durchfahrten in der Durlacher Fußgängerzone ließen sich durch Änderungen der Verkehrsführung stoppen oder positiv beeinflussen, argumentieren sie mit ausdrücklichem Hinweis auf die Strategie der Stadt am Zirkel.

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